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Kein Methadon in Haft: Menschenrechtsverstoß

Heroinabhängiger Häftling hat geklagt Kein Methadon in Haft: Menschenrechtsverstoß

Das Urteil aus Straßburg könnte Signalwirkung haben: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass Deutschland gegen die Menschenrechte verstoßen hat - weil ein Häftling in Bayern kein Methadon bekam.

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Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass heroinabhängigen Häftlingen kein Methadon verwehrt werden darf.

Quelle: dpa

Straßburg. Deutschland hat gegen die Menschenrechte verstoßen, indem einem heroinabhängigen Häftling aus Bayern über Jahre im Gefängnis ein Ersatzstoff wie Methadon verwehrt wurde. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg wertete das in einem Urteil vom Donnerstag als unmenschliche Behandlung. Beschwerde eingereicht hatte ein 1955 geborener Mann, der in der Justizvollzugsanstalt im bayerischen Kaisheim jahrelang kein Methadon bekommen hatte.

Die Ersatzdroge Methadon

Methadon dient als synthetischer Drogenersatz in der Suchttherapie. Der opiatähnliche Stoff unterdrückt Entzugssymptome, macht aber ebenfalls süchtig. Anders als Heroin führt Methadon jedoch nicht zu rauschartigen Zuständen. Methadon kann als Tablette geschluckt werden oder in flüssiger Form. Weil es einen bitteren Geschmack hat, wird es mit Saft verdünnt getrunken. Die Ersatzdroge soll Abhängigen dabei helfen, aus der Beschaffungskriminalität herauszufinden und ein weitgehend normales Leben zu führen. Methadon wirkt ähnlich wie Morphium, gilt aber als noch stärkeres Schmerzmittel. Eine Überdosierung kann zum Tod führen. Besonders für Kinder ist Methadon schon in geringer Dosierung gefährlich.

In Deutschland entscheidet nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) jede Haftanstalt selbst, ob sie ein Methadon-Programm anbietet. Bayernweit bekamen nach Angaben des Justizministeriums 2015 nur 45 von 2200 bis 3000 heroinabhängigen Häftlingen einen Ersatzstoff. In Berlin seien es vier Prozent aller Gefangenen, in Nordrhein-Westfalen zehn Prozent.

Gegen das Urteil kann binnen drei Monaten Berufung eingelegt werden, es ist noch nicht rechtskräftig.

dpa/RND

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