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Neuer Suchanlauf für mysteriösen Nazi-Goldzug

Hobbyhistoriker graben in Polen Neuer Suchanlauf für mysteriösen Nazi-Goldzug

Gibt es einen Sensationsfund oder eine totale Pleite? Nach langen Spekulationen weit über Polen hinaus soll das Rätsel um einen Zug aus dem Zweiten Weltkrieg voller Nazi-Gold nun endlich gelöst werden. Hobbyschatzsucher haben am Dienstag mit den Grabungsarbeiten begonnen.

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Nach dem Beginn der Grabungsarbeiten scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis das Rätsel um den legendären Panzerzug aus Nazizeiten gelüftet ist.

Quelle: dpa

Berlin/Walbrzych. Am Dienstag begannen die Grabungen in einem Waldstück zwischen Wroclaw (Breslau) und dem niederschlesischen Walbrzych (Waldenburg), am inzwischen berühmt gewordenen Bahnkilometer 65. Bei den beiden Schatzsuchern Piotr Koper und Andreas Richter und ihrer 35-köpfigen Grabungsmannschaft ist die Hoffnung riesig, dass es am Ende eine Sensation wird. "Wir werden zunächst auf einen Tunnel stoßen und dann auf einen verschütteten Zug", erklärte Teamsprecher Andrzej Gaik in den vergangenen Tagen immer wieder und ließ keinen Platz für Zweifel.

Radarbilder sollen Nazi-Zug zeigen

Die Hobbyhistoriker Koper und Richter, die den Zug mit einem Bodenradar geortet haben wollen, hoffen, innerhalb einer Woche Ergebnisse zu erzielen. Es werde an drei Stellen und in bis zu sechs Metern Tiefe gegraben. Das Suchgebiet sei für die Öffentlichkeit gesperrt – aus Sicherheitsgründen. "Schließlich arbeiten wir mit schwerem Baugerät", sagte Gaik. "Hier soll niemandem etwas passieren." Ein Kamerateam werde die Suche filmen und Videos online stellen.

Am Dienstagmorgen hatte sich der Beginn der Suche zunächst verzögert. Der Strom am Grabungsort sei nicht rechtzeitig abgeschaltet worden, berichtete der Sender TVN24. Dies hätte für die Arbeiten eine Gefahr darstellen können. Mit  Verspätung ging es schließlich los.

Seit nunmehr einem Jahr sorgt der sogenannte Goldzug für Schlagzeilen. Im August 2015 wandten sich Koper und Richter zum ersten Mal an die polnischen Behörden. Die Hobbyhistoriker legten Bodenradarbilder aus der niederschlesischen Region Walbrzych vor und behaupteten, die Aufnahmen zeigten einen in 50 Metern Tiefe vergrabenen Nazi-Zug von rund 150 Metern Länge. Damit nahm eine Geschichte ihren Lauf, vergleichbar etwa mit der Suche nach dem legendären Bernsteinzimmer. Immerhin kursieren über den angeblichen Goldzug seit den Siebzigerjahren Gerüchte. Die Nazis sollen damit Kriegsbeute vor der heranrückenden Sowjetarmee versteckt haben. Beweise dafür gibt es aber keine.

Das Schatzfieber hat das niederschlesische Walbrzych gepackt - Irgendwo entlang der Bahnstrecke zwischen Breslau und Walbrzych in Niederschlesien muss der verschwundene Zug mit dem Nazigold verborgen sein.

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Hobbyhistoriker graben auf eigene Faust

Tatsächlich durchkämmten im Spätsommer 2015 Tausende Schatzsucher auf eigene Faust das schwer zugängliche, von Stollen und Tunneln durchzogene ehemalige Bergbaugebiet bei Walbrzych. Zwischenzeitlich musste sogar das Militär den angeblichen Fundort absperren, um die Abenteurer vor sich selbst zu schützen. Polens oberster Denkmalschützer Piotr Zuchowski erklärte sogar, er sei sich nach Durchsicht der Radarbilder "zu 99 Prozent sicher", dass es sich dabei um einen NS-Panzerzug handele. Und ein Geologe der polnischen Akademie der Wissenschaften bestätigte nach eigenen Untersuchungen "thermische Anomalien" im Suchgebiet.

Andere Experten meldeten dagegen Zweifel an oder sprachen mit Blick auf die Aufnahmen sogar von gefälschten Bildern. Denkmalschützer Zuchowski allerdings spricht bis heute mit Überzeugung von "einem außergewöhnlichen Fund". "Wenn es wirklich ein gepanzerter Zug ist, lässt das darauf schließen, dass er kostbare Sachen geladen hat. Hundertprozentige Sicherheit werden wir erst haben, wenn wir ihn finden."

Der Pole Koper und sein deutscher Freund Richter jedenfalls ließen sich weder vom medialen Wirbel noch von Expertenzweifeln abschrecken. Sie erstritten sich die entsprechenden Genehmigungen und begannen am Dienstag mit ihrer Schatzsuche. Eigentlich hatten sie anonym bleiben wollen, um ihre Gralssuche nicht zu gefährden, doch Journalisten spürten sie schnell auf.

Fund wahrscheinlich "nur Zug, der mit Panzern beladen ist"

Nun stehen Koper und Richter in neongelben Warnwesten im Unterholz bei Walbrzych unbeholfen vor den Kameras und lassen ihre deutsche Sprecherin Christel Fokken erklären, dass es sich bei dem Fund "wahrscheinlich nicht um einen Goldzug im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen Zug, der mit Panzern beladen ist".

Also doch kein Goldschatz? Den Schatzsuchern zufolge könnte der von ihnen vermutete Tunnel in ein riesiges Stollensystem führen, das den Codenamen Riese trägt. Gegen Kriegsende ließ Hitlers Lieblingsarchitekt und Rüstungsminister Albert Speer in Niederschlesien ein weitverzweigtes, unterirdisches System anlegen. Es sollte angesichts des kritischen Kriegsverlaufs als alternatives Führerhauptquartier dienen. Die Region war für die Bomber der Alliierten kaum zu erreichen. Deshalb galt Niederschlesien auch als idealer Verbringungsort für geraubte Kunstschätze.

Legenden um vermeintliche Schätze

Gold und Edelsteine faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Noch spannender wird es, wenn sich Legenden und Spekulationen um vermeintliche Schätze aus der Nazi-Zeit ranken – wie jetzt in Polen.

Goldrausch im Erzgebirge: Hunderte Journalisten aus aller Welt strömten im Februar 2008 nach Deutschneudorf in Sachsen. Ein Hobby-Schatzsucher hatte im Nachlass seines Vaters Koordinaten für ein angebliches unterirdisches Golddepot der Nazis gefunden. Doch die Suche wurde erfolglos abgebrochen.

Die Suche im Toplitzsee: Waffen, Munition und Falschgeld aus der Nazi-Zeit wurden aus dem kleinen Gewässer im Salzkammergut (Österreich) schon in den Fünfzigerjahren geborgen. Die Nazis hatten dort eine geheime Marineversuchsstation betrieben. Ein US-Taucherteam scheiterte im Juli 2000 bei der Suche nach Kisten, die Listen mit Milliardenkonten von Nazi-Bonzen in der Schweiz enthalten sollten.

Kein Schatz im Stolpsee: Ohne Erfolg ging im November 2013 die Suche nach einem angeblichen Nazi-Schatz im Stolpsee in Brandenburg zu Ende. Der Legende nach hatte der NS-Politiker Hermann Göring dort im Frühjahr 1945 Gold und Platin versenken lassen.

Mythos Bernsteinzimmer: Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. hatte die kostbar geschnitzten Wandtäfelungen aus Bernstein 1716 dem russischen Zaren geschenkt. Deutsche Soldaten brachten den legendären Prunkraum 1942 nach Königsberg, heute Kaliningrad. Dort verliert sich seine Spur.

Von Ulrich Krökel, RND

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