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Japaner feiern Phallus-Fest

Ursprung im 17. Jahrhundert Japaner feiern Phallus-Fest

Viele Japaner leben ohne Sex. Dabei scheint manchen der Penis geradezu heilig. In einem Schrein in Kawasaki feiern sie das "beste Stück des Mannes" mit einem skurrilen Fest, das auch Tausende von Touristen anlockt.

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Die Japaner feiern das alljährliche Phallus-Fest.

Quelle: dpa

Kawasaki. Evita leckt genüsslich an einem rosafarbenen Penis-Lolli. Über ihrem zuckersüßen Phallus hinweg blickt die 23-Jährige auf Gruppen japanischer Männer, die unter anfeuernden Rufen auf ihren Schultern einen heiligen Schrein mit einem senkrechten Holz-Penis durch die Straßen tragen. "Es ist natürlich schon etwas peinlich, aber hier lutscht am heutigen Tag ja jeder sowas", erzählt die junge Polin und lächelt. So wie die Japanisch-Studentin hat es Tausende von Touristen aus aller Welt am Sonntag in die Tokioter Nachbarstadt Kawasaki gezogen, um in einem berühmten Schrein dem "besten Stück des Mannes" zu huldigen.

Was in europäischen Breitengraden undenkbar wäre, gehört in Kawasaki zum Frühlingsbeginn: Beim Kanamara Matsuri, zu Deutsch Festival des metallenen Phallus, dreht sich auf dem Gelände des Schreins Wakamiya Hachimangu alles um den Penis. Doch wer dabei an Obszönes denkt, liegt falsch. Das Fest hat seinen Ursprung im 17. Jahrhundert. Prostituierte baten die Götter damals um gute Geschäfte und um Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Heute geht es den Japanern beim Penis-Festival auch darum, die Götter um Fruchtbarkeit und eine sichere Geburt ihrer Kinder zu bitten. Auch an anderen Orten des Landes gibt es ähnliche Feste. In Kawasaki tragen Japaner unter lautem Gejohle Schreine mit gleich drei verschiedenen Phalli auf den Schultern. Einer besteht aus Metall.

Der Legende nach hatte Japans Urgöttin Izanami den Feuergott Kagutsuchi auf die Welt gebracht und sich dabei am Unterleib stark verbrannt. Sie wurde von den Schutzgöttern der Schmiede gepflegt - deshalb auch der metallische Phallus. Die Götter der Schmiede gelten seither auch als Götter zum Schutz vor Unterleibskrankheiten und einer sicheren Geburt.

Viele Japaner leben ohne Sex. Dabei scheint manchen der Penis geradezu heilig. In einem Schrein in Kawasaki feiern sie das "beste Stück des Mannes" mit einem skurrilen Fest, das auch Tausende von Touristen anlockt.

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Ein weiterer Phallus, der in einem tragbaren Schrein durch die Straßen getragen wird, besteht aus Holz. Und dann gibt es auch noch einen imposanten rosafarbenen Penis, den Mitarbeiter eines Transvestitenclubs gespendet haben. Überall in den Straßen wird dazu an allerlei phallusförmigen Süßigkeiten gelutscht, manche Japanerinnen haben sich selbstgebastelte Hüte in Form von Spermien aufgesetzt, auf dem Schreingelände werden dazu T-Shirts mit Penis-Zeichnungen, Kerzen in Penisform und andere Souvenirs verkauft.

"Ich mag das Fest. Wir feiern bei uns in Sambia, wenn Jungs und Mädchen in die Pubertät kommen. Irgendwie erinnert mich das Penis-Fest hier daran", erzählt Mushaukwa. Die Japaner machten damit auch auf das Problem mit sexuell übertragbaren Krankheiten aufmerksam, ein Problem, das er aus seiner Heimat nur zu gut kenne. "Es geht um den Schutz vor solchen Krankheiten", erzählt der Afrikaner, der in Japan lebt. Dabei sind die Inselbewohner, wenn es um das Thema Sexualität geht, nicht immer so locker drauf wie beim Penis-Fest.

Einerseits sind freizügige Darstellungen in Japan allgegenwärtig, zum Beispiel im Fernsehen oder in Comics. Andererseits scheinen die Japaner sexuell eher zurückhaltend zu leben. Nach einer Studie des japanischen Forschungsinstituts für Bevölkerung und soziale Sicherheit aus dem Jahr 2010 haben 36,2 Prozent der unverheirateten Männer zwischen 18 und 34 Jahren noch nie im Leben Sex gehabt.

Hinzu kommt, dass Japan unter einer sinkenden Geburtenrate und rapiden Überalterung der Gesellschaft leidet. Inzwischen schrumpft die Bevölkerung der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Doch davon wollen die Besucher des Penis-Festivals an diesem Tag nichts wissen. "Wir wollen die echten, wir wollen die echten Penisse", grölen zwei Besucherinnen und lutschen vergnügt an ihren Lolli.

dpa

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