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„Auch mir sind Sachen peinlich“

Interview mit Sascha Baron Cohen „Auch mir sind Sachen peinlich“

In seinem neuen Film "Der Spion und sein Bruder" spielt Sasha Baron Cohen einen trotteligen Hooligan. Dabei legt er mit seinen Witzen oft den Finger in die Wunde. Dierk Sindermann sprach mit dem britischen Komiker über Flüchtlingsleid, schwarzer Humor – und Donald Trump.

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"Niemand ist gezwungen, meine Filme zu sehen": Schauspieler Sasha Baron Cohen weiß, dass er einen speziellen Humor hat. Millionen Fans lieben ihn dafür.

Quelle: Armando Gallo

Herr Cohen, in Ihrem neuen Film "Der Spion und sein Bruder" dreht sich alles um Familie. Ihre Frau Isla Fisher spielt auch mit. Wie wichtig ist Ihnen Familie?
Ich rede normalerweise nie über mein Privatleben. Familie ist die Wurzel der Zivilisation. Aber man braucht eine starke Familie, um erfolgreich zu sein.

Sie machten kürzlich Schlagzeilen, weil Sie eine großzügige Summe für syrische Flüchtlinge gespendet haben.
Isla und ich spenden jedes Jahr anonym Geld für verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen. Die Situation in Syrien war so schlimm, dass wir gebeten wurden, unseren Beitrag offiziell zu machen, um andere zum Geben zu inspirieren. Was da abgeht, ist die größte humanitäre Tragödie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Besonders so viele Kinder leiden. Als Eltern fühlten wir uns da verpflichtet, etwas zu tun.

Sie scheinen eine Vorliebe für Australierinnen zu haben. Ihre Ehefrau stammt von dort und auch Rebel Wilson, die im Film Ihre Freundin spielt. Was ist so toll an den Damen aus Down Under?
Sie sind einfach starke Frauen. Mein Bruder hat es mir übrigens vorgemacht. Der ist auch mit einer Australierin verheiratet. Es ist eine Familienvorliebe (grinst).

Wenige Schauspieler drehen gern mit ihren Ehepartnern. Gab es keine Probleme?
Da müssen sie Isla fragen. Als Schauspieler, der mit Haut und Haaren in seiner Rolle aufgeht, habe ich natürlich Rebel Wilson abends mit nach Hause genommen. Leider ist sie jetzt schwanger. Nein, im Ernst: Ich finde es toll, mit jemandem tagsüber zu arbeiten und nachts mit ihm in einem Bett zu schlafen.

Veräppelt: Keiner ist vor seinen Witzen sicher, auch der Elektronikhersteller Apple nicht.

Mit Ihren schrägen Filmfiguren nehmen Sie oft Leute auf die Schippe, die das überhaupt nicht witzig finden.
Ja, ich weiß, dass mich ganz schön viele Leute hassen. Aber ich mache Filme für mich, für meine Freunde und für meine Fans. Am Ende kann man nicht jeden glücklich machen. Und niemand ist gezwungen, meine Filme zu sehen.

Gibt es nichts, was auch Ihnen zu peinlich ist?
Na klar, auch mir sind Sachen peinlich. Ich habe eine Menge menschlicher Emotionen wie Scham oder Angst, nur versuche ich die nicht vor der Kamera zu zeigen. Ich bin ja dann auch nicht Sacha, sondern Ali G oder Borat.

Aber darf man sich denn wirklich über alles und jeden lustig machen?
Natürlich, manche Dinge gehen auch zu weit. Ich spreche jeden Witz mit meinem Team durch. Kann man den bringen? Mir ist wichtig, dass keiner meiner Gags rassistische Vorurteile untermauert. Im Gegenteil, sie sollten sich darüber lustig machen.

Wann wussten Sie, dass Sie Komiker werden wollten?
Mit acht Jahren. Damals hat mich mein Bruder mit ins Kino geschmuggelt und wir haben "Das Leben des Brian" gesehen. Die Leute im Saal haben sich gebogen und kaum Luft bekommen vor Lachen. Da wusste ich, dass ich auch eines Tages solche Reaktionen hervorrufen will.

Wann kommen Ihnen die besten Ideen zu Ihren Witzen?
Leider oft zur falschen Zeit – mitten in der Nacht. Bislang bin ich dann immer aufgestanden und habe sie im Nebenzimmer niedergeschrieben. Bis ich die fantastische Idee hatte, mir einen Notizblock auf den Nachttisch zu legen. Weiß der Himmel, warum ich da nicht zuvor drauf gekommen bin …

Einer Ihrer Gags in "Der Spion und sein Bruder" ist in Amerika zu einem Politikum geworden. Sie infizieren Donald Trump mit Aids. Haben Sie ihn gefragt, ob er das erlaubt?
Klar, Donald liebt meine Arbeit. Als ich ihn angerufen habe, hat er sich unglaublich gefreut. Er hat eine Woche lang gearbeitet. Für minimale Gage (lacht). Nein, wir hatten keine Erlaubnis.

Sie haben im Film einen richtigen Bierbauch.
Was tut man nicht alles für einen Oscar. Ich habe mich von Chips und Bier ernährt und um drei Kleidergrößen zugenommen.

Sie sehen wieder ganz schön schlank aus.
Den Bierbauch wieder loszuwerden war härter, als ich gedacht habe. Mit 44 Jahren geht der nicht mehr über Nacht weg.

Interview: Dierk Sindermann

Zur Person: Sacha Baron Cohen

Sacha Baron Cohen ist der komischste Schauspieler, den Großbritannien zuletzt in die Filmwelt schickte. Der 44-Jährige stammt aus einer jüdischen Londoner Familie, studierte Geschichte in Cambridge und übernahm nebenbei kleinere Filmrollen.

Seinen Durchbruch als Komiker feierte Cohen 1998 in der "11 O ‘Clock Show", wo er erstmals als "Ali G" auftrat. International bekannt wurde Cohen 2006 durch die Filmsatire "Borat", in der er einen kasachischen Fernsehreporter spielt.

Sasha Baron Cohen mit Ehefrau Isla Fisher bei der Oscar-Verleihung 2016.

Quelle: dpa/Mike Nelson

Große Erfolge hatte der Brite, der inzwischen mit seiner Frau Isla Fisher (r.) und den gemeinsamen drei Kindern in Los Angeles lebt, auch als "Brüno" (2009) oder Admiral General Aladeen in "Der Diktator" (2012).

Seit Donnerstag läuft Cohens neuer Film "Der Spion und sein Bruder" im Kino.

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