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"Frauen könnten sich noch weniger trauen"

Christa Stolle zum Fall Gina-Lisa Lohfink "Frauen könnten sich noch weniger trauen"

Im Gerichtsverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink ist immer noch kein Urteil gefallen. "Wenn solche Prozesse in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, besteht die Gefahr, dass das Opfer zum Täter gemacht wird", warnt Christa Stolle, Vorstandsfrau von Terre des Femmes.

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"In Deutschland erlebt mindestens jede siebte Frau einmal in ihrem Leben schwere sexualisierte Gewalt": Christa Stolle, Vorstandsfrau von Terre des Femmes.

Quelle: Terre des Femmes

Der Fall Gina-Lisa Lohfink zeigt, wie schwierig Vergewaltigungsprozesse ablaufen können.
Der Ablauf des aktuellen Prozesses von Gina-Lisa Lohfink lässt sich aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades der Klägerin nicht verallgemeinern. Tatsächlich ist es so, dass die meisten Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung werden, diese nicht anzeigen, weil sie sich den unglaublichen emotionalen Belastungen nicht gewachsen fühlen. Wenn solche Prozesse in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, besteht die Gefahr, dass das Opfer zum Täter gemacht wird. Und das wirkt sich natürlich negativ auf die Opfer aus. Frauen könnten sich künftig noch weniger trauen, sexualisierte Gewalt anzuzeigen.

Wie hoch schätzen Sie die Opferzahl des Dunkelfelds? Was muss sich grundsätzlich ändern?
In Deutschland erlebt mindestens jede siebte Frau einmal in ihrem Leben schwere sexualisierte Gewalt. Terre des Femmes geht von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da viele Vergewaltigungen nicht anzeigen. Unter anderem deshalb, weil das Opfer weiterhin Angst vor dem Täter hat und das Verfahren und die Aussage vor Gericht scheut. Wir sehen in der Reform des Sexualstrafrechts eine ganz wichtige Grundlage für mehr Anzeigen von Vergewaltigungen und Verurteilungen. Denn bisher führte nur ein Bruchteil der Vergewaltigungen zu einer Verurteilung des Täters. Frauen müssen über das neue Recht genau informiert und bei einer Anzeige in allen durchlaufenden Institutionen in ihren Rechten gestärkt werden.

Nein heißt Nein – der Fall Gina-Lisa hat dazu geführt, das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Reicht das Gesetz aus?
Aus unserer Sicht ist die Gesetzesreform ausreichend, für die Terre des Femmes ganz intensiv gekämpft hat. Denn künftig werden sexuelle Handlungen bestraft, wenn sie gegen den erkennbaren Willen der anderen Person erfolgen – unabhängig davon, ob Gewalt angewendet oder angedroht wurde. Nein heißt endlich Nein! Wir gehen davon aus, dass es zu einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft kommt ähnlich wie bei der Vergewaltigung in der Ehe. Auch hier brauchte es zunächst eine Gesetzesreform.

Interview: Carsten Bergmann

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