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München

Heimkinder müssen Gage für Passionsspiele abgeben


Monatelang standen sie bei den Passionsspielen auf der Bühne: Nun mussten elf Heimkinder den Großteil ihrer Gage an die Stadt München abgeben. Das Gesetz will es so, sagt die Stadt.
Elf Heimkinder, die bei den Passionsspielen in Oberammergau mitgewirkt haben, dürfen ihre Gage nicht behalten - sie müssen 75 Prozent der Einnahmen an die Stadt München abtreten.

Elf Heimkinder, die bei den Passionsspielen in Oberammergau mitgewirkt haben, dürfen ihre Gage nicht behalten - sie müssen 75 Prozent der Einnahmen an die Stadt München abtreten.

© dpa (Archiv)

München/Oberammergau. Elf Heimkinder, die 2010 bei den Oberammergauer Passionsspielen mitspielten, mussten einen Großteil ihrer Gage abgeben. Kassiert hat das Geld die Stadt München - als Träger des Marie-Mattfeld-Hauses in Oberammergau, in dem die Kinder leben. "Das Kinder- und Jugendhilfegesetz schreibt zwingend vor, dass 75 Prozent des Einkommens von Kindern und Jugendlichen als Kostenbeitrag für ihre Heimunterbringung eingesetzt werden müssen", erklärte das Münchner Sozialreferat am Dienstag.

Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sprach von "fauler Ausrede". Die betroffenen Kinder und der Förderverein des Heimes zeigten sich fassungslos. "Die Kinder waren entsetzt, dass man ihnen das Geld wegnimmt", sagte der Vorsitzende des Fördervereins "Freunde des Marie-Mattfeld-Hauses", Kurt Meier. "Die Kinder sind sowieso schon benachteiligt und jetzt kriegen sie noch eins aufs Dach."

Während ihre Altersgenossen, die zu Hause bei ihren Eltern leben, das Geld sparen und sich Träume von der Gage erfüllen können, müssen die Heimkinder im Alter zwischen sechs und 17 Jahren drei Viertel abgeben - es geht um insgesamt 8500 Euro. Das Sozialreferat schreibt die Verantwortung indes dem Bund zu. Im Jahr 2005 sei das Kinder- und Jugendhilfegesetz verschärft worden - auch mit Zuspruch des Freistaats. Mit Bezug auf den Paragrafen 94 des Sozialgesetzbuches VIII betonte das Referat, Bundesrecht zu vollziehen. Es gebe keinen Ermessensspielraum.

Nach Ansicht des Sozialministeriums gibt es indes durchaus Spielraum. Nicht nur in Härtefällen sei eine Ausnahme möglich, sondern auch "aus pädagogischen Gründen". "Wir wollen doch gerade, dass benachteiligte Jugendliche am kulturellen Leben teilnehmen", sagte Haderthauer. Auch Passionsspiele-Leiter Christian Stückl hat kein Verständnis für die vorgeschriebene Abgabe. Damit nehme man den Kindern die Motivation zu arbeiten. Er äußerte aber auch Verständnis für die Stadt, die "keinen Präzedenzfall schaffen" wolle. In Bayern leben laut Landesjugendamt rund 6000 Kinder und Jugendliche in Heimen.

dpa

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