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Jesuiten-Missbrauchsopfer wollen Geld als Genugtuung

Verletzung und Wut sitzen tief bei den Männern, die vor mehr als 20 Jahren an deutschen Jesuitenschulen sexuell missbraucht wurden. Als Genugtuung fordern sie vom Orden ein halbes Jahr nach der Aufdeckung der ersten Taten in Berlin nun tätige Reue - in barer Münze.

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© dpa (Symbolbild)

Über symbolische Gesten des Jesuitenordens hat Matthias Katsch ein halbes Jahr nach dem Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs am Berliner Canisius-Kolleg sehr genaue Vorstellungen. „Es geht nicht länger um Entschuldigungen oder Händedrücken, es geht um finanzielle Entschädigung“, sagte er am Montag als Vertreter der Betroffenengruppe „Eckiger Tisch“. Die Summen sollten dem Orden „wehtun“. Die Missbrauchsopfer erwarteten einen konkreten Vorschlag. Der Orden aber will weiterhin auf eine bundesweite Lösung an einem Runden Tisch warten, der im September erneut tagt.

„Wir verschanzen und nicht hinter dem Runden Tisch. Wir denken darüber nach, mit einer eigenen Position da hineinzugehen“, sagte Ordenssprecher Thomas Busch am Montag. Noch sei jedoch unklar, um welches Modell - einen Fonds oder gestufte Entschädigungen - es sich handeln könne. Konkrete Summen nannte Busch nicht. Er verwies auf die oft geringen Schadenersatzhöhen bei Missbrauchsfällen, die vor Gericht verhandelt werden. Es könne nicht sein, dass Missbrauchsopfer kirchlicher Einrichtungen andere Entschädigungen erhielten als Opfer in Sportvereinen.

Im Januar waren an der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg die ersten Missbrauchsfälle bekanntgeworden. Sie lagen oft mehr als 20 Jahre zurück. Danach meldeten sich mehr als 200 Männer, die Jesuitenschulen in Berlin, Bonn oder St. Blasien im Schwarzwald besucht hatten. Sie berichteten, wie Jesuitenpater ihnen beim Duschen zusahen, ihre Genitalien berührten oder sie zum Onanieren zwangen. Sie schilderten auch Gefühle der Ohnmacht, wenn Täter allenfalls versetzten wurden und nicht an Hilfe für die Opfer gedacht wurde. Inzwischen waren auch aus anderen kirchlichen Einrichtungen, Schulen und Vereinen Missbrauchsvorwürfe laut geworden.

Doch wie lässt sich Missbrauch sühnen, der nach dem Strafrecht verjährt ist? Das Opfer Matthias Katsch sieht als Lösung nur Geld. „Genugtuung funktioniert nur finanziell, denn wir werden die Täter nicht im Gefängnis sehen“, sagte er. Eine konkrete Summe nennt er nicht, doch es gibt Hinweise. Der Opferfonds der österreichischen Kirche zahle zwischen 5000 und 25 000 Euro, andere Betroffene in Deutschland hätten 75 000 bis 100 000 Euro gefordert.

Der Verweis des Ordens auf den Runden Tisch und andere Opfergruppen macht Katsch wütend. Er empfindet es als Ausspielen der Opfer gegeneinander. „Das ist zynisch und unverfroren“, sagte er. Den Missbrauchsopfern, die heute zumeist zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, geht es aber auch noch um andere Hilfen wie Therapiekosten. Gutachterin Andrea Fischer hält den Hinweis auf den Runden Tisch nicht für eine Verzögerungstaktik. Gemeinsame Entschädigungslösungen entsprächen der Logik dieses Tisches, sagte sie. „Den Jesuiten stünde es aber gut an, in Sachen Entschädigung genauso voranzugehen wie bei der Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe.“

dpa


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