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"Kämpfen müssen wir Frauen immer noch"

HAZ-Interview: Iris Berben wird 65 "Kämpfen müssen wir Frauen immer noch"

Für die einen ist sie die ewige Ulknudel, für die anderen Sexsymbol: Am Mittwoch wird Iris Berben 65 Jahre alt. Im Interview spricht sie über Kinder, Karriere und Frauenquoten.

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Lebefrau: Schauspielerin Iris Berben ist am Montag in der Komödie "Miss Sixty" zu sehen.

Quelle: dpa

Frau Berben, am kommenden Montag sind Sie im Ersten in der Komödie „Miss Sixty“ zu sehen. Sie spielen Luise, eine Frau, die mit 60 Jahren aus ihrem Job ausscheidet, sich noch einmal verliebt und einen späten Kinderwunsch entwickelt. Einer der ersten Sätze, der in dem Film fällt lautet „Man wird nie älter als 18“.
Stimmt! Damit ist gemeint, dass man sich diese Neugierde, Lust und Schnelligkeit, die die Jugend hat, auch im Alter bewahren kann und soll.

Sie spielen in dem Film eine erfolgreiche Molekularbiologin. Wie wichtig war und ist für Sie das Thema Karriere?
Der Begriff Karriere ist ja so negativ besetzt. Ich spreche lieber von meinem Beruf, der mir sehr wichtig ist. Ich hatte natürlich das Glück, dass er mir auch selbst entspricht. Natürlich musste ich mein Handwerk lernen, aber es ist kein Beruf, von dem man jemals sagen kann „ich weiß jetzt, wie er funktioniert“. Ich kann heute ganz anders Trauer, Verzweiflung oder auch Mutlosigkeit spielen als noch vor einigen Jahren. Insofern ist es ein Beruf, der parallel zu meinem Leben verläuft.

Iris Berben wird 65: Sie ist die Grande Dame des deutschen Films, eine Frau ohne Alter. Stationen ihres Lebens und ihrer Karriere in der Bildergalerie.

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Der Film thematisiert auch das Tabuthema des späten Kinderwunsches.
Wir wissen alle, dass die Medizin mittlerweile so weit ist, dass man seinen Kinderwunsch bis in die Unendlichkeit ausdehnen kann. Der Film spielt natürlich mit der Möglichkeit, auch im gesetzten Alter noch Mutter zu werden. Dahinter steht aber die Frage, warum Frauen keine Möglichkeit haben, Karriere und Familie miteinander zu vereinbaren. Da haben wir ein großes Defizit und noch viel Arbeit vor uns.

Sie sind selbst Mutter, können Sie Frauen verstehen, die keinen Kinderwunsch verspüren?
Natürlich. Ich finde es anmaßend, Frauen zu sagen, sie hätten etwas verpasst in ihrem Leben, wenn sie keine Kinder haben. Ich kenne einige, die sich ganz bewusst gegen Kinder entschieden haben, Man sollte jeder Frau die Wahl lassen. Genauso die Entscheidung darüber, ob sich jemand sich in der Lage fühlt, ein Kind zu erziehen, also über Abtreibung nachzudenken.

Würden Sie sich selbst als Feministin bezeichnen?
Ich kann mit diesem Begriff nicht so viel anfangen, weil ich aus einer anderen Generation komme und die Beschreibung des Feminismus vieles ausgeschlossen hat, was ich lebe. Feminismus ist in seiner Beschreibung viel radikaler, als ich es bin.

Halten Sie sich denn für emanzipiert?
Ja, ich bin eine frauenliebende Person. Und ich finde es großartig, dass Männer sich mittlerweile ebenfalls emanzipieren.

Das heißt, es ist alles erreicht, wofür Frauen Jahrzehnte gekämpft haben?
Kämpfen müssen wir immer noch. Und zwar darum, dass man seinen Beruf, seine Karriere und Kinder haben kann. Dafür sind die Möglichkeiten einfach noch nicht gegeben. Es geht um Gleichberechtigung im Beruf, um gleiche Bezahlung et cetera. Es gibt viel zu tun.

Sie haben sich vor Kurzem in einem offenen Brief in der „Zeit“ für die Frauenquote im deutschen Film starkgemacht. Wie groß ist der Nachholbedarf?
Leider! Eigentlich bin ich gegen die Quote. Aber ich habe auch Erfahrung genug zu wissen, dass wir vieles nicht erreicht haben, weil wir auf Vernunft gesetzt haben. Manche Dinge kann man vermutlich nur mit Druck erreichen. Wenn wir uns die Zahlen anschauen, muss man feststellen, dass wir einfach extrem wenig Regisseurinnen haben.

Im Kino ist das Problem nicht ganz so groß?
Richtig, bei den Sendern sitzen an den entscheidenden Stellen immer noch Männer. Es gibt zwar viele weibliche Redakteurinnen im kreativen Bereich. Aber in der Regie ist es tatsächlich so, dass sie an einer Hand abzählen können, wieviele Frauen da tätig sind. Wenn man bedenkt, dass in den Hochschulen das Fach Regie gleichberechtigt besetzt ist, muss man feststellen, dass die Sender immer noch nicht im Hier und Jetzt angekommen sind.

Interview: Nora Lysk

Viele Rollen, viele Preise

Iris Berben wurde 1950 in Detmold geboren. Die Schauspielerin startete ihre Karriere im Avantgarde-Kino Ende der Sechzigerjahre. Mehr als 100 Filme hat die Tochter eines Gastronomenehepaars gedreht, einen Bambi, den Grimme-Preis und ein Bundesverdienstkreuz bekommen. Dreimal flog sie von der Schule, schmiss das Abitur, dann entdeckte sie ihre Berufung und suchte als Schauspielschülerin in Hamburg den Kontakt zur Kunst- und Filmszene. Mit 18 debütierte sie in Rudolf Thomes „Detektive“, später folgten Rollen, darunter in Sergio Corbuccis Italowestern „Lasst uns töten, Compañeros!“. In den Siebzigerjahren entdeckte Berben in „Sketchup“ an der Seite von Diether Krebs ihr komisches Talent. Mit ihrem 1971 geborenen Sohn, dem Filmproduzenten Oliver Berben, entwickelte sie ihre wohl erfolgreichste Rolle: Als Kommissarin Rosa Roth ermittelte für das ZDF.

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