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Polizei hält Festgenommenen für Supermarkt-Erpresser

Hunderte Hinweise Polizei hält Festgenommenen für Supermarkt-Erpresser

Die Polizei in Baden-Württemberg hält den am Freitag im Zusammenhang mit den Supermarkt-Erpressungen festgenommenen Mann nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur für dringend tatverdächtig. Der Mann drohte damit, bundesweit Lebensmittel zu vergiften – und fordert einen Millionenbetrag.

Quelle: dpa

Konstanz/Friedrichshafen. Die Staatsanwaltschaft wolle noch an diesem Sonnabend einen Haftbefehl gegen den 55-Jährigen beantragen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich erhärtet, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonnabendmorgen mit. Die Ermittler seien nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf den Mann aufmerksam geworden.

Nach dem Fund vergifteter Lebensmittel am Bodensee setzten die Ermittler auf Hinweise über eine Telefon-Hotline. Rund 1000 Anrufe und 200 E-Mails sind bis Freitagnachmittag zu dem Polizeigroßeinsatz wegen vergifteter Lebensmittel in Friedrichshafen am Bodensee eingegangen; etwa 200 Hinweise bezogen sich auf die gesuchte Person. Das teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Konstanz mit.

Auch Beschäftigte einer Drogerie in Peine informierten am Freitag die Polizei, weil sie einen Mann beobachtet hatten, der dem mutmaßlichen Erpresser ähnlich gesehen habe. Am Abend teilte die Polizei jedoch mit, dass sie nach Auswertung des Videomaterials davon ausgehe, dass es sich nicht um den Gesuchten handele.

Die Polizei hatte den Mann am Freitag in Ofterdingen (Kreis Tübingen) überprüft und festgenommen. Der mutmaßliche Täter hatte in einer E-Mail an die Polizei, den Verbraucherschutz und mehrere Lebensmittelkonzerne von Mitte September damit gedroht, bis Sonnabend 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen. Er forderte einen niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag. Der Fall schuf allgemein Verunsicherung, zumal der Erpresser keine Angaben dazu machte, welche Produkte und welche Filialen konkret betroffen sein sollen.

Die Polizei hatte am Donnerstag Fahndungsbilder eines dringend tatverdächtigen Mannes veröffentlicht. Die Hinweise aus der Bevölkerung seien von recht unterschiedlicher Qualität, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, Markus Sauter. „Es ist alles dabei - von konkreten Hinweisen auf bestimmte Personen bis hin zu Anrufern, die meinen, die Person auf dem Fahndungsfoto vielleicht schon mal irgendwo gesehen zu haben.“ Die 220 Ermittler der Sonderkommission „Apfel“ würden die Hinweise „akribisch“ auswerten und zunächst bestimmen, „welche davon Priorität haben und welche in die Warteschleife kommen“.

Keine Entwarnung

Trotz der Festnahme gibt die Polizei noch keine Entwarnung für Lebensmittel-Kunden. Mit Blick auf möglicherweise vergiftete Waren rief die Polizei am Samstagmorgen erneut zur Vorsicht auf: „Die Verbraucher sollten nach wie vor beim Einkauf wachsam sein“, sagte Polizeisprecher Markus Sauter.

Trotz der veränderten Situation sollten die Menschen beim Einkauf auf manipulierte Produkte achten und die Polizei im Zweifelsfall informieren. Es gebe derzeit keine Erkenntnisse, dass der festgenommene 55-Jährige in Supermärkten oder Drogerien mehr vergiftete Lebensmittel als die bereits gefundenen Gläschen mit Babynahrung platziert habe -„die Geschichte ist aber nach wie vor aktuell“, fügte Sauter hinzu.

Polizei schließt weitere vergiftete Lebensmittel nicht aus

Der Tatverdächtige soll mit der erneuten Platzierung von vergifteten Lebensmitteln in Supermärkten und Drogerien gedroht haben, um eine zweistellige Millionensumme zu erpressen. Mitte September waren fünf vergiftete Gläschen mit Babynahrung in Friedrichshafen entdeckt worden. 

Die Polizei fürchtete weitere Taten. „Wir können nicht ausschließen, dass der Erpresser über das Wochenende erneut vergiftete Lebensmittel ausbringt“, sagte Pressesprecher Jens Purath am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Dies sei der Grund gewesen, dass die Polizei das Thema publik gemacht habe. 

Die Polizei geht aktuell davon aus, alle bisher vergifteten Gläser entdeckt zu haben. Das Gift Ethylenglycol sei in die Babynahrung eingerührt worden, hieß es von der Polizei. Beim Verzehr drohten „sehr ernsthafte Gesundheitsgefahren bis hin zum Tod“. Die Drohung des unbekannten Erpressers umfasse aber nicht nur Babynahrung. Er habe gedroht, 20 verschiedene Lebensmittel zu vergiften.

Supermärkte und Geschäfte in der gesamten Region erklärten lokalen Medienberichten zufolge, dass sie ihre Bestände angesichts dieser Drohung genauestens prüfen. Zur Frage, ob jemand in Erwägung ziehe, die geforderte Millionensumme zu bezahlen, machte die Polizei keine Angaben.

Es gebe aber keinen Grund zur Panik, erklärten Polizeisprecher. Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand sagte: „Ich kann nur alle dazu aufrufen, besonnen zu bleiben und jetzt besonders aufmerksam und vorsichtig zu sein. Bei einem Verdacht sollte jeder von uns sofort die Polizei informieren und sie bei den Ermittlungen unterstützen.“

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg riet zur Wachsamkeit beim Einkauf: Eine Beschädigung der Verpackungen oder fehlender Unterdruck, insbesondere bei Gläsern mit Schraubverschluss - erkennbar am fehlenden Knackgeräusch beim Öffnen - könnten Hinweise auf Manipulationen sein, erklärte der Sprecher der Zentrale.

Von RND/dpa

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