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Helgoländer stimmen über Inselvergrößerung ab

Gute Beteiligung Helgoländer stimmen über Inselvergrößerung ab

1720 wurden die Landverbindung zwischen der Helgoländer Hauptinsel und der Düne durch eine Sturmflut zerstört. Jetzt stimmen die Insulaner darüber ab, ob die Verbindung durch ein 100-Millionen-Euro-Projekt wieder hergestellt werden soll.

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Helgoland stimmt über eine Inselvergrößerung ab.

Quelle: dpa

Die Helgoländer haben am Sonntag über eine Vergrößerung ihrer Insel abgestimmt. Dabei ging es um eine Wiedervereinigung der ein Quadratkilometer großen „Hauptinsel“ mit der 0,7 Quadratkilometer großen „Badedüne“ durch Sandaufspülungen. Bereits am Mittag zeichnete sich nach Angaben von Tourismusdirektor Klaus Furtmeier eine gute Beteiligung ab. „Sehr viele“ der insgesamt 1200 Wahlberechtigten hätten bereits ihre Stimme abgegeben, sagte Furtmeier. Genaue Zahlen über die Wahlbeteiligung gab es zunächst jedoch nicht.

Eine Sturmflut hatte im Jahr 1720 die rund tausend Meter lange Landbrücke zwischen dem roten Sandsteinfelsen und der vorgelagerten Badedüne zerstört. Der Hamburger Bauunternehmer Arne Weber hatte bereits 2008 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Hamburg (TU) und dem Alfred-Wegener-Institut einen Projektplan erarbeitet, um den nur wenige Meter tiefen Meeresarm wieder mit Sand aufzufüllen.

Umweltverbände sehen die Pläne kritisch. Eine Aufspülung werde für die Natur eine große Beeinträchtigung sein, sind sich Sprecher von BUND und NABU einig. Unter anderem sei die Düne die „Kinderstube“ der Seehunde und Kegelrobben: Sie ziehen dort ihren Nachwuchs auf.

Helgolands Bürgermeister Jörg Singer (parteilos) will jedoch mit dem 100-Millionen-Euro-Projekt die Insel vor einem Absinken in die Bedeutungslosigkeit retten. Denn trotz ihrer einmaligen Lage hat Deutschlands einzige Hochseeinsel große Probleme. Mindestens 2000 Menschen müssten auf Helgoland dauerhaft leben, damit die Insel als Gemeinde funktionieren kann. Doch die Zahl der Helgoländer ist auf unter 1300 gesunken, da immer mehr Insulaner dem Eiland dauerhaft den Rücken kehren - besonders junge Familien.

Die Touristen bleiben aus

„Es gibt nicht mehr genug Arbeit auf der Insel“, erklärte Singer. Grund ist das Ausbleiben der Touristen - sie sind Helgolands wichtigste Einnahmequelle. Trotz zollfreiem Whisky und Tabak sowie einem vor kurzem modernisierten Meerwasserschwimmbad kommen sie immer seltener auf die Hochseeinsel. Zog es in den 1970er Jahren noch mehr als 800.000 Gäste zu Tagesbesuchen auf die „Schnaps- und Zigaretten-Insel“, sind es heute jährlich nur noch 300.000. Der steuerfreie Einkauf von Schnaps und Zigaretten bei einem kurzen Stopp auf Helgoland ist ein Geschäftsmodell, das nicht mehr funktioniert, sagte der Helgoländer Hotelier Detlef Rickmers.

Einen Ausgleich bietet auch nicht die steigende Zahl der Übernachtungsgäste, denn dafür ist Helgoland nicht gerüstet: Die Insel platze aus allen Nähten, sagte Bürgermeister Singer. Die kleinräumigen und architektonisch simplen Gebäude, die in den 1950er Jahren auf der zerbombten Insel errichtet wurden, stehen unter Ensembleschutz. Um- oder Erweiterungsbauten beziehungsweise Modernisierungen sind daher nur schwer möglich.

Letztendlich geht es bei dem Bürgerentscheid am Sonntag um die Frage, ob bei der Landgewinnung der typische Zwei-Insel-Charakter mit Hauptinsel und Düne erhalten bleiben soll. Wenn die Mehrheit mit einem „Nein“ stimmt, soll ein Plan entwickelt werden, wie neue Flächen durch Aufspülung direkt an der Hauptinsel entstehen können. Bei einem „Ja“ wird die Gemeinde prüfen, wie Flächen für Wohnen und Gewerbe durch eine Verbindung beider Inselteile geschaffen werden können. Über das Ergebnis des Bürgerentscheids will Bürgermeister Singer mit den Helgoländern am 6. Juli diskutieren.

dpa

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Foto: Die Insel Helgoland

Kritiker bezeichnen den 100-Millionen-Euro-Plan als "Dubai der Nordsee". Jörg Singer will mit dem Projekt seine Insel retten, die dramatisch an Einwohnern und Touristen verliert. Bei einem positiven Votum könnte Helgoland 290 Jahre nach der Trennung mit der Badedüne wiedervereinigt werden.

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