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Freispruch im Prozess um totes Baby

Richtern fehlen die Beweise Freispruch im Prozess um totes Baby

Ihr Ex-Freund hatte sie angezeigt: Eine 33-jährige Frau hatte angeblich ihr neugeborenes Baby nach der Geburt ertränkt oder erstickt. Der Prozess endete aber mit einem Freispruch – aus Mangel an Beweisen.

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In Köln endete der Prozess um ein totes Baby mit einem Freispruch. Den Richtern fehlten die nötigen Beweise.

Quelle: Uli Deck/dpa/Symbolbild

Köln. Das Kölner Landgericht hat eine 33-Jährige vom Vorwurf freigesprochen, ihr neugeborenes Kind umgebracht zu haben. Nach Auffassung der Richter sei der Frau nicht nachzuweisen, dass sie ein lebendes Baby geboren und es dann getötet habe. Die Aussage der Frau, sie habe eine Fehlgeburt erlitten, sei nicht widerlegbar.

Plötzlich Schmerzen im Unterleib

Die Leiche des Kindes wurde nie gefunden, die Angeklagte hatte sie im Hausmüll entsorgt. "Dies ist eines der seltenen Verfahren, bei dem am Ende mehr Fragen offen sind als am Anfang", sagte der Vorsitzende Richter Michael Bern am Donnerstag bei der Urteilsbegründung. Auch die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf einen Freispruch plädiert.

Sicher sei nur, dass die Angeklagte irgendwann im Jahr 2010 schwanger wurde. Als sie bei ihrem damaligen Freund übernachtete, habe sie plötzlich Unterleibsschmerzen bekommen und sich für längere Zeit ins Badezimmer zurückgezogen. Dort sei es "zum spontanen Abgang eines Fötus" gekommen. Ob das Kind gelebt habe oder nicht, sei nicht festzustellen, sagte Bern. Damit erübrige sich schon die weitere Frage, ob die Angeklagte den Tod des Kindes herbeigeführt habe.

Gutachter: Aussage plausibel

Unklar ist auch, wie weit die Schwangerschaft zu dem Zeitpunkt bereits fortgeschritten war. Die Frau hatte damals keinen Arzt konsultiert, Freunde und Bekannte hatten keine äußerlichen Anzeichen für eine Schwangerschaft bemerkt. Gutachtern zufolge bestand bei der Frau ein erhöhtes Fehlgeburt-Risiko, da sie in der Vergangenheit bereits sieben Schwangerschaftsabbrüche hinter sich hatte. Insofern erscheine die Aussage der Angeklagten, sie habe eine Fehlgeburt erlitten, plausibel.

Die Ermittlungen waren etwa zwei Monate nach dem Geschehen durch eine Anzeige des Ex-Freundes der Frau ins Rollen gekommen, der nichts von der Schwangerschaft gewusst hatte. Da es in den Aussagen des Mannes aber Unstimmigkeiten gab, wertete das Gericht sie als nicht belastbar.

dpa

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