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Polizisten gründen Rocker-Club "Schnelles Helles"

Undercover-Einsatz Polizisten gründen Rocker-Club "Schnelles Helles"

Mit einer ungewöhnlichen Methode wollte das Landeskriminalamt in Koblenz den "Hells Angels" auf die Schliche kommen: die Polizisten gründeten kurzerhand einen eigenen Motorradclub. Dessen Name sorgte bei dem jetzt begonnenen Hells-Angels-Prozess für Gelächter: Die Polizisten nannten ihre Gang "Schnelles Helles".

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Den Rockern der "Hells Angels" in Koblenz wird Erpressung, Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen.

Quelle: dpa

Koblenz. Vor dem Landgericht Koblenz läuft derzeit ein Prozess gegen Rocker, die zu den "Hells Angels MC Bonn" gehören sollen. Um Beweise zu sammeln, hat das Landeskriminalamt (LKA) zu einer ungewöhnlichen Methode gegriffen und selbst eine Rocker-Gang gegründet. Der Name: "Schnelles Helles". Der Vizechef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Ulf Küch, muss schallend lachen. Was, doch kein Aprilscherz? Rheinland-pfälzische Polizisten haben den Rockerclub gegründet, um leichter in der "Hells Angels"-Szene ermitteln zu können. Nun stehen tatsächlich acht Rocker in Koblenz vor Gericht.

Nicht nur die verdeckte Ermittlungstaktik, sondern der gesamte Prozess ist ungewöhnlich. So brechen zwei Angeklagte das strikte Schweigegelübde der Szene. Drei Zeugen werden während der Verhandlung wegen mutmaßlicher Falschaussage verhaftet. Hinzu kommt ein überraschendes Verbot des Clubs der Angeklagten. Unter ihnen ist auch dessen bisheriger Chef, der 2010 durch seine Haustür einen Elite-Polizisten erschossen hat.

"Was soll so eine Aktion bringen?"

Begonnen hat der Prozess um mutmaßliche Geiselnahme, räuberische Erpressung, Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz bereits im Januar. Die Rocker sollen den Verein „Hells Angels MC Bonn“ als kriminelle Vereinigung gebildet haben – allerdings als Abspaltung im rheinland-pfälzischen Kreis Neuwied. Die Anklage wirft ihnen vor, im nördlichen Rheinland-Pfalz und im Großraum Bonn mit einem "Alleinvertretungsanspruch" andere Motorradclubs teils brutal drangsaliert zu haben. Die "Hells Angels" hätten ihre Konkurrenz auch mit GPS-Sendern ausgespäht. Die Polizei soll bei ihnen Schusswaffen, Stahlruten, Messer, Schlagstöcke und Baseballschläger entdeckt haben.

"Schnelles Helles" haben die verdeckten Ermittler ihren angeblichen Motorradklub genannt – und mit ihrem vielfach in der Szene präsentierten Logo das Design der "Hells Angels" fast imitiert. Doch diese Provokation soll nur zur harmlosen Bitte der "Hells Angels" geführt haben, Farbe und Schrifttyp zu ändern. Hat der Staat mit falschen Rockern, die nicht einmal Motorrad fahren können, eine Anstiftung zum Rechtsbruch versucht, kann der Prozess daher platzen? Der Sprecher der Koblenzer Staatsanwaltschaft, Rolf Wissen, winkt ab: Dem Einsatz verdeckter Ermittler sei richterlich zugestimmt worden. "Im Prozess muss man abwarten, wie die Kammer das bewertet." BDK-Vizechef Küch fragt allerdings kritisch: "Was soll so eine Aktion bringen?" Schon der Name "Schnelles Helles" sei Unsinn. Das Eindringen in die verschlossene "Hells Angels"-Szene in Deutschland benötige jahrelange verdeckte Ermittlungen.

Zeugen haben Angst

Der Koblenzer Prozess, der bis mindestens Dezember terminiert ist, wird von vielen Polizisten gesichert. Die beiden aussagewilligen Angeklagten belasten ihre Mitangeklagten. So etwas komme etwa bei der Hoffnung auf eine geringere Strafe vor, sagt Küch. Fortan würden diese Mitglieder aber in der Szene als Verräter angesehen. Bei Aussagen in Rockerprozessen spiele oft die Angst eine Rolle. Das lässt sich auch bei manchen Zeugen in Koblenz vermuten: Sie wollen sich nicht mehr daran erinnern, wer sie oder andere verprügelt hat. Zwei der drei wegen mutmaßlicher Falschaussage festgenommene Zeugen sind wieder auf freiem Fuß. Sie hätten ihre Aussagen überdacht, sagt Oberstaatsanwalt Wissen. Die Verteidiger sprechen von Einschüchterung und Rechtsbruch. Wissen weist das zurück. "Manchmal muss man ein bisschen nachhelfen."

Von Jens Albes (dpa)

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