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Helgoländer stimmen gegen Wiedervereinigung

Nein zu Inselvergrößerung Helgoländer stimmen gegen Wiedervereinigung

Die Insulaner lehnen die Verbindung zur vorgelagerten Badedüne mehrheitlich ab. Zu groß war bei den Helgoländern die Sorge, dass die Ruhe auf Deutschlands einziger Hochseeinsel verloren ginge.

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Die Helgoländer haben gegen die Wiedervereinigung mit der Badedüne gestimmt.

Quelle: dpa

Helgoland. Die Hochzeit ist abgesagt, der Traum vom „Dubai der Nordsee“ ausgeträumt. Die Helgoländer wollen so bleiben, wie sie sind. Ein Brückenschlag zur vorgelagerten Badedüne? – Nein Danke, lautete die Antwort der Mehrheit bei der Volksbefragung am Sonntag. Zu groß war die Sorge, dass Wellnesstempel, Sportbootmarinas, luxuriöse Feriendomizile, Vergnügungsparks und anderer Remmidemmi die Ruhe auf dem einsamen roten Felsen in der Nordsee stören könnten.

Der Sieg der „Bewahrer“ ist denkbar knapp. 583 der 1312 wahlberechtigten Inselbewohner (54,74 Prozent) stimmten gegen die Landbrücke, 482 (45,26 Prozent) dafür, drei Stimmen waren ungültig. Der Abstimmung ging ein heftiges Ringen mit den „Veränderern“ voraus, jenen also, die den drögen Charme der Fünfziger abstreifen und der einzigen deutschen Hochseeinsel neues Leben einhauchen wollten. Denn die Zeiten, als sogenannte Butterfahrten täglich Tausende kauflustige Touristen auf das Eiland spülten, sind längst passé. Statt 800 000 kommen nur noch 300 000 Gäste jährlich. Und auch die Einheimischen suchen immer öfter das Weite, weil sie auf Helgoland keine berufliche Zukunft mehr sehen. Vor allem junge Familien kehren Helgoland den Rücken.

Seit Jahren zerbrechen sich Bewohner und Experten den Kopf darüber, wie der Niedergang zu bremsen sei. Mindestens 2000 Menschen müssten auf Helgoland dauerhaft leben, damit die Insel als Gemeinde funktionieren könne, sagt Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). Doch die Zahl der Helgoländer ist auf unter 1300 geschrumpft.

Brückenschlag als Befreiungsschlag

Die Lösung, mit der der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber 2008 überraschte, klang da wie ein Befreiungsschlag. Platz schaffen, lautete seine Idee, die sich mit den Empfehlungen zahlreicher Expertisen deckt. Weber schlug vor, die nur wenige Meter tiefe Meeresstelle zwischen Hauptinsel und der bei einer Sturmflut vor 290 Jahren abgetrennten Badedüne wieder mit Sand aufzufüllen. So könne Fläche für neue Hotels, Feriensiedlungen und Betriebe entstehen – ein 100-Millionen-Projekt, für das allerdings erst Investoren begeistert werden müssten.

Singer warb für den „Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft“. Doch die Helgoländer wollen den Versprechen der Planer nicht recht glauben. Das Kapital der Insel sei Ruhe, Einsamkeit und frische Luft in unverfälschter Natur – das dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden, sagen sie. Singer, der sich gerne als Architekt der Wiedervereinigung hätte feiern lassen, muss sich nun mit einer kleinen Lösung bescheiden. Die Hauptinsel wird in Höhe des Nordosthafens ins Meer hinaus erweitert. Zumindest die Schiffer, die Touristen zur kleinen Schwester übersetzen, wird es freuen.

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Gute Beteiligung
Foto: Die Küste von Helgoland.

1720 wurden die Landverbindung zwischen der Helgoländer Hauptinsel und der Düne durch eine Sturmflut zerstört. Jetzt stimmen die Insulaner darüber ab, ob die Verbindung durch ein 100-Millionen-Euro-Projekt wieder hergestellt werden soll.

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