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Horrordroge „Badesalz“ alarmiert Behörden

Neues Rauschgift Horrordroge „Badesalz“ alarmiert Behörden

Sie sehen aus wie Badesalz, die Namen klingen verlockend - „Wonne“ etwa oder „Vanille-Himmel“. Was sie wirklich sind: hochpotente neue Drogen, die sich in rasantem Tempo in den USA ausbreiten. Ihre Wirkung wird als geradezu furchterregend beschrieben.

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Kann man schnupfen wie Kokain: Die Horrordroge „Badesalz“ alarmiert US-Ärzte und Behörden.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Washington. Es sind wahre Horrorgeschichten. In Mississippi attackiert ein Mann sich selbst mit einem Messer, in Kalifornien schießt ein anderer auf sein eigenes Haus. In Indiana klettert ein Einwohner auf einen Straßenmast und springt von dort in den Autoverkehr. Sie alle sollen die neuen Drogen genommen haben, die als „Badesalze“ verkauft werden - Rauschgift mit einer derart starken Wirkung, dass viele erfahrene Ärzte in den Krankenhaus-Notaufnahmen sagen, sie hätten so etwas noch nicht erlebt.

In West Virginia zerkratzt sich eine Frau bis ins rohe Fleisch, weil sie glaubt, dass unter ihrer Haut etwas krabbelt. In Georgia läuft ein Mann schreiend durch die Gegend - auf der Flucht vor vermeintlichen Außerirdischen. Patienten mit Wahnvorstellungen, gewalttätig, so außer Kontrolle, dass sie manchmal nur mit einer Vollnarkose ruhiggestellt werden können: „Es ist furchterregend“, sagt Mark Ryan, Chef des Giftkontrollzentrums in Louisiana.

Seit vergangenem Jahr haben sich die „Badesalze“ in den USA immer stärker ausgebreitet, Experten wie Ryan sprechen von einer „neuen ernsten Drogenbedrohung“. Tatsächlich sind bei den Giftnotzentralen der USA seit Januar bereits mehr als 3700 Anrufe im Zusammenhang mit „Badesalzen“ eingegangen, während es im gesamten vergangenen Jahr rund 300 waren. In der Regel seien es Krankenhäuser, die Fälle meldeten, schildert Ryan. Er vermutet, dass es sich nur um die Spitze eines Eisberges handelt.

Die „Badesalze“ in Pulver- und Kristallform enthalten die synthetischen Substanzen Mephedron und Methylenedioxypyrovaleron (MDPV) - ähnlich dem organischen Aufputschmittel Khat, das in Ostafrika sowie Arabien verbreitet und in den USA verboten ist. Die Drogen könnten Schmerzen in der Brust, hohen Blutdruck, Halluzinationen sowie extreme Erregungs- und Angstzustände hervorrufen, warnt Gil Kerlikowske, Chef der Drogenkontrollbehörde im Weißen Haus.

„Wenn man mir eine Liste von Drogen gäbe, von denen ich die Finger lassen sollte, dann wäre das (die „Badesalze“) an der Spitze“, zitierte die „New York Times“ kürzlich Karen Simone vom Northern New England Poison Center. Ryan sieht das ähnlich. Er kenne die Wirkung von Methamphetaminen, von Ecstasy, Kokain oder auch PCP, sagt er. „Die schlimmsten davon zusammengenommen entsprechen dem, was wir mit den „Badensalzen“ manchmal erleben.“

Nach Ryans Schilderungen kommen Menschen mit extremer Paranoia in die Notaufnahmen der Krankenhäuser, Leute, die jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren hätten. „Sie sehen alles Mögliche, Schreckgespenster, Monster, Außerirdische, sie fühlen sich von ihren eigenen Angehörigen bedroht und können eine Bedrohung für andere sein“, schildert der Pharmazeut. Gängige Mittel wie Valium, die sonst Drogenpatienten zur Beruhigung verabreicht würden, reichten bei vielen der „Badesalz“-Konsumenten nicht aus. Und: Oft hielten die Psychosen erschreckend lange an. „Manche dieser Leute sind für eine lange Zeit nicht in Ordnung“, sagt auch Simone.

Die „Badesalze“ mit verlockenden Namen wie „Ivory Wave“, „Bliss“ oder „Vanilla Sky“ (Elfenbeinerne Welle, Wonne, Vanille-Himmel) werden meistens geschnupft, aber auch geraucht oder gespritzt. Ein kleines 50-Milligramm-Päckchen kostet 25 bis 50 Dollar. Verkauft werden sie häufig in Miniläden mit „Durchgangsverkehr“ - etwa an Tankstellen und Fernfahrer-Rastplätzen „oder auch aus dem Kofferraum heraus“, wie Ryan erklärt.

28 US-Bundesstaaten haben die neuen Drogen mittlerweile verboten, aber in den übrigen Landesteilen und via Internet floriert der Handel. Die zuständigen Washingtoner Behörden prüfen die Möglichkeit eines US-weiten Banns, aber dieser Prozess, so sagen Experten, könnte sich lange hinziehen. Mittlerweile gibt es nach Ryans Angaben 260 „Badesalz“-Varianten, zudem ist die Droge auch mit anderer Tarnung erhältlich: als Pflanzendünger, Insektenschutzmittel und neuerdings als Toilettenreiniger.

dpa

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