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Haftbefehl nach tödlicher Schlägerei in Rostock

Streit um Bollerwagen Haftbefehl nach tödlicher Schlägerei in Rostock

Erneut ist ein Mann auf einem Bahnhof zu Tode geprügelt worden. Zwei alkoholisierte „Herrentagsgruppen“ waren in Rostock-Warnemünde aus nichtigem Anlass in Streit geraten. Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter rasch ermitteln. Gegen ihn erging Haftbefehl.

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Die entscheidenden Hinweise kamen von den Aufzeichnungen der Videokameras an den Bahnsteigen.

Quelle: dpa

Ein Mann ist bei einer schweren Schlägerei zwischen zwei betrunkenen „Herrentagsgruppen“ auf einem S-Bahnhof in Rostock zu Tode geprügelt worden. Der Anlass war ein Streit um einen Bollerwagen. Wenige Stunden nach der Tat an Christi Himmelfahrt wurden drei Verdächtige festgenommen. Am Freitag dann, nachdem die Beteiligten ausgenüchtert waren und vernommen werden konnten, ermittelten die Beamten rasch den mutmaßlichen Täter. Das Amtsgericht Rostock erließ am Nachmittag Haftbefehl wegen Totschlags gegen den 24-jährigen Rostocker, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die beiden anderen Festgenommenen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

„Es ging wohl nur darum, wer den schöneren Ausflugswagen hatte“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt in Rostock, Klaus Müller, am Freitag. Beide Gruppen mit jeweils vier bis fünf Mitgliedern seien alkoholisiert gewesen. Als die Prügelei eigentlich schon vorbei war, soll der Tatverdächtige dem 44-Jährigen von hinten noch einen schweren Faustschlag versetzt haben. Laut Polizei wurde dabei die Halsschlagader des 44-Jährigen verletzt und er erlitt eine Hirnblutung. Er stürzte zu Boden und blieb bewusstlos liegen. Die Rettungskräfte konnten den Mann aus dem Landkreis Bad Doberan zwar wiederbeleben, er starb jedoch wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter hatte laut Polizei noch drei Stunden nach der Tat einen Alkoholpegel von 1,72 Promille.

Die entscheidenden Hinweise kamen laut Polizei von den Aufzeichnungen der Videokameras an den Bahnsteigen und von Zeugen. „Die Schlägerei ist auf dem Video deutlich zu sehen“, sagte Müller. Der Anlass für den Streit sei nichtig gewesen: Die Gruppe des Opfers habe einen Bollerwagen gehabt, die andere Gruppe mit den Tatverdächtigen einen Einkaufswagen. Die Männer hätten darum gestritten, wer den schöneren Wagen hatte.

„Dass dies auf dem Bahnhof stattfindet, war reiner Zufall“, erklärte der Oberstaatsanwalt. Die Gruppen hätten sich auch überall sonst streiten und schlagen können. Die mutmaßlichen Schläger flohen nach der tödlichen Attacke. Nach zwei weiteren Verdächtigen aus der Gruppe der Prügler werde noch gefahndet, hieß es. Alle an der Schlägerei Beteiligten - auch die aus der Gruppe des Opfers - müssten mit Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung rechnen. Eine Parallele zu anderen Fällen, wie dem Übergriff auf Dominik Brunner in München, sieht Müller nicht. Immer wieder sorgen brutale Attacken in U- und S-Bahnhöfen - vor allem in Berlin - für Aufsehen.

Der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stephan Mayer, forderte ein Alkoholverbot im Nahverkehr. Solche schrecklichen Übergriffe würden mehrheitlich im alkoholisierten Zustand begangen, erklärte Mayer in Berlin. Wenn ein Alkoholverbot zudem wirksam kontrolliert werde, sinke durch die Präsenz von Sicherheitskräften auch die Gefahr sowie die Aggressivität der potenziellen Täter.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte einen konsequenteren Umgang mit alkoholisierten Gewalttätern. Obwohl die Hemmschwelle in den letzten Jahren gesunken sei und Überfälle immer brutaler würden, führe die Alkoholisierung von Tätern mitunter dazu, dass Gerichte von einer Verurteilung nach schwersten Straftaten absehen, hieß es in einer Pressemitteilung.

In Schleswig-Holstein haben erste Kommunen auf Exzesse und Ausschreitungen am Herrentag reagiert und Alkoholverbote erlassen. So waren bereits am Donnerstag am Timmendorfer Strand, am Segeberger See, am Einfelder See in Neumünster und am Großensee im Kreis Stormarn Bier, Wein und Schnäpse tabu.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) reagierte erschüttert auf den Vorfall in Rostock. Er sei über die Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Opfer schockiert, erklärte er und lobte den schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. „Dieser Vorfall zeigt einmal mehr die Bedeutung der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen.“ Der Minister verwies zudem auf Attacken gegen Polizisten am Herrentag. So wurde ein Beamter in Neubrandenburg aus einer Gruppe heraus mit einem Faustschlag angegriffen, als er zu einer Schlägerei ermittelte.

dpa

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