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Panorama Klimaforscher Mojib Latif wird per E-Mail bepöbelt
Nachrichten Panorama Klimaforscher Mojib Latif wird per E-Mail bepöbelt
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18:07 17.11.2017
Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif geht gelassen mit den negativen Mails um.  Quelle: Uwe Paesler/Kieler Nachrichten
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Kiel

 Gegen Hass im Netz haben Wissenschaftler scheinbar auch noch kein Mittel gefunden. Bei Klimaforscher Mojib Latif trudeln mit dem ersten Frost die ersten Nachrichten von Klimaskeptikern ein. Bis zu zehn Mecker-Mails landen täglich im Posteingang des Wissenschaftlers. „Wo bleibt denn der Klimawandel? Es ist doch total kalt!“, heißt es da.

Das Problem: „Anders als bei Einsteins Relativitätstheorie glauben viele, beim Thema Klimawandel mitreden zu können.“ Wetter kennt schließlich jeder, oder? „Das Thema ist unendlich komplex“, sagt Latif, „Klimaskeptiker können oder wollen nicht begreifen, dass es sich um ein chaotisches System handelt.“ Ein morgendlicher Blick auf das Thermometer sage nichts aus. Die Erderwärmung müsse man über einen langen Zeitraum betrachten.

Auf die Mails reagiert der Forscher gelassen: „Ich guck’s mir an und amüsiere mich ein bisschen, bevor ich sie lösche.“ Im Ordner „lustige Mails“ landen nur die unterhaltsamsten Pöbeleien. Einen Ehrenplatz nimmt dort die Zuschrift eines Rechtsanwaltes ein, der Latif mit einer Klage drohte. Schließlich sei dieser mit seinen Behauptungen über die Erderwärmung daran Schuld, dass der Jurist sein neues Haus ohne Heizung bauen ließ. Der frierende Anwalt ließ seinen Frust in einer Mail ab – vor Gericht zog er nicht.

Nicht im Netz aktiv

Mit einer Antwort brauchen die Verfasser übrigens nicht rechnen. „Solche Menschen sind beratungsresistent“, sagt Latif. Sie sind auch der Grund, dass der Klimaforscher sich im Internet zurückhält: „Ich bin selbst nicht bei sozialen Netzwerken angemeldet. Das würde ich gar nicht aushalten.“

Latif betrachtet die Entwicklungen im Internet mit Sorge. Im Netz gebe es die Möglichkeit, alles Mögliche zu verbreiten und Follower zu bekommen. Das beste Beispiel dafür sei Donald Trump. Kinder und Jugendliche sollten bereits früh lernen, richtig mit dem Internet umzugehen. Da sieht der Forscher an Schulen großen Nachholbedarf. Schüler würden nicht lernen, was eine belastbare Information sei.

Nicht selten fingen Fragen an den Forscher mit dem Halbsatz „Ich habe im Internet gelesen, dass“ – an. Latif selbst gibt zu: „Es ist zeitaufwendig, sich mit den komplexen Themen auseinanderzusetzen, aber notwendig.“ Bei Vorträgen versucht der Wissenschaftler Laien sein hochkomplexes Forschungsgebiet näher zu bringen. Im ganz realen Leben. Nicht im Netz.

Von Kerstin Tietgen, Kieler Nachrichten/RND

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