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Hacker stehlen Lieder von Lady Gaga

Aus ihren Kinderzimmern Hacker stehlen Lieder von Lady Gaga

Von zwei Kinderzimmern im Ruhrgebiet aus drangen sie in die Computer von Popstars wie Lady Gaga, Justin Timberlake oder Mariah Carey ein. Am Donnerstag mussten sich die beiden 18 und 23 Jahre alten Männer vor Gericht verantworten.

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Ein 23-Jähriger (Bild) und sein 18-jähriger Komplize haben unveröffentlichte Songs unter anderem von Lady Gaga und Mariah Carey geklaut und im Internet verkauft.

Quelle: dpa

Duisburg. Duisburg. Von zwei Kinderzimmern im Ruhrgebiet aus drangen sie in die Computer von Popstars wie Lady Gaga, Justin Timberlake oder Mariah Carey ein. Mehr als 1000 bislang unveröffentlichte Songs holten sie sich mit illegalen Computertricks nach Hause. Am Donnerstag mussten sich die beiden 18 und 23 Jahre alten Männer vor Gericht verantworten. Schüchtern saßen sie auf der Anklagebank des Jugendschöffengerichts Duisburg.

Mit leisen Stimmen erzählten sie von ihrem Leben, versuchten, ihre Taten zu rechtfertigen. „Das war halt ’ne Sucht für mich“, sagte der 23-Jährige, der sein Gesicht zunächst unter einem Hut und hinter einer Sonnenbrille verbarg. Mit 14 Jahren habe er seinen ersten Computer bekommen und seither mehr Zeit im Netz als in der Realität verbracht. Er lud Lieder runter, trieb sich in virtuellen Tauschbörsen rum. Freunde habe er nicht viele gehabt, draußen im wahren Leben sei er selten gewesen, sagte er zu dem Richter.

Ähnlich war es bei „DJ Stolen“, wie sich der 18 Jahre alte zweite Angeklagte in der Szene nennt. Auf seiner Festplatte soll er nach einem Medienbericht mehr als hunderttausend Lieder gespeichert haben. Im Internet hat er unter anderem „Masquerade“ von den Backstreet Boys, „Rockband“ von Usher und „No Way“ von Lady Gaga angeboten, lange bevor die Plattenfirmen sie veröffentlichten.

Zum Motiv der beiden Hacker, die mit dem Verkauf der geklauten Songs 15 000 Euro Gewinn machten, hatte der Richter keine Zweifel: „Sie wollten hauptsächlich Ruhm ernten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Songs auf den ausspionierten Computern seien Zufallstreffer gewesen. Gleiches gelte auch für intime Fotos von Popsängerin Kesha. Von ihr hatte sich der 18-Jährige sogar eine persönliche Widmung – einen sogenannten „Shout“ – aufnehmen lassen. Das wirkt in der Szene wie ein Orden. Zuvor hatte er gedroht, die Bilder zu veröffentlichen. In einem Hacker-Forum hatte der 18-Jährige geschrieben: „Ich mach dich fertig.“

Für den Verteidiger des 18-Jährigen ist klar, dass sein Mandant internetsüchtig ist. Auch für das Gericht stand außer Frage, dass die Männer hochgradig süchtig seien. Das Gericht hat ihn nach Jugendstrafrecht zu einer sogenannten Vorbewährung verurteilt. Nun hat er sechs Monate Zeit, um eine Therapie zu beginnen, 150 Sozialstunden abzuleisten und sich zur Abschreckung eine Justizvollzugsanstalt von innen anzuschauen. Erfüllt er die Auflagen nicht, muss er für 18 Monate ins Gefängnis. Der mitangeklagte 23-Jährige ist zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Ihm nahm das Gericht ab, die Hackerszene verlassen zu haben. Er hatte die ihm zur Last gelegten Attacken zwischen März 2009 und Juli 2010 komplett eingeräumt.

Dass „DJ Stolen“ sein Verhalten ändern werde, wollte die Staatsanwältin nicht recht glauben. Tatsächlich wurden die Ermittler schon Anfang des Monats wieder auf den 18-Jährigen aufmerksam – da war er längst angeklagt. Wieder soll er seinem illegalen Hobby gefrönt haben. „Nach dem dritten Mal hab ich schon verstanden, dass da was nicht richtig ist“, sagte er jetzt vor Gericht über seine Rückfälle. Was er denn den ganzen Tag mache, fragte der Richter ihn. „Ich helfe meiner Mutter im Haushalt und gucke DVD-Filme.“

Lady Gaga, Justin Timberlake und Kesha: Verteidiger Burkhard Benecken hatte im Prozess sogar beantragt, die Stars in den Zeugenstand zu rufen. Sein Verdacht: Die Songs seien so schlecht gesichert gewesen, dass die Verantwortlichen die Angriffe der Hacker als zusätzliche Werbung einfach hingenommen hätten. Das wertete das Jugendschöffengericht allerdings als „eine Behauptung ins Blaue hinein“. Die Popstars wurden nicht geladen.

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