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"Bei Tayler hat das System versagt"

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers "Bei Tayler hat das System versagt"

Nach dem gewaltsamen Tod des kleinen Jungen Tayler in Hamburg fordert Heinz Hilgers mehr Unterstützung für Krisenfamilien. "Das kann man nicht alles den Jugendämtern überlassen", sagt der Präsident des Kinderschutzbundes im Interview.

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Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, fordert mehr Hilfe für Krisenfamilien.

Quelle: dpa

Herr Hilgers, der Tod des kleinen Taylers erschüttert Deutschland. Haben die Ämter versagt?
Der Fall Tayler ist ein sehr trauriger und dramatischer. Von uns kann keiner das Leid ermessen, den das Kind ertragen musste. Der Fall zeigt aber auch, wie schwierig Gefährdungsabschätzungen sind. Nach meinem Wissen hat die Familienhelferin das Jugendamt nicht informiert, weil sie dachte, die Verletzungen wären beim Laufenlernen passiert. Eine Gefährdungsabschätzung ist schwierig und muss deswegen von zwei erfahrenen Fachkräften geschehen. Ich kenne die Fallakte nicht, der Staatsanwalt muss nun diese Fragen klären.

Michelle, Jessica, Lara Mia, Chantal, Yagmur, nun Tayler – warum kommt es immer wieder zu diesen tragischen Fällen in Hamburg? Die Stadt hatte doch extra neue Strukturen geschaffen, um solche Tragödien zu verhindern.
Ich bezweifle, dass der Gedanke, akute Eingreiftruppen zu installieren, der richtige ist. Wichtiger ist es, mit guter Personalausstattung für einen überschaubaren Bezirk kontinuierlich zuständig zu sein. Nicht nur die Gefährdungsabschätzung und das Eingreifen in Krisensituationen gehören dazu, sondern auch die Prävention. Das kann man nicht alles den Jugendämtern überlassen, dazu gehört auch das Engagement von Familienhelfern bei freien Trägern. Die Behörden aber müssen in jedem Fall die Verantwortung für die Bezirke übernehmen, die nur so groß gestaltet werden dürfen, um auch die nötige Kraft für die Prävention aufbringen zu können. Das ist weit besser als die schnellen Eingreiftrupps wie in Berlin, Köln oder auch Hamburg, die erst dann einschreiten, wenn ein Anruf kommt. Ich halte die Zersplitterung der Jugendhilfe nicht für klug.

Wie muss die Politik reagieren?
Nicht mit schärferen Gesetzen. Es gibt im Hinblick auf die Bedeutung der Prävention mehrere Faktoren, über die intensiv nachgedacht werden muss: Die ärmsten Städte in Deutschland haben gleichzeitig die meisten Krisenfamilien. Diese Städte müssen also viel Geld für die Intervention im Krisenfall ausgeben. Da bleibt kein Raum für Schutzmaßnahmen. Daher fordere ich einen Rechtsanspruch auf frühe Hilfen, sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Jugendhilfe. Ministerin Manuela Schwesig hat eine Reform angekündigt, diese Forderung ist leider nicht dabei.

Aber wie soll ein Baby wie der einjährige Tayler es schaffen, um Hilfe zu bitten?
Auch ganz kleine Kinder muss man an diesem Prozess beteiligen. Sie übernehmen bei einer Entwicklung einer familiären Perspektive eine wichtige Rolle. Auch ein Baby drückt aus, ob es lieber bei den leiblichen Eltern oder in der Pflegefamilie bleiben möchte, natürlich mit anderen Mitteln. Die Partizipation durch Beobachten ist von entscheidender Bedeutung. Dieses System hat bei Tayler versagt, was die große Schwierigkeit von Gefährdungseinschätzungen und die Bedeutung von gut geschultem Hilfspersonal einmal mehr aufzeigt.
Interview: Carsten Bergmann

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