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Mutmaßlicher Vergewaltiger wehrt sich

Prozess um Gina-Lisa Lohfink Mutmaßlicher Vergewaltiger wehrt sich

Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist überraschend ein Zeuge aufgetaucht: Es ist einer der beiden Männern, denen das Model vorwirft, dass sie von ihnen vergewaltigt worden ist. Im Fernsehen wies der 32-Jährige die Vorwürfe von Gina-Lisa Lohfink zurück.

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Gina-Lisa Lohfink belasten die Auftritte vor Gericht erkennbar (Archivbild).

Quelle: Boris Roessler/dpa

Berlin. Am Montag könnte in Saal B 129 des Kriminalgerichts Moabit das Urteil im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink fallen. Doch der Berliner Justizkomplex ist nur einer der Orte, an dem dieser Prozess verhandelt wird – und vielleicht gar nicht der wichtigste.

Das Frühstücksfernsehen von Sat.1 ist ein anderer Gerichtssaal, in dem am Freitag Sebastian Castillo Pinto auftrat – noch bevor er am Montag vor Gericht aussagen wird. So viel zum Thema Prioritäten.

Der heute 32-Jährige war 2012 VIP-Betreuer im Berliner Club "Maxxim". In seiner Wohnung verbrachten Ex-Model Lohfink, der Fußballer Pardis F. und Pinto die Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2012. Hier entstanden die Videos, die die drei beim Sex zeigen und die von Pardis F. weitergeschickt wurden.

Anwalt: "Pinto wird es krachen lassen"

Bis heute sind Ausschnitte davon im Internet zu finden, obwohl es von einer großen Pornoseite mittlerweile gelscht worden ist. Die Aufnahmen zeigen Pardis F. und Lohfink beim Geschlechtsverkehr, man hört Pinto mit üblen Anfeuerungsrufen. Lohfink ruft "Nein, nein" und "Hört bitte auf".

Zeigt das Video eine Vergewaltigung? Oder einvernehmlichen Sex? Für Pinto ist die Sache klar: Lohfink habe gelogen, "das ist eine Schande", sagt er im Frühstücksfernsehen.  "Ich habe nicht eine Sekunde gedacht, dass sich das 'Hör auf' auf den Sex beziehen könnte. Sie hat gesagt: 'Komm nicht so nah mit der Kamera, hör auf zu filmen.'"

Am Montag vor Gericht wird Pinto diese Aussage untermauern, kündigte sein Rechtsbeistand Christian Gerlach an. Wörtlich sagte der Berliner Anwalt: "Pinto wird es krachen lassen." Auf jeden Fall kann er als Einziger etwas zum Vormittag des 3. Juni 2012 beitragen. Pardis F. verließ die Wohnung am Vormittag. Lohfink kam erst am späten Nachmittag in ihrem Hotel am anderen Ende der Stadt an. Was passierte in der Zwischenzeit?

Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen

Lohfink sei freiwillig geblieben, wird Sebastian Castillo Pinto demnach aussagen. Die beiden sollen Champagner in die Wohnung bestellt und weiter gefeiert haben. Nichts sei gegen Lohfinks Willen geschehen, sie habe sich bei ihm wohl gefühlt.

Aber ist Sebastian Castillo Pinto ein glaubwürdiger Zeuge? Zwischenzeitlich galt er als untergetaucht. Er habe keine ladungsfähige Adresse, hieß es lange. Alles Quatsch, die Polizei habe nur nicht den richtigen Briefkasten in seinem Apartment-Block gefunden, sagt nun Gerlach.

Der Mann soll aber kein unbeschriebenes Blatt bei der Justiz sein. Interessant ist zudem sein Umfeld: Auf seiner Facebook-Seite teilt er Fotos, die ihn in vertrautem Gespräch mit Mohammed "Momo" Abou-Chaker zeigen, dem verurteilten Drahtzieher des Überfalls auf das Pokertunier am Potsdamer Platz 2010. Die beiden sitzen in einem Szenelokal in Neukölln, das Bushidos Trauzeuge Arafat Abou-Chaker gehört.

Der andere Mann sieht sich als Opfer

Gegen den smarten Pinto wirkt sein Kumpel Pardis F. wie ein schüchterner Junge. Er hat bereits ausgesagt. Es habe in der Nacht keine Vergewaltigung gegeben, sagte der 28-jährige Fußballprofi. "Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will. Ich habe etwas für sie empfunden", sagte er.

Er spiele beim VfL Wolfsburg in der Bundesliga, hat er Lohfink beim Kennenlernen erzählt. In Wahrheit schaffte er es in Deutschland nicht über die Dritte Liga hinaus, bis er nach Aserbaidschan wechselte. Er hat bereits eine Geldstrafe gezahlt, weil er die Videos der Nacht weiterverbreitete.

Eklat im Prozess um Gina-Lohfink

Mitten in der Verhandlung verließ sie im Juni mit ihren Verteidigern den Saal. Mehr dazu lesen Sie hier.

Vor Gericht sagte Gina-Lisa Lohfink: "Ich ziehe keine Show ab". Mehr dazu lesen Sie hier.

Ansonsten sieht er sich als das eigentliche Opfer: "Meine Karriere hat sehr gelitten", sagte er vor Gericht. "Das ist doch für mich viel schwerer gewesen als für sie." In die gleiche Kerbe schlägt nun Pinto: "Die Nummer hat auch mein Leben zerstört", beklagt er sich im Interview. "Ich habe mein Ansehen und meinen Job verloren." Anscheinend aber nicht für lange. Auf Facebook teilte er jedes Wochenende Fotos von Promis – ganz wie früher im Maxxim, nur jetzt in einem anderen Club.

Gina-Lisa Lohfink: "Das wollte ich nicht"

Gina-Lisa Lohfink belasten die Auftritte vor Gericht erkennbar - und ernstzunehmend - schwer. Immer wieder ist sie am vergangenen Prozesstag in Tränen ausgebrochen. Außerhalb des Gerichts spielt aber auch sie an den anderen Verhandlungsorten mit.

In einem dramatischen Interview mit Birgit Schrowange bei RTL räumte sie ein, "schon total besoffen in den Club reingekommen" zu sein. Sie hat den Club auch mit Pardis F. zusammen verlassen. Was in Pintos Wohnung geschah, sei aber gegen ihren Willen passiert: "Das wollte ich wirklich nicht, dass die beiden mit mir Sex haben und dass sie mich filmen", sagte sie.

Angeklagt aber sind nicht Pinto und F., angeklagt ist Lohfink wegen Falschverdächtigung. Sie wehrt sich gegen einen Strafbefehl von 24.000 Euro. Sollte sie nicht freigesprochen werden, werde sie in Berufung gehen, hat Lohfink bereits angekündigt. Natürlich im Frühstücksfernsehen.

Von Jan Sternberg/RND

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