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Kaiserlicher Abschied für Otto von Habsburg

Trauerfeier Kaiserlicher Abschied für Otto von Habsburg

Er hat in Wien nie regiert und wurde doch verabschiedet wie ein Kaiser: Österreich zeigte sich bei der Trauerfeier für Otto von Habsburg von seiner nostalgischen Seite. Touristen freuten sich über das Spektakel.

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Europäischer Hochadel und Politiker als Ehrengäste gaben Otto von Habsburg das letzte Geleit.

Touristen und zufällige Passanten bekamen am Wochenende im imperialen Wien ein einzigartiges Schauspiel präsentiert. Die pompöse Trauerfeier für den letzten kaiserlichen Thronfolger wurde zur sprichwörtlichen «schönen Leich». Europäischer Hochadel und Politiker als Ehrengäste gaben Otto von Habsburg am heißen Sommersamstag das letzte Geleit. Fahnenabordnungen von Traditionsverbänden, Kameradschaften in historischen Uniformen, Verbindungen und Schützenverbände ließen Glanz und Glorie der Kaiserzeit noch einmal aufflackern.

«Fast kurios» nannte der Militärhistoriker Christan Ortner die sichtbaren Symbole: Auf Uniformen und Fahnen gaben Doppeladler und andere Motive der Kaiserzeit neben republikanischen Zeichen einen bildhaften Abriss der widersprüchlichen österreichischen Geschichte. Dass die Republik Österreich mit Beteiligung des Militärs das Begräbnis wie ein «Quasi-Staatsbegräbnis» anmuten ließ, hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt. Am Tag der Grablegung zeigten sich auch Historiker versöhnlich.

«Das Begräbnis muss nicht in die Zeit passen», meinte etwa ein Kommentator im österreichischen Fernsehen. Otto sei eine Persönlichkeit, die eine wechselvolle Zeit widerspiegle. Er selbst habe sich vom Kaisersohn zum heutigen Politiker gewandelt: «Die Republik hat mit der Monarchie schon längst abgeschlossen.» Allerdings sei das letzte große Begräbnis eines bedeutenden Mitglieds der ehemaligen Kaiserfamilie auch «Anlass, neu über die Vorgeschichte der Republik nachzudenken», meinte der Historiker Hannes Leidinger.

Die Habsburg-Expertin Katrin Unterreiner sieht nun die Zeit gekommen, mit Klischees aufzuräumen und zu einem ehrlicheren Umgang mit dem «Mythos Habsburg» zu finden: «Auch Touristen interessiert durchaus, dass zum Beispiel Sisi nicht das Opfer des Lebens am Hof war, zu dem sie stilisiert wurde - sondern eine Egomanin, die ihre Stellung immer auszunutzen gewusst hat», sagte sie der «Presse». Oder dass der letzte Kaiser Karl I. entgegen seinem Ruf als «Friedenskaiser» mehrmals die Chance gehabt hätte, den Weltkrieg zu beenden.

Die Menschen, die das prunkvolle Begräbnis in Wien auf der Straße verfolgten, kamen ebenfalls mit unterschiedlichen Motivationen. «Doppeladler und die Habsburger - das ist Österreich», schwärmte etwa ein Uniformierter von der Königlich Eisenstädter Schützengesellschaft. Die 74-jährige Alena Groulik aus Budweis dagegen erklärte: «Wir sind Mitglieder der Paneuropa-Union, ich bin seiner kaiserlichen Hoheit mehrmals persönlich begegnet. Er hat die Länder Europas wieder vereinigt. Wir verdanken ihm viel.»

Ein Wissenschaftler, der nahe dem Dom wohnt, schlug kritischere Töne gegenüber dem Toten an: «Er war ein Erzreaktionär», meint der hagere, soignierte Herr. «Aber er ist zu einem sympathischen Menschen geworden. Und er ist eine historische Figur.» Österreich habe der Familie Habsburg mit den Habsburger-Gesetzen Unrecht getan. «Die Trauerfeier ist ein freundlicher Abschluss», meint er versöhnlich. Und eine junge Mutter wollte ihre beiden Kinder an einem «historischen Moment» teilhaben lassen: «Natürlich war er kein Kaiser. Aber irgendwie ist es doch das letzte Kaiserbegräbnis».

dpa

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