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"Was Bruce kann, kann Caitlyn auch"

Interview mit Caitlyn Jenner "Was Bruce kann, kann Caitlyn auch"

Caitlyn Jenner ist die bekannteste Transfrau der Welt. Im Interview spricht sie mit  Dierk Sindermann über den falschen Körper, ihre politischen Ansichten und die brutalen Medien.

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"Ich will ein Zeichen setzen": Caitlyn Jenner machte ihre Geschlechtsumwandlung auch deshalb öffentlich, um anderen Transsexuellen zu helfen.

Quelle: dpa

Frau Jenner, was bedeutet es für Sie, plötzlich eine Frau zu sein?
Ich kann endlich mein wahres Ich zeigen. Mein ganzes Leben hat diese Frau schon in mir gelebt – endlich habe ich die Möglichkeit, sie vorzuzeigen. Allerdings gibt es einige weibliche Geheimnisse, oft Kleinigkeiten, die ich noch lernen muss. Ich glaube, sich mit seinem Geschlecht zurechtzufinden ist für jeden eine Reise ins Unbekannte.

Ist Bruce ganz weg?
Nein. Der kleine Bruce lebt jetzt in mir. In vielen Dingen bin ich ja immer noch dieselbe Person wie früher.

Hand aufs Herz, gibt es Bruce-Eigenschaften, die Sie als Caitlyn vermissen?
Mir fällt nichts ein, ehrlich. Natürlich waren die Umwandlung und die Namensänderung am Anfang traumatisch. Bruce war ein guter Mensch. Aber ich habe immer noch dieselben Ansichten, dieselben Beziehungen mit Menschen wie vorher. Ich fliege immer noch Flugzeuge oder gehe zum Pferderennen. Was Bruce kann, kann Caitlyn auch.

Warum haben Sie mit der Umwandlung zur Frau so lange gewartet, wenn Sie schon immer gewusst haben, wer wirklich in Ihnen steckt?
Ich musste erst an den Punkt kommen, an dem meine Kinder erwachsen und meine Lebensumstände geordnet waren. Als ich dann noch meinen Frieden mit Gott geschlossen hatte, hab ich gesagt: "Okay, jetzt werde ich mein wahres Ich zur Schau stellen."

Bei einer Familie wie Ihrer kann man das nicht heimlich, still und leise tun. Sie stehen durchgehend im Rampenlicht.
Das war mir bewusst. Deshalb wollte ich mit meinem öffentlichen Outing anderen Transsexuellen helfen. Wissen Sie, Menschen, die im Körper des falschen Geschlechts gefangen sind, begehen Selbstmord oder werden sogar ermordet. Ich will ein Zeichen setzen und ein Vorbild sein. Deshalb auch die Reality-Show. Ich hatte ja eh kaum noch Privatsphäre.

Wie hat sich das ausgewirkt?
Die Medien sind brutal. Ich wurde in den letzten drei Jahren auf die übelste Art und Weise verleumdet und verrissen. Ständig folgten mir vier bis fünf Paparazzi, schnitten mir mit ihren Autos den Weg ab. Das Schlimmste war, dass sie meine Pläne geoutet haben, ehe ich mit meinen Kindern und mit meiner Mutter darüber gesprochen hatte. Es war so schlimm.

Wie haben Ihre Kinder reagiert, als Sie Ihnen von Ihrer geplanten Geschlechtsumwandlung erzählt haben?
Meine Kids waren fantastisch. Ich habe es zuerst meinem Sohn Brandon erzählt, der nur meinte: "Dad, ich war noch nie stolzer auf dich als jetzt." Ich hatte die größte Sorge, es meinen Töchtern Kylie und Kendall zu erzählen, weil sie ja noch jünger sind. Es stellte sich heraus, dass sie einzig und allein besorgt um mich waren, weil sie mich lieben.

Sie haben sich nicht nur als Frau, sondern auch als überzeugte Republikanerin geoutet. Sind Sie ein Fan von Donald Trump?
Um es klarzustellen, ich werde den republikanischen Kandidaten im Wahlkampf gegen Hillary Clinton unterstützen. Egal, wer es ist. Er wird jede Hilfe brauchen.

In der Vorschau zu Ihrer Sendung sagen Sie, dass Sie sich nicht vorstellen können, mit Frauen zusammenzukommen. Sprich, Sie wollen Männer daten?
Ich wäre grundsätzlich offen dafür, weil es schön wäre, mit einem Partner das Leben zu teilen. Aber es müsste schon ein sehr besonderer Mann sein.

Aber im Moment sind Sie noch Single?
Ich habe es nicht eilig. Ich bin ja völlig eingebunden und habe zudem ja schon eine Familie und meine Kinder. Die halten mich täglich auf Trab.

Was müsste man tun, um bei Ihnen zu landen?
Unternehmungslustig sein. Früher habe ich es immer gehasst, abends wegzugehen. Doch als Caitlyn liebe ich es, mit meinen Girls in Restaurants zum Dinner oder zu tollen Events zu gehen. Ich lerne auch gerade, Salsa zu tanzen. Es geht schon ganz gut. Allerdings will ich noch nicht mit irgendjemand öffentlich tanzen. Sonst geht bald davon ein Bild um die Welt. Das kann ich meinen Kids nicht antun.

Wie steht’s mit anderen Talenten? Kochen zum Beispiel.
Das hat sich leider nicht verbessert. Ich probier’s, aber es schmeckt genauso schlecht wie bei Bruce.

Interview: Dierk Sindermann

Zur Person:

Caitlyn Marie Jenner kommt 1949 in Mount Kisco im US-Bundesstaat New York als Bruce William Jenner zur Welt. Erste Berühmtheit erlangt er 1976 als Olympiasieger im Zehnkampf.

Zehnkampf-Olympiasieger Bruce Jenner trägt im Jahr 1984 die Olympiafackel auf dem Weg zu den Spielen in Los Angeles eine Etappe am Lake Tahoe in Nevada entlang (undatiert).

Quelle: dpa

1991 heiratet er in dritter Ehe die frühere Flugbegleiterin Kris Houghton, geschiedene Kardashian, die ihre Töchter Kourtney, Kim und Khloé in die Beziehung bringt. Kris schenkt Bruce die Töchter Kendall und Kylie; aus seinen ersten beiden Ehen hat er vier Kinder.

Berühmt wird der Kardashian-Jenner-Clan ab 2007 mit der Reality-Soap "Keeping Up with the Kardashians". 2014 lassen sich die Jenners wegen "unüberbrückbarer Differenzen" scheiden. Am 24. April 2015 gibt Jenner bekannt, eine Transfrau zu sein. Die Reality-Show „I Am Cait“ der heute 66-Jährigen läuft seit dieser Woche auf dem deutschen Pay-TV-Sender E! Entertainment.

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