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„Ich würde Verbrechen begehen“

Johnny Depp im Interview „Ich würde Verbrechen begehen“

Derzeit ist Johnny Depp im Kino als Gangster in dem Biopic „Black Mass“ zu sehen. Im Interview erzählt er, dass er für seine geliebten Menschen alles tun würde - sogar töten.

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Sie hatten schon einmal großen Erfolg mit einer Rolle, die im Mafia-Milieu spielt. Donnie Brasco, ein vom FBI eingeschleuster Undercoveragent. Damals waren Sie allerdings viel jünger.
Damit wollen Sie sagen, dass ich jetzt alt bin.

Um Himmels willen, nein.
Keine Angst, ich sage das auch selbst über mich. Donnie Brasco war 1997. Die perfekte Rolle für  mich zur perfekten Zeit. Damals habe ich viele dieser Mafia-Typen kennengelernt. Habe mit ihnen nachts abgehangen.

Haben Sie von diesen Erfahrungen etwas in Ihren aktuellen Film „Black Mass” eingebracht?
Unterbewusst. Ich fühlte damals, dass es keinen großen Unterschied zwischen den Burschen bei der Mafia und denen beim FBI gibt.

Sie gehen ganz in Ihren Rollen auf. Wie lange dauert es nach der letzten Klappe, bis Sie wieder nur ganz Sie selbst sind?
Kommt wirklich auf die Rolle an. Aber es dauert manchmal Wochen, in denen ich regelrecht melancholisch bin. Man war am Drehtag länger jemand anderes als man selbst. Man kann nicht einfach direkt zur Tagesordnung übergehen.

Wie viel Johnny steckt in James, den Sie in „Black Mass“ spielen?
Man kann gar nicht anders, als private Dinge aus seinem Leben für emotionale Momente heranzuziehen. Zum Beispiel als Jimmys kleiner Sohn im Film stirbt, da musste ich daran denken, dass meine Tochter Lily-Rose auch fast gestorben wäre. Sie war gerade sieben Jahre alt und drei Wochen im Krankenhaus. Ihr Leben stand auf Messers Schneide.  

Ihre Tochter ist sehr erfolgreich in ihre Fußstapfen getreten. Sie ist schon fast so berühmt wie ihr Vater.
Und das erschreckt mich zu Tode. Es war nicht mein Plan, dass Lily-Rose Schauspielerin wird. Aber das ist nun einmal ihre große Leidenschaft. Dass sie sich aber so schnell selbst einen Namen macht ... Mein Gott, sie war gerade noch mein kleines Mädchen. Und plötzlich ist sie eine Frau, die allein unterwegs ist und von Karl Lagerfeld eingekleidet wird. Nichts kann sie aufhalten. Und natürlich bin ich unglaublich stolz auf sie.

Wie eng sind Vater und Tochter?
Sehr. Sie weiß, dass ich immer für sie da bin und ihr mit Rat und Tat zur Seite stehe. Das ist das Wichtigste, was Eltern für ihre Kindern tun sollten. Sie ist ein sehr kluges Mädchen. Darum traue ich ihr natürlich viel zu. Aber wenn ich sie plötzlich in diesen weiblichen Outfits mit voller Kriegsbemalung sehe, dann ist das hart. Dann müsste ich fragen, ob jemand Opium für mich hat.

Sie haben Ihr Anwesen in Frankreich zum Verkauf ausgeschrieben. Weil Sie jetzt ein neues Kapitel im Leben aufgeschlagen haben?
Wissen Sie, ich habe überhaupt nichts davon gewusst, dass die Immobilie auf dem Markt ist. Ich war neulich mit meiner Frau Amber da und war völlig geschockt. Ich will den Ort, an dem meine Kinder aufgewachsen sind, unbedingt behalten. Ich hoffe sogar, dass da vielleicht sogar mal meine Enkel groß werden.

Was macht Sie im Leben am glücklichsten?
Die ganz simplen Dinge. Einfach nur mit meiner Frau zu chillen, in Ruhe die Zeitung zu lesen oder einfach Zeit für ein ganzes Buch zu haben. Es gibt nichts Besseres. Das hält mich davon ab, in unserer verrückten Welt wahnsinnig zu werden.

Wie hat Ihre Mutter Sie fürs Leben geprägt?
Sie hat mich abgehärtet. Sie ist in größter Armut in Kentucky groß geworden und musste ums nackte Überleben kämpfen. Als ich in der Grundschule von anderen Kids gemobbt wurde, hat sie mir geraten: „Pack dir das nächste Mal einen Backstein und schlag sie k. o.“ Das hab ich getan und hatte danach meine Ruhe. Ich habe das später metaphorisch so weiter gehalten.  

In der Mafia bedeutet Loyalität alles. Wie wichtig ist sie für Sie?
Loyalität bedeutet mir alles. Ich würde alles für die Menschen tun, die ich liebe. Die mit mir durch die Höhen und Tiefen, die schlechten und die guten Tage im Leben gegangen sind. Ich würde für sie Verbrechen begehen, sogar töten ...

Interview: Dierk Sindermann

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