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Panorama Helgoländer stimmen über Anschluss ab
Nachrichten Panorama Helgoländer stimmen über Anschluss ab
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11:46 24.06.2011
Von Dirk Schmaler
Helgoland soll durch einen riesigen Sandstreifen mit der Badedüne verbunden werden, wenn die Einwohner zustimmen. Quelle: dpa
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Helgoland

Er sagt das so nicht. Aber Jörg Singer könnte an diesem Wochenende in die Geschichte eingehen. Als Architekt der Wiedervereinigung gewissermaßen. Oder zumindest als Retter der Hochseeinsel Helgoland, die seit Jahren an Einwohnern verliert und, mindestens ebenso dramatisch, an Touristen. Singer ist seit Ende vergangenen Jahres Bürgermeister von Helgoland. Und er hat einen 100-Millionen-Euro-Plan, den Kritiker als das „Dubai der Nordsee“ verspotten. Singer will das Meer zwischen der Hauptinsel und der vorgelagerten, großen Badedüne mit Sand auffüllen. Alles. An diesem Sonntag sollen die Helgoländer per Bürgerentscheid über den spektakulären Brückenschlag abstimmen. Die Insel ist gespalten, der Ausgang höchst ungewiss.

Der Plan ist aus der Not geboren. Denn Helgoland ist nicht mehr lebensfähig. Neun Jahre haben sie auf der Insel diskutiert, Expertisen erstellt und Bürgerversammlungen abgehalten. Die Ergebnisse von Gutachten über die wirtschaftliche und touristische Situation am roten Felsen in der Nordsee lassen sich auf eine gemeinsame Formel bringen: Helgoland ist zu klein. Die Insel hat zu wenig Platz, Bürger, Betriebe und Gäste für ein „funktionierendes Inselleben“. Die schulischen und beruflichen Möglichkeiten werden immer schlechter. Und der demografische Wandel verschärft die Situation noch. Die Lösung der Experten: Landgewinnung.

Die auf der Insel als „große Lösung“ bezeichnete Sandaufschüttung bis hin zur Düne brachte erstmals 2008 ein Harburger Bauunternehmer ins Spiel – und wurde durch ein offizielles Entwicklungskonzept für die Insel wenig später aufgegriffen. Befürwortern gilt der Brückenschlag zur Düne gleichzeitig als Brückenschlag in die Zukunft und in die Vergangenheit. Immerhin war die heutige Badedüne bis vor 290 Jahren durch einen natürlichen Wall aus Sand und Geröll mit der etwa ein Kilometer entfernten Hauptinsel verbunden. In der Neujahrsnacht von 1721 riss eine mächtige Sturmflut die Insel und die Düne auseinander.

Wenn es nach dem Bürgermeister geht, dann soll nun also nur wieder zusammenwachsen, was zusammengehört. Außerdem, so meinen die meisten Geschäftsleute der Insel, könnte der ein Kilometer lange und mehrere Hundert Meter breite Sandstreifen geschäftlich neue Perspektiven öffnen. Die Inselfläche von 1,7 Quadratkilometern würde glatt verdoppelt. Neues Gewerbe könnte sich ansiedeln und neue Wohnungen gebaut werden. Und die Fähre, die heute noch im Stundentakt die Badegäste auf die Sanddüne im befördert, würde überflüssig. Mehr als 100 Millionen Euro würde allein die Sandaufschüttung in der Nordsee Schätzungen zufolge kosten. „Wir haben bereits Vorgespräche mit Investoren geführt. Das Interesse ist groß“, sagt Singer.

Und doch hängen auf der Insel in vielen Fenstern auf der Insel Zettel, auf denen „Keine Landverbindung“ zu lesen ist. Auch Singer ist sich keinesfalls sicher, dass sein Projekt am Sonntag die nötige Mehrheit bekommt. „Ich weiß, dass die Helgoländer das sehr kontrovers diskutieren“, sagt der Bürgermeister. Er habe die Diskussion führen wollen.

Die Argumente der Kritiker sind vielfältig. Einige befürchten ein „zweites Sylt“ und damit eine Verteuerung ihres Lebens. Andere vermuten, dass die Erweiterung der Insel nur zu zusätzlicher Konkurrenz im Einzelhandel und damit zu einer weiteren Verödung des Geschäftslebens führt. Andere befürchten sogar Touristeneinbußen, wenn die schöne Badedüne plötzlich nicht mehr von der Hauptinsel getrennt sein wird.

Doch auch ein Nein würde nicht bedeuten, dass sich die Insel nicht neu erfinden muss. „Dann werden wir eine zweite Variante prüfen“, erklärt Singer. Diese sieht ebenfalls die Aufspülung der Küste vor – wenn auch in deutlich kleinerem Format und ohne die Verbindung zur Düne. Die Hauptinsel könnte in diesem Fall in Höhe des Nordosthafens ins Meer hinaus erweitert werden.

Die Richtungsentscheidung am Sonntag liege in einem grundsätzlichen Spannungsfeld zwischen „Bewahren“ und Verändern“ der Insel, hat Singer kürzlich in einem Bürgerbrief geschrieben. Der Bürgermeister sagt, er werde am Ende mit beiden möglichen Ergebnissen leben können. Er brauche vor allem eines: Klarheit. Zudem stehe ein Ergebnis ja auch jetzt schon fest: Helgoland müsse größer werden. Oder es gehe wirtschaftlich unter. Da seien sich fast alle einig.

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