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Panorama Helmut Schmidts Grab wird zur Pilgerstätte
Nachrichten Panorama Helmut Schmidts Grab wird zur Pilgerstätte
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11:34 14.03.2016
Von Alexander Dahl
Bis heute legen Bürger aus Helmut Schmidts Heimatstadt Hamburg zuweilen skurrile Dinge an seinem Grab nieder. Quelle: Lukas Schulze/ Wolfgang Kumm/dpa
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Hamburg

Einflussreiche Menschen aus früheren Jahrhunderten wollten ihr Dasein auch im Jenseits nicht dem Zufall überlassen. Ägyptische Pharaonen ließen sich Gold und Edelsteine in die Grabkammern legen, germanische Krieger ihre Waffen und christliche Bischöfe des Mittelalters ihre Herrschaftsinsignien. Man kann schließlich nicht wissen, was einen nach dem letzten Herzschlag so alles erwartet.

Helmut Schmidt, SPD-Politiker und früherer Bundeskanzler aus Hamburg, hätte für derart Irreales wohl nur Spott übrig gehabt, schließlich hatte er schon zu Lebzeiten festgestellt, dass der "liebe Gott mit dem Tod Schluss macht".

Viele Bürger seiner Heimatstadt möchten offenbar nicht glauben, dass dem wirklich so ist, und so hat sich die Grabstelle mit der schnöden Bezeichnung U 33 244-249 des 2015 verstorbenen Politikers auf dem Ohlsdorfer Friedhof zu einer neuen Pilgerstätte entwickelt. Dutzende Menschen kommen in jeder Woche zum schlichten Grab mit dem grauen Stein und legen dort laut einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" Devotionalien ab, von denen sie glauben, Schmidt könnte sie im Jenseits gut gebrauchen. Mehrere Packungen Marlboro Mentholzigaretten haben die Friedhofsgärtner schon gefunden – Schmidt Lieblingssorte. Eine Dose Labskaus wurde abgelegt, ebenso Schnupftabak, den Schmidt ebenfalls gern konsumierte.

Loki mochte keine Schnittblumen

Die Zahl der Grablichter, die entzündet wurden, ist schon nicht mehr zu zählen. Auch Schnittblumen finden sich oft auf dem Grab – nett gemeint, aber etwas unpassend, denn Schmidts Ehefrau Loki, die 2010 starb und neben der Hamburgs berühmtester Politiker bestattet wurde, mochte sie nicht.

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Ein Polizist steht vor dem mit Kerzen und Blumen geschmückten Zaun am Haus des verstorbenen Alt-Bundeskanzlers Helmut Schmidt.

Die Ohlsdorfer Friedhofsverwaltung hat auf den Andrang mit einer ungewöhnlichen Aktion reagiert. Im Hauptgebäude liegt ein Faltblatt aus, in dem der Weg zum unscheinbaren Grab beschrieben wird. Etwas Zeit muss der Schmidt-Fan schon einplanen, schließlich ist der Ohlsdorfer Friedhof der größte der Welt und umfasst stattliche 391 Hektar, was der Größe von 548 Fußballfeldern entspricht.

Schmidt indes, ganz unprätentiöser Hanseat, hielt nichts von Heldenverehrung. Von ihm ist der "immerwährende Wunsch" überliefert, die Grabstelle möglichst naturnah zu belassen.

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