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Mutter gesteht mehrere Kindstötungen

Prozess um Babyleichen von Wallenfels Mutter gesteht mehrere Kindstötungen

Acht tote Säuglinge haben Ermittler in einem Haus in Oberfranken gefunden. Die Eltern hätten schlicht unbehelligt durch weitere Kinder leben wollen, sagt die Staatsanwaltschaft. Die Mutter schildert das zum Prozessauftakt anders.

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Mit einer Aktenmappe vor dem Gesicht sitzt Andrea G. zwischen ihren Anwälten Julia Gremmelmaier und Till Wagler: Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, vier Kinder vorsätzlich umgebracht zu haben.

Quelle: Daniel Karmann/dpa

Coburg. Die Mutter der acht toten Kinder von Wallenfels hat vor Gericht die Tötung mehrerer Säuglinge gestanden. Sie ließ ihren Anwalt schildern, wie sie acht Kinder gebar und jene tötete, die lebten. "Sie hat immer gleich reagiert", sagte der Verteidiger am Dienstag für die 45-Jährige beim Prozessauftakt am Landgericht Coburg. Sie habe die Neugeborenen in Handtücher gewickelt und versteckt – egal, ob sie Lebenszeichen gezeigt hätten oder nicht. Die Frage ist, wie viel ihr Noch-Ehemann wusste – und wann. Der 55-Jährige sagte zu den konkreten Vorwürfen gegen ihn nichts.

Mitte November waren in dem Haus der Familie in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels acht tote Babys entdeckt worden. Der Fund hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht und Betroffenheit erregt, vor allem im Ort selbst. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter vor, vier der Babys vorsätzlich umgebracht zu haben. Dem Vater legt sie zur Last, ihr dabei geholfen zu haben. Demnach wollten die Angeklagten ohne Einschränkung durch weitere Kinder leben. Die beiden, die sich wenige Wochen vor dem Leichenfund getrennt hatten, haben noch drei gemeinsame lebende Kinder und jeweils zwei weitere aus erster Ehe.

Mutter soll Schwangerschaft verdrängt haben

Bei vier der in Wallenfels gefundenen Babyleichen konnte laut Staatsanwaltschaft nicht geklärt werden, ob die Kinder tatsächlich lebten und auch lebensfähig waren. Daher sind sie nicht Teil der Anklage, die im Fall der Mutter auf Mord lautet.

Der Verteidiger der Mutter geht von Totschlag aus, wie er in der Verhandlungspause sagte. Die Mutter habe die Schwangerschaften jedes Mal so sehr verdrängt, dass sie von den Geburten völlig überrascht gewesen sei – auch weil ihr Mann keine Kinder mehr habe bekommen wollen, heißt es in der vom Anwalt verlesenen Erklärung.

Sie freute sich – er war dagegen wütend

Ihre Mutter und auch ihr Mann hätten die 45-Jährige zu einer Sterilisation gedrängt, der sie aber auswich. Als sie dann 2003 wieder schwanger wurde, habe sie sich gefreut und ihrem Mann davon erzählt. Der aber sei "ausgesprochen wütend" geworden und habe eine Abtreibung verlangt. Sie sei entsetzt gewesen – und habe danach jeden Gedanken an die Schwangerschaft weggeschoben – wie bei jeder der sieben folgenden Schwangerschaften auch.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erfuhr der Mann von den Schwangerschaften und rechnete demnach damit, dass seine Frau die Kinder umbringen würde. Er habe das billigend in Kauf genommen und sie nicht davon abgehalten. Seine Untätigkeit habe seine Frau in ihrem Tun bestärkt, ist die Behörde überzeugt. Die Angeklagten hätten ohne Einschränkung durch weitere Kinder leben wollen.

"Es wird ein außergewöhnlicher Prozess, wegen der vielen toten Kinder", hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft vor Monaten gesagt. Kurz nach dem Fund der Leichen hatten Polizisten die Mutter gefasst, die sich mit ihrem neuen Partner im nahen Kronach in einer Pension aufgehalten hatte. Für den Prozess sind zunächst vier weitere Verhandlungstermine vorgesehen, alle im Juli (Az. 105 Js 9472/15).

dpa/RND

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