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"Das macht mir Angst"

Interview mit Ryan Reynolds "Das macht mir Angst"

Seitdem er eine Tochter hat, merke er, wie die Zeit verfliege, sagt Ryan Reynolds: "Kaum auf der Welt, da ist meine Tochter schon sechs Monate alt." Ein Gespräch mit dem Schauspieler über das Älterwerden und seine neue Rolle als Vater.

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Grundsätzlich hat er nichts gegen Paparazzi, sagt Ryan Reynolds. "Wenn ich aber einen in meinem Haus vorfinden sollte, wird es das letzte sein, was er jemals getan hat."

Quelle: dpa/epa/Nina Prommer

Hollywood. In seinem neuen Science Fiction-Thriller "Selbstlos – Der Fremde in mir" können Menschen dem Tod von der Schippe springen, indem sie in einen neuen Körper schlüpfen. So kommt es, dass ein 90-Jähriger wie Ryan Reynolds aussieht. Begehrenswert? Nicht für Ryan Reynolds. Diese Art von Lebensverlängerung wäre für den 38-Jährigen keine Option, wie er im Interview verrät: "Wenn deine Zeit abgelaufen ist, dann ist das so. Es sollte keine zweite Chance im Leben geben."

Das sagt jemand, der mitten im Leben steht.
Okay, ich kann nicht wirklich ausschließen, dass ich als todkranker 90-Jähriger eine andere Entscheidung treffen würde. Besonders wenn ich schreckliche Dinge im Leben getan habe, die ich bereue. Ich habe für mich aber beschlossen, dass es wichtiger ist, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Wenn man eine Familie hat, dann ist das umso wichtiger.

Zur Person

Ryan Reynolds, geboren am 23. Oktober 1976, verheiratet mit Blake Lively, eine gemeinsame Tochter, sie kam im Dezember 2014 zur Welt.

Seit letztem Dezember sind Sie Familienvater. Wie sehr hat sich Ihr Leben verändert?
Verändert? Umgekrempelt ist das bessere Wort. Ich weiß noch, wie ich immer mit den Augen gerollt habe, wenn mir Leute Babybilder vor die Nase gehalten haben. Jetzt mache ich das selbst ständig. Ich bin nur noch am Fotografieren.

Sonst noch Veränderungen, die Sie bei sich feststellen?
Ich habe nicht mehr ständig mein Smartphone vor dem Gesicht. Ich gebe mir manchmal ganze Tage, wo ich das Ding weglege und nicht drauf schaue. Das Problem ist nur, dass man später total am Arsch ist – weil man 600 E-Mails und 300 dringende SMS-Nachrichten hat, die man dann nicht mehr rechtzeitig beantworten kann (lacht).

Klingt nach einer großen Herausforderung.
Nicht so groß wie die, genug Schlaf zu bekommen. Meine Frau und ich witzeln manchmal, dass unsere Tochter allergisch gegen Schlaf ist. Wir versuchen mit allen Mitteln, sie zum Einschlafen zu bringen. Ich singe sogar. Das Dumme ist, dass ich es bin, der dabei einschläft.

Sie haben monatelang den Namen ihrer Tochter verschwiegen. Warum die Geheimniskrämerei?
Ich denke, man muss ein bisschen Privatsphäre wahren. Sie heißt übrigens James.

Und James wurde auf einen Schlag zum Diskussionsthema, als Ihre Frau ein Foto von Ihnen auf Instagram postete. Darauf tragen Sie Ihre Tochter vor dem Bauch. Plötzlich regte sich alle Welt darüber auf, dass Sie das Baby falsch hielten. Hat Sie das gestört?
Nein. So etwas ist im Cyberzeitalter leider total normal. Deshalb hat es auch so lange gedauert, bis ich mich durchgerungen habe, mich bei Social Media anzumelden. Ich weiß, dass man als Promi in akuter Gefahr ist, einen Shitstorm auszulösen. Manchmal zu Recht, manchmal nicht.

Paparazzi stören Sie auch nicht?
Nein. Wenn man in meinen Business ist, versteht man, was es alles mit sich bringt. Deshalb werden Sie auch niemals sehen, dass ich Paparazzi den Stinkefinger gebe, nur weil sie mich vorm Supermarkt ablichten. Das gehört dazu. Wenn ich aber einen in meinem Haus vorfinden sollte, wird es das letzte sein, was er jemals getan hat.

Sie werden nächstes Jahr 40. Denkt man da manchmal mit Wehmut an seine Single-Zeiten in den wilden 20er zurück?
Wilde 20er? Von wegen. Ich war ein ganz merkwürdiger Typ, der mit 20 eher wie ein Mittdreißiger gelebt hat. Ich bin nicht wie andere auf wilde Partys gegangen und in meinem eigenen Erbrochenen aufgewacht. Als ich mit 29 aber ich gemerkt habe, was ich verpasst hatte, da habe ich eine Midlife-Krise bekommen. Dann habe ich mich eine Zeit lang exzessiv ausgetobt, und es war gut.

Dann wird Ihnen vorm Älterwerden also nicht bange?
Bis vor einigen Monaten wäre meine Antwort eindeutig "Nein" gewesen. Als ich noch nicht Vater war. Erst wenn man ein Kind hat, merkt man, wie die Zeit verfliegt. Kaum auf der Welt, da ist meine Tochter schon sechs Monate alt. Das macht mir Angst.

Warum?
Weil man sich fragt, wie viele dieser rasend schnell vorbeiziehenden Halbjahres-Segmente man mit seinem Kind erleben wird. Ich denke, mehr als 90 sind bei mir nicht realistisch. Das macht dir dann ganz deutlich klar, dass deine Stunden gezählt sind. Dass man sterblich ist.  

Wie koordinieren Sie und Blake Ihr Elterndasein mit Hollywood-Karriere?
Wir haben beide das Glück, in einer Branche zu arbeiten, wo man oft auch mal ein, zwei Monate am Stück frei hat. Grundsätzlich ist immer einer von uns zu Hause. Wir haben die Regel, dass wir nicht länger als zwei Wochen lang getrennt sind. Natürlich ist das nicht immer leicht. Man muss seine Prioritäten setzen.

Viele Stars nehmen ihre Kinder mit an die Sets.
Das werden wir wohl auch tun. James wird ein echtes Zirkusleben haben. Alle drei Monate steht unser Zelt woanders. Ich finde das toll. Sie wird von Anfang an die Welt kennen lernen und eine multikulturelle Erziehung haben.

Interview: Dierk Sindermann

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