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"Frauen können machen, was sie wollen"

Interview mit Nicole Kidman "Frauen können machen, was sie wollen"

Früher war sie die Frau von Tom Cruise. Inzwischen hat Nicole Kidman einen neuen Mann an ihrer Seite: Countrysänger Keith Urban. Im Interview mit Dierk Sindermann plaudert die 48-Jährige freimütig über ihre Familie – und den Alltag eines Hollywoodstars im Tourbus.

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"Ich hatte als Mädchen nicht viel Selbstvertrauen": Nicole Kidman erzählt von ihrer Jugend.

Quelle: dpa

Frau Kidman, wenn man Sie und Ihren Ehemann Keith Urban sieht, kommt einem in den Sinn: Jetzt haben Sie den richtigen Mann fürs Leben gefunden.
Auf jeden Fall!

Was gefällt Ihnen denn an Ihrem Keith so gut, mit dem Sie bereits ihren neunten Hochzeitstag gefeiert haben?
Er bringt mich zum Lachen und macht mich unglaublich glücklich. Wir stehen uns als Eltern und als Paar sehr, sehr nah. Wir sind beide Familienmenschen, lieben unsere Kinder und müssen gleichzeitig unserer kreativen Ader folgen. Und wir helfen uns gegenseitig.

Auch bei der Karriere?
Das ist gar nicht nötig. Keith hat etwas viel Wichtigeres bei mir bewirkt: Seitdem wir zusammen sind, hat sich meine Einstellung zum Beruf verändert. Zuvor war die Schauspielerei für mich eine Flucht vor der Wirklichkeit. Heute sehe ich jede Rolle wie eine Entdeckungsreise, weil ich mein Leben so liebe. 

Sind Sie tatsächlich Schauspielerin geworden, weil Sie vor sich selbst fliehen wollten?
Na ja, ursprünglich war es ein Mittel, um die Schule zu schwänzen und Jungs küssen zu können.

Wie bitte?
Zum Film bin ich gekommen, als ich 14 Jahre alt war. Für meine erste Rolle in einer romantischen Komödie wurde ich extra vom Unterricht beurlaubt. Im Drehbuch standen Kussszenen mit ein paar total süßen Jungen. Ich war im siebten Himmel. Denn sonst interessierten sich damals die Boys nicht gerade für mich.

Das darf doch nicht wahr sein.
Ich hatte als Mädchen nicht viel Selbstvertrauen. Schon weil ich nicht so aussah wie die australischen Girls um mich herum. Die meisten waren blond und braun gebrannt. Ich hatte weiße Haut und rote Haare. Meine Mutter hat mich nicht einmal zum Strand gelassen, weil ich sofort Sonnenbrand bekam. Deshalb saß ich zu Hause und habe gelesen.

Jetzt sind Sie selbst Mutter, Ihre beiden Töchter Sunday und Faith sind sieben und fünf Jahre alt. Was ist das Wichtigste, was Sie den beiden mit auf den Lebensweg geben wollen?
Die wichtigste Lektion ist zweifellos die, die ich auch von meiner Mutter erhalten habe: Mädchen und Frauen können alles machen, was sie nur wollen. Meine Mutter hat mir eingetrichtert, mich niemals einschüchtern zu lassen.

Wie ähnlich sind Ihnen Ihre beiden Töchter?
Lassen Sie es mich so sagen: Sie sind eine gute Mischung von  meinem Mann und mir. Sie haben auch einen sehr eigenen Kopf. 

Bemerken Ihre Mädchen, dass die Eltern berühmt sind?
Es fällt ihnen schon auf, wenn plötzlich 15 000 Leute ihrem Daddy zujubeln oder Leute von mir Autogramme wollen.

Und was halten sie von Mamas Beruf?
Sunday würde auch gerne Schauspielerin werden. Besonders, seitdem sie mich in der Bären-Komödie „Paddington“ gesehen hat. Sie war von dem Film begeistert. Faith ist dagegen mehr musikalisch interessiert und will es ihrem  Papa nachmachen. Das Witzige ist, dass Faith vom Aussehen her nach mir kommt und Sunday ganz der Papa ist. Es zieht sich gewissermaßen ein tiefer Graben mitten durch unsere Familie.

Wie kommen Sie selbst damit zurecht, von Millionen Menschen bewundert oder sogar angestarrt zu werden?
Das ist mir überhaupt nicht wichtig. Das Wichtigste für mich im Leben ist es, eine gute Mutter und Ehefrau zu sein. Ich brauche keinen Rummel um meine Person und liebe meine Privatsphäre. Deshalb bevorzuge ich es auch, in Tennessee zu leben. Die meisten Leute, denen ich im täglichen Leben begegne, haben keine Ahnung, wer ich bin. Ich erschrecke mich regelrecht, wenn mich plötzlich jemand mit Namen anspricht.

Und wie sind Sie ins abgelegene Nashville geraten?
Das ist die Heimatstadt von Keith und für mich perfekt. Ich bin überhaupt kein Großstadtmensch und habe mich in Los Angeles oder New York nie so richtig wohlgefühlt. Als mich Keith das erste Mal zu sich nach Hause holte, wusste ich sofort: Hier kann ich bleiben.

Klingt nach einem ziemlich spontanen Entschluss.
Ich bin von Haus aus spontan! Für mich stand auch ziemlich schnell fest, dass ich Keith heiraten wollte. Eigentlich schon einen Monat nach unserem ersten Treffen. Doch mit den Hochzeitsvorbereitungen hat sich das ein halbes Jahr hinausgezögert.

Gehen Sie eigentlich als Familie mit Ihrem Mann auf Tournee?
Aber klar. Wir fahren sogar im Tourbus mit. Meine Girls lieben das. Wir sind voll ausgestattet mit DVDs, Büchern und Spielen. Es ist ein sehr komfortables Reisen.

Da machen die anderen Autofahrer bei Tankstopps aber große Augen, wenn plötzlich ein Countrystar und eine Oscar-Gewinnerin aus dem Tourbus klettern.
Sie können mir glauben: Wir sehen alles andere als glamourös aus nach einer langen Fahrt. Meine Haare hängen mir ins Gesicht, und meine Kinder laufen im Schlafanzug herum.

Wie viel Normalität können Sie Ihren Töchtern bieten?
Eltern haben den natürlichen Reflex, ihre Kinder beschützen zu wollen. Keith und ich haben zum Beispiel die Regel, dass wir uns nie mit unseren Kindern zusammen fotografieren lassen. Doch am Ende ist es wichtig, dass sie selbst lernen, mit den Herausforderungen umzugehen. Und wenn sie aus einer starken, liebevollen Familie kommen, dann können sie auch mal scheitern, ohne dass es sie aus der Bahn wirft.

Und was wirft Sie selbst aus der Bahn?
Die Vorstellung, dass ein geliebter Mensch Schmerzen hat und ich nicht helfen kann. Das hat mir immer Angst gemacht.

Sie drehen Filme, haben zwei kleine Mädchen zu Hause und folgen Ihrem Mann auf Tournee. Bleibt da noch Zeit für eigene Interessen?
Natürlich. Ich engagiere mich bei den Vereinten Nationen gegen Gewalt gegen Frauen. Und ich helfe, Spendengeld für das Frauenkrebs-Zentrum der Uniklinik Stanford und das Monash-Kinderkrankenhaus in Australien zu sammeln.

Und wenn der Hollywoodstar Nicole Kidman mal zu Hause sitzt und niemand etwas von ihm will …
… dann lese ich am liebsten einen guten Roman. Oder ich lerne Italienisch. Ich liebe die Sprache und will sie unbedingt fließend beherrschen. Was mir dabei ein bisschen hilft, ist, dass ich Französisch spreche. Das habe ich mal studiert.

Als Schauspielerin kommen Sie in der Welt herum. Gibt es einen Ort, an dem Sie noch nicht waren, wo sie aber unbedingt einmal hinwollen?
Eine Safari zu Afrikas wilden Tieren steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste.

Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken: Welches ist der beste Ratschlag, den Sie in all den Jahren bekommen haben?
Der Regisseur Stanley Kubrick hat bei den Dreharbeiten zu „Eyes Wide Shut“ zu mir mal gesagt: Wenn dir jemand mit einer Idee kommt, warte 20 Sekunden, bevor du Ja oder Nein sagst, weil man Ideen erst einmal verinnerlichen muss.

Interview: Dierk Sindermann

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