Die Bahn hatte, nachdem etliche Züge überhitzt waren und von Sanitätern evakuiert werden mussten, zunächst von bedauerlichen Einzelfällen gesprochen. Ein interner Meinungs- und Informationsaustausch zwischen dem Bahnvorstand und der für ihn zuständigen Aufsichtsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt, deutet jedoch auf ein generelles Problem hin.
Der Präsident des Eisenbahnbundesamtes, Gerald Hörster, warnt in einem Schreiben vom 14. Juli, das dieser Zeitung vorliegt, den Vorstand der Bahn vor einer Verletzung seiner gesetzlichen „Sicherheitsverpflichtung“. Wörtlich schreibt Hörster: „Die Vorfälle geben hinreichenden Anlass zu der Annahme, dass nicht gewährleistet werden konnte, dass die Risiken für die Fahrgäste auf ein verantwortbares und rechtlich zulässiges Maß beschränkt geblieben sind.“
Hörster rekapituliert in dem Brief Auskünfte des Bahnvorstands, die er auf eine Anfrage vom 12. Juli bekam. Danach sei ein Abkühlen bei höheren Temperaturen als 32 Grad nicht gewährleistet, und „durch unglückliche Umstände“ habe überdies „die Luftzufuhr versagt“. „Die Ereignisse werden derzeit von der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes untersucht“, schreibt Hörster. „Nach dem Ergebnis dieser Untersuchungen werde ich über das weitere Verfahren entscheiden.“
Unterdessen haben, wie es am Mittwoch aus Bahnkreisen hieß, die Bahn und der Siemens-Konzern als Reaktion auf das Hitze-Chaos in mehreren ICE-Zügen eine „Taskforce“ gegründet. Für den Zugchef eines ICE, in dem am Sonnabend neun Schüler bei großer Hitze kollabierten, hat die Fahrt juristische Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld leitete ein Ermittlungsverfahren ein. „Der Verdacht lautet auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung“, sagte Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart. Es werde derzeit geprüft, ob der Mann den Zug hätte anhalten müssen.
Der Siemens-Konzern, der die Züge gebaut hatte, widersprach dem Vorwurf, mangelhafte Technik ausgeliefert zu haben. Für die Münchener ist die Bahn verantwortlich, weil sie die Wartung vernachlässigt habe – Wartungsverträge mit Siemens aber ablehnte. „Wer ein Auto kauft und zehn Jahre nicht zur Werkstatt bringt, darf sich auch nicht wundern, wenn er irgendwann mit dem Fahrzeug liegen bleibt“, sagte ein Siemens-Sprecher.

Kommentare
nicht @Siemens teknik – 15.07.10
Siemens kann durchaus ICEs bauen, die bei -40° keinerlei Probleme haben, siehe ICE Moskau - St.Petersburg. Die sind dann teurer als unsere, die -10° vertragen.Ebenso kann Siemens sicher auch Klimaanlagen bis 50° bauen. Die sind dann aber auch teurer als unsere, die bis 32° gehen.
Der Kunde (in diesem Fall war das Herr Mehdorn) entscheidet, welche Konfiguration bestellt wird.
Ein Bahnsprecher sagte eben irgendwo im TV, daß die Klimaanlagen sicher nicht überarbeitet werden, denn das sei zu teuer. Lass uns mal davon ausgehen, daß die ganze Geschichte sowohl der Bahn als auch ihrem Eigentümer völlig am Hintern vorbeigeht. Nur ein bißchen Presserummel gerade, aber der geht vorbei.
@Siemens zum Löschen vorgemerkelt – 15.07.10
„Wer ein Auto kauft und zehn Jahre nicht zur Werkstatt bringt, darf sich auch nicht wundern, wenn er irgendwann mit dem Fahrzeug liegen bleibt“Es ist doch nicht so, dass die Bahn keine eigenen Werkstätten betreibt.
Die Züge müssten nur öfter mal dahin zur Untersuchung.
Das hat doch aber rein garnichts damit zu tun, dass die Klimaanlagen nur bis zu einer Aussentemeratur von 32 Grad ausgelegt wurden.
Im ICE 3 hohffe ich für Siemens das Sie da besser "Designt" haben. Immerhin gehen 100 davon nach China.Soll dort teilweise sehr warm werden.