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Hunde können teuer werden

Tierhaftpflichtversicherung Hunde können teuer werden

Der Hund ist treuer Begleiter und bester Freund des Menschen. Doch viele Besitzer vergessen oft, dass mit Dackel, Schäferhund und Co. nicht nur Freude, sondern auch große Verantwortung und etliche Pflichten verbunden sind.

Fälle, in denen Nachbarn sich durch ständiges Bellen gestört fühlen, Passanten mit Hundekot verschmutzte Bürgersteige anprangern oder in Panik geraten, wenn ein Hund unvermittelt auf sie zurennt und der Besitzer nur mit einem „Der will doch nur spielen“ reagiert, enden häufig vor Gericht. Dem Halter droht zudem eine Geldstrafe, wenn ihr Hund andere Menschen durch Lärm, Verunreinigungen oder Aggressivität belästigt.

Viele Regelungen wie Leinen- oder Maulkorbzwang, wie Hunde in der Öffentlichkeit zu führen oder ob sie auf Spielplätzen und Friedhöfen verboten sind, regeln Städte und Gemeinden in ihrer Hundeverordnung. Was ist aber, wenn ein Rüde sich losreißt, weil er auf der anderen Straßenseite eine Hündin entdeckt hat und dabei vor ein Auto läuft? Wenn der Autofahrer ausweicht und dabei einen Unfall verursacht?

Wenn ein Herrchen seinen Hund auf dem Gehweg spazieren führt, gilt Paragraf 28 der Straßenverkehrsordnung. Er besagt, dass Tiere im Straßenverkehr nur dann zugelassen sind, wenn sie von jemandem begleitet werden und niemanden gefährden. Andernfalls kann die Polizei den Hundehalter verpflichten, den Vierbeiner an die Leine zu nehmen, auch wenn kein genereller Leinenzwang besteht.

Laut Gesetz unterliegt der Besitzer der sogenannten Gefährdungshaftung. Er haftet also für alle Schäden, die sein Hund verursacht hat – auch dann, wenn er sich als Tierhalter ordnungsgemäß verhalten hat. Eine Hundehaftpflichtversicherung ist ein absolutes Muss, sagt Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) in Hannover.

Im Gegensatz zu kleinen Haustieren wie Katzen, Nagern oder Vögeln seien Hunde nicht über die Privathaftpflicht ihrer Besitzer mitversichert, eine Hundepolice also unerlässlich, sagt Gernt. Das gelte für alle Rassen, betont Versicherungsexperte Helge Kühl, der mit der Verbraucherzentrale eng zusammenarbeitet. Denn auch ein kleiner, harmloser Hund könne sich unvermittelt losreißen, über die Straße laufen und einen Unfall verursachen.

Versichert sind Personen- und Sachschäden sowie Tierhalter und Tierhüter. Denn nicht immer gehe das Herrchen, sondern auch mal der Nachbar oder ein Freund mit dem Hund Gassi. Dabei vom Tier verursachte Schäden seien in der Police ebenfalls enthalten.

Nicht versichert sind dagegen sogenannte eigene Schäden, etwa wenn der Halter von seinem Hund gebissen wird oder das Tier Herrchens Sofa zerfetzt. Schäden an der Mietwohnung, etwa wenn das Tier die Türen zerkratzt oder einen Wohnungsbrand auslöst, könnten hingegen versichert werden, sagt Kühl. Doch was ist, wenn der Hund es auf die Türen des gemieteten Ferienhauses in Dänemark abgesehen hat? Die Tierhaftpflicht sei auf Deutschland begrenzt, die meisten Anbieter versicherten aber über bestimmte Zeiträume auch Aufenthalte im Ausland, erläutert der Experte.

Hundebesitzer sollten auch darauf achten, ob sie gegen Deckungsschäden versichert sind. Es könne richtig teuer werden, wenn eine wertvolle Rassehündin von einem Mischlingsrüden gedeckt wird, sagt Kühl. Die Kosten für den Zuchtausfall oder Verletzungen zahlt dann die Versicherung.

Generell könne sich jeder Hundehalter sein auf ihn zugeschnittenes Versicherungspaket zusammenstellen. Er müsse sich vor allem zunächst darüber klar sein, welchen Schutz er braucht, und sich dann über die Versicherungsbedingungen informieren, rät Kühl.

  • Wer eine Hundehaftpflichtversicherung abschließt, sollte sich vorher genau erkundigen, denn die Angebote der verschiedenen Versicherungen unterscheiden sich inzwischen immens.

Angebote vergleichen: Generell ist es besser, sich von einem Experten beraten zu lassen. Wer will, kann die Angebote auch mit einer speziellen Software am Rechner vergleichen. Allein die Preise einer Standardpolice schwankten je nach Anbieter zwischen 60 und 186 Euro pro Monat, sagt Versicherungsexperte Helge Kühl.

Nach Ermäßigungen fragen: Günstigere Beiträge gibt es häufig für weitere Tiere, wenn der Hund einen Wesenstest bestanden hat, wenn ein schon bestehender Vertrag über eine bestimmte Zeit schadensfrei verläuft oder bei Mitgliedschaft in einem Hundeverein. Besitzer sollten sich vor Abschluss der Versicherung danach erkundigen.

Blinden-, Jagd- und Kampfhunde: Blindenhunde unterliegen nicht der Gefährdungshaftung, Experten raten aber dennoch zu einer Tierhaftpflichtversicherung. Geprüfte Jagdhunde können in die Jagdhaftpflichtversicherung eingeschlossen werden und brauchen keine zusätzliche Hundehaftpflicht. Gefährliche Rassen, sogenannte Listenhunde wie Pitbull-Terrier und American-Staffordshire-Terrier, benötigen eine spezielle Versicherung, die um einiges teurer ist als die normale Hundehaftpflicht. Kampfhunde seien aber schwierig zu versichern, denn vielen Anbietern sei das Risiko zu groß, sagt Kühl.

Hundekot entsorgen: Wer zum Beispiel die Hinterlassenschaften seines Hundes auf Gehwegen oder in Parkanlagen liegen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die ein Bußgeld nach sich ziehen kann. Das gilt vor allem für Spielplätze, denn für Kinder ist die Infektionsgefahr durch Exkremente besonders groß.

Vorsatz ist nicht gedeckt: Vorsätzliche Verstöße beispielsweise gegen die Hundeverordnung sind nicht über die Hundehaftpflicht abgedeckt.

Hunde im Auto anschnallen: Ein ungesicherter Hund im Auto ist nicht nur selbst gefährdet, sondern kann im Falle eines Unfalls oder einer Vollbremsung auch zu einer Gefahr für die Insassen werden. Hunde gelten laut Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung als Ladung und müssen auch auf kurzen Strecken gesichert werden. Bei Verstoß droht ein Bußgeld. Geeignete Gurte gibt es im Fachhandel.

von Susanne Wallentin

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