Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Warten auf "The Big One"

Kalifornien rüstet sich für Erdbeben Warten auf "The Big One"

Irgendwann in naher Zukunft wird ein massives Erdbeben Kalifornien ins Chaos stürzen – da sind sich Experten und Bürger einig. Die San-Andreas-Verwerfung gilt als tickende Zeitbombe. Vorbereitet sind derzeit allerdings die wenigsten.

Voriger Artikel
Oma fährt mit Elektro-Rolli auf die Autobahn
Nächster Artikel
Germanwings-Airbus verliert Triebwerkhülle

Sofort in die Hocke gehen: In Los Angeles wurde das richtige Verhalten bei einem schweren Erdbeben geübt. Die Freiwilligen lernten vor allem, ihren Kopf zu schützen.

Quelle: Marcus Teply

Los Angeles. Für viele Bewohner Kaliforniens ist es das schlimmste mögliche Szenario: eingestürzte Häuser, tonnenschwere Trümmer, viele Tote und viel Blut. Und sie wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein verheerendes Erdbeben die großen Metropolen an der Küste treffen wird. Los Angeles wäre ebenso betroffen wie San Francisco.

"The Big One" (das Große) lautet der Spitzname für die angekündigte Katastrophe. Dennoch, vorbereitet auf den Tag X sind trotz aller Warnungen die wenigsten. "Die Menschen sind sehr fatalistisch eingestellt, wenn es um das große Beben geht", sagt der Direktor des Roten Kreuzes in Kalifornien, Jarrett Barrios. "Sie denken, dass es irgendwann passieren wird und sie sich dann schon arrangieren werden, falls sie überleben."

Millionen völlig ahnungslose Bürger?

Dabei gibt es zahlreiche von den Behörden empfohlene Vorkehrungen, die einfach zu beachten wären – wie etwa Häuser erdbebensicher zu bauen oder einen Trinkwasservorrat anzulegen. Bei einer Umfrage des Roten Kreuzes im vergangenen Jahr räumte allerdings ein Viertel aller Bewohner von Los Angeles ein, überhaupt keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen zu haben – und das, obwohl fast alle erklärten, sie rechneten noch zu ihren Lebzeiten mit einem mächtigen Beben.

Die Einsatzkräfte befürchten, dass sie sich in diesem Fall um Millionen von völlig ahnungslosen Bürgern kümmern müssen, die weder Lebensmittel noch Evakuierungspläne haben und die Katastrophe von einem Alptraum in eine Apokalypse verwandeln. Deshalb gibt es schon seit Jahren Bemühungen, die Bevölkerung zu schulen und auf den Ernstfall einzustimmen.

San Francisco gilt als eine besonders gefährdete Metropole. Die Stadt am Pazifik wurde zuletzt 1906 von einem schweren Erdbeben erschüttert. Rund 3000 Menschen kamen damals ums Leben.

Quelle: dpa

In der vergangenen Woche war es wieder soweit: Zum achten Mal wurde in den hochgefährdeten Erdbebengebieten der Welt, darunter auch in Neuseeland und Japan, eine simulierte Alarmprobe durchgeführt, der sogenannte "Great ShakeOut". Laut den Organisatoren meldeten sich dazu insgesamt 22 Millionen Menschen an, zehn Millionen in Kalifornien. Von den rund 38 Millionen Einwohnern des bevölkerungsreichsten US-Staates leben allein 18,5 Millionen in Los Angeles und Umgebung.

Sie sitzen auf einer Zeitbombe: Kalifornien liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umgibt und fast die gesamte Pazifische Platte umschließt. Auf einer Länge von 1300 Kilometern zieht sich die San-Andreas-Verwerfung durch den Westküstenstaat. Es handelt sich um eine Störung in der Erdkruste, wo sich die pazifische Platte nach Nordwesten und die nordamerikanische Platte nach Süden verschiebt. Hier bauen sich gewaltige Spannungen auf, die sich in verheerenden Erdbeben entladen können.

Verletzte mit Hollywoodschminke

Neue Studien haben zudem gezeigt, dass es Tausende weitere – wenn auch viel kleinere – Störungen gibt, von denen einige direkt unter dem dicht besiedelten und von Wolkenkratzern geprägten Geschäftsviertel Downtown Los Angeles und unter Hollywood liegen. Auch hier brodelt es, das Desaster scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Bei der Probe für den Ernstfall werden alljährlich künstliche Trümmer aufgetürmt und vermeintliche Verletzte mit Hollywoodschminke in Blut getränkt. Echte Helfer üben die Rettungsaktionen und ziehen "Opfer" aus dem Schutt. Die Simulation bezieht sich auf ein – durchaus plausibles – Beben der Stärke 7,8 am südlichen Ende der San-Andreas-Verwerfung, das schätzungsweise 1800 Tote, 53.000 Verletzte und 213 Milliarden Dollar (186 Milliarden Euro) an Schäden verursachen würde.

"Vielleicht sind leichtere Beben nötig"

Die Teilnehmer lernen dabei auch, sich auf den Boden zu werfen, wenn die Erde zu zittern beginnt, und dabei vor allem ihren Kopf zu schützen. Allerdings hielt sich die Zahl der wirklichen Interessenten auch in diesem Jahr vielerorts in Grenzen. "Wir alle kennen die Risiken, aber wir tun nichts", meint die Studentin Brittany (23). "Ich persönlich bin in keiner Weise vorbereitet."

Aber die Uhr tickt, warnen Experten. "Warum so viele Bürger so wenig über die Risiken wissen, ist mir ein Rätsel", sagt Barrios. "Vielleicht sind ein oder zwei leichtere Beben nötig, damit die Leute verstehen, dass sie sich unbedingt auf 'The Big One' vorbereiten müssen."

Von Valerie Hamilton

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.