Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Loveparade: Rückschlag für Feuerwehrmann
Nachrichten Panorama Loveparade: Rückschlag für Feuerwehrmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 01.09.2015
Feuerwehrmann Ralf S. wurde bei der Loveparade eingesetzt, im ersten Zivilverfahren zu der Tragödie will er 90.000 Euro Schmerzensgeld vom Land und vom Veranstalter einklagen. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Anzeige
Duisburg

Für seinen Einsatz bei der Loveparade-Katastrophe vor mehr als fünf Jahren kann ein Feuerwehrmann nach Einschätzung des Duisburger Landgerichts keine Entschädigung beanspruchen. Der Richter Stefan Ulrich erklärte in dem Zivilverfahren am Dienstag, dass Schadenersatz in aller Regel nur Menschen zustehe, die von einem Unglück unmittelbar betroffen seien.

Dies sei bei dem 53 Jahre alten Feuerwehrmann nicht der Fall. Zudem gehe es "um ein typisches Berufsrisiko". Im ersten Prozess zu der Tragödie mit 21 Toten will der Feuerwehrmann 90.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Land und vom Veranstalter erstreiten. Das Gericht verkündet seine Entscheidung am 5. Oktober.

Nach eigenen Worten erlitt der Helfer eine posttraumatische Belastungsstörung, als er zum Unglücksort geschickt wurde. Bei dem Technofestival hatte sich an einer Rampe ein tödliches Gedränge gebildet, mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Feuerwehrmann gibt sich kämpferisch

"Ein Beobachter hat keinen Schadenersatzanspruch, auch wenn er selber schwer erkrankt", erklärte der Richter. Etwas Schlimmes zu sehen, etwa einen Unfall auf der Autobahn, gehöre zum "allgemeinen Lebensrisiko". Es gebe jedoch Ausnahmen, etwa wenn jemand den Tod eines nahen Angehörigen miterleben muss.

Neben dem Antrag des Feuerwehrmannes sind acht weitere Zivilklagen in Sachen Loveparade anhängig. Zwei von zehn Anträgen auf Prozesskostenhilfe hatten die Richter vor kurzem abgelehnt, da sie den Klagen keine Chancen einräumten.

Die strafrechtliche Aufarbeitung der Tragödie steckt nach wie vor im Zwischenverfahren fest. So steht noch die Entscheidung des Landgerichts aus, ob es die Anklageschrift wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zulässt und es zu einer Hauptverhandlung kommt. Beschuldigt sind insgesamt zehn Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters.

"Wir verhandeln hier nur einen Mini-Ausschnitt. Das ist ja überlagert von einer viel größeren Thematik", sagte Richter Ulrich. Der Feuerwehrmann will weiter versuchen, eine Entschädigung einzuklagen. "Wer so eine Veranstaltung plant, ist für die Sicherheit von allen Menschen zuständig", sagte er.

Der Feuerwehrmann gibt sich kämpferisch. "Wenn wir das finanziell in irgendeiner Form stemmen können, werden wir bis zum Europäischen Gerichtshof gehen", sagt der 53-Jährige kurz nach der Zivilverhandlung im Duisburger Landgericht am Dienstag.

Von Andrea Löbbecke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Panorama Verkauf von Wetterpatenschaften für 2016 - So benennen Sie einen Sturm nach sich

Wer seinen eigenen Namen auf einer Wetterkarte sehen will, kann dafür eine Patenschaft übernehmen. Er kann sie auch verschenken – dann heißt ein Hochdruckgebiet im nächsten Jahr vielleicht wie der Ehemann.

01.09.2015

In Magdeburg hat sich ein Serieneinbrecher der Polizei gestellt. Ihn plagte das schlechte Gewissen.

01.09.2015
Panorama Sofern die Frauen Reue zeigen - Papst: Priester dürfen Abtreibung vergeben

Papst Franziskus hat katholischen Priestern erlaubt, Abtreibung zu vergeben. Allerdings müssen Frauen dafür bereuen und um Vergebung bitten.

01.09.2015
Anzeige