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Hakle sucht sein H

Parallelen zum Keks-Klau in Hannover Hakle sucht sein H

Der Klopapier-Hersteller Hakle vermisst sein "H" im Firmenlogo am Stammsitz in Düsseldorf. Der Fall hat auffällige Parallelen zum Bahlsen-Keks-Klau in Hannover - und prompt muss sich das Unternehmen gegen einen Verdacht wehren.

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Dem Klopapierhersteller Hakle ist ein "H" gestohlen worden. Seit gut einer Woche ist der Firmenname am Sitz in Düsseldorf verstümmelt.

Quelle: Hakle/dpa

Düsseldorf. Auf der Facebook-Seite des Klopapierherstellers Hakle ist eine wahre Flut von Kommentaren und Bildern angelandet: der Buchstabe H aus Toilettenpapier und aus Klorollen, selbst gebastelt, gelegt, gemalt oder ausgeschnitten – aber das bundesweit gesuchte H war noch nicht dabei.

Seit gut einer Woche ist der Firmenname am Stammsitz in Düsseldorf verstümmelt: "akle" prangt an der Mauer des Geländes. Scherzkekse oder Metalldiebe könnten sich des immerhin 1,66 Meter großen Aluminium-Buchstabens bemächtigt haben.

Keine Lösegeldforderung

Die Polizei ermittelt wegen "besonders schweren Diebstahls". "Das ist leider ein ungelöster Fall in der Kriminalstatistik", sagt ein Polizeisprecher am Donnerstag. Vom Buchstaben fehlt jede Spur. "Es ist auch keine Lösegeldforderung eingegangen", sagt eine Unternehmenssprecherin.

Via Facebook hatte das Unternehmen zunächst auf eigene Faust gefahndet ("Kaum zu glauben, aber wahr, wir sind auf der Suche nach unserem H.") und Anzeige erstattet. Dann setzte es eine Belohnung von 1000 Euro oder 2675 Rollen Toilettenpapier aus und schaltete die Presse ein.

Zu viele Zufälle

Der Fall erinnert an das Verschwinden des 20 Kilogramm schweren Bahlsen-Kekses von der Fassade des Keksherstellers in Hannover vor zwei Jahren. Wochenlang spielten der oder die Erpresser unter dem Pseudonym "Krümelmonster" mit dem Unternehmen Katz und Maus. Gegen eine großzügige Keksspende an gemeinnützige Einrichtungen gaben die Diebe den goldfarbenen Messingkeks wieder zurück.

Das "Krümelmonster" stahl im Januar 2013 den Keks vom Bahlsen-Stammhaus. Die ganze Affäre zum Nachlesen:

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52 Zähne am Keks, 52.000 Kekspackungen gespendet, freigelassen am 5.2. – für manche waren das zu viele schöne Zufälle. Bahlsen geriet unter Verdacht, es könne sich um eine von langer Hand geplante Marketingaktion handeln. "Markt und Mittelstand" berechnete, dass die Berichterstattung über den Fall einer Kampagne im Wert von 1,7 Millionen Euro entsprach.

Ein PR-Gag?

Doch das mit der Kampagne hatte der 100 Jahre alte Kekshersteller so vehement bestritten wie der fast 90 Jahre alte Toilettenpapierhersteller. "Es ist kein PR-Gag", beteuert eine Hakle-Unternehmenssprecherin. Dass die Sache auf einen ganz bestimmten Mittwoch, dem "Tag des Toilettenpapiers" publik wurde, sei reiner Zufall.

"Marken-Hersteller würden normalerweise davor zurückschrecken, so etwas zu inszenieren", sagt Dirk Popp, Deutschland-Chef der Kommunikationsagentur Ketchum Pleon. "Das kann nach hinten losgehen. Wenn das rauskommt, ist der Shitstorm programmiert und die Glaubwürdigkeit verspielt. Dann schlägt die Community zurück."

"Sie hätten sich mit ihrer Strafanzeige selbst strafbar gemacht", sagt Prof. Rüdiger Götz von der Werbeagentur Grey. Er hätte auch den realen Diebstahl nicht derart ausgeschlachtet, sagt Götz. "Allein schon der Verdacht ist für ein Markenprodukt bedenklich." Das sieht Popp anders: "Wenn man das clever, charmant und witzig ausschlachtet, ist dagegen nichts zu sagen."

Von Frank Christiansen

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