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Sexuelle Belästigung

Kirche sucht weitere Missbrauchsopfer

Nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen durch katholische Geistliche auch in Niedersachsen wird in allen Kirchen des Bistums Hildesheim an diesem Sonntag eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle verlesen.

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Domkapitular Heinz-Günter Bongartz (links) und Generalvikar Werner Schreer während einer Pressekonferenz in Hildesheim.

Domkapitular Heinz-Günter Bongartz (links) und Generalvikar Werner Schreer während einer Pressekonferenz in Hildesheim.

© lni

Das Bistum werde alles daran setzen, für Aufklärung zu sorgen, heißt es in dem Brief des Bischofs. Die Fälle erfüllten ihn „mit Scham und Empörung“ und bedrückten ihn zutiefst. Trelle bittet weitere Geschädigte, sich zu melden, denn „allen Opfern bieten wir Begleitung und Hilfe an“. In Niedersachsen geht es um zwei Jesuiten-Pater, denen Missbrauchsfälle in Göttingen, Hannover und Hildesheim angelastet werden.

Unterdessen nimmt der Missbrauchs-Skandal am Berliner Canisius- Kolleg immer größere Ausmaße an. Die Anwältin Ursula Raue, die vom Jesuitenorden mit der Untersuchung der Fälle beauftragt wurde, berichtete in der „Berliner Morgenpost“ (Samstag), die Zahl der Betroffenen steige von Tag zu Tag. „Insgesamt dürften es jetzt um die 30 Opfer sein.“ Bislang waren lediglich die Fälle von 22 Kindern bekannt, die in den 70er und 80er Jahren an dem katholischen Elite- Gymnasium sexuell missbraucht wurden.

Auch bundesweit weitet sich die Affäre um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aus. Fast 100 Mitarbeiter der katholischen Kirche sind nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in den vergangenen 15 Jahren unter Missbrauchsverdacht geraten, berichtete das Hamburger Magazin am Samstag vorab. Eine Umfrage bei allen 27 deutschen Bistümern habe ergeben, „dass seit 1995 mindestens 94 Kleriker und Laien unter Missbrauchsverdacht geraten sind“.

Trotz des Skandals zweifelt der Berliner Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) am Sinn eines speziellen Missbrauchs-Beauftragten auf Landesebene. „Dieser Bereich ist so sensibel, dass er nicht durch Formalien oder die Einsetzung eines Beauftragten regelbar ist“, sagte Zöllner dem „Tagesspiegel“ (Samstag). Er neige eher zur Einsetzung von Ansprechpartnern an den einzelnen Schulen, „weil das persönliche Vertrauensverhältnis in diesem Kontext eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt“.

Die Bildungsverwaltung hat nach Zöllners Worten bereits seit zwei Wochen Kenntnis von den Missbrauchsfällen an der Berliner Jesuiten- Schule. Die Schulaufsicht sei am 22. Januar zum ersten Mal durch die Leitung des Canisius-Kollegs über die Vorfälle informiert worden, berichtete der Senator. Öffentlich bekannt wurde der Skandal erst sechs Tage später durch einen Brief der Schulleitung an etwa 600 ehemalige Schüler. Inzwischen sind Fälle von allen drei deutschen Jesuiten-Gymnasien und einer ehemaligen Ordensschule bekannt.

Mit Manfred von Richthofen, dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Sportbunds, hat sich jetzt auch ein ehemaliger Lehrer des Canisius-Kollegs geäußert. Viele Patres seien durch ihre kirchliche Ausbildung „ein wenig verklemmt“ gewesen, sagte er der Tageszeitung „B.Z.“ (Samstag). In den 60er Jahren, als er dort arbeitete, habe er aber von Missbrauchsfällen nichts mitbekommen. Eine mögliche „Pestbeule“ seien aber die freiwilligen Nachmittags-Aktivitäten der Marianischen Congregation gewesen. „Das war eine abgeschlossene Gruppe, zu denen auch die Patres gehörten, von denen wir jetzt die schlimmen Geschichten hören.“

lni


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