Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Keine Verurteilung wegen Kölner Silvester-Übergriff

Erster Prozess endet Keine Verurteilung wegen Kölner Silvester-Übergriff

In der Kölner Silvesternacht wurden Hunderte Frauen belästigt, begrapscht und bestohlen. Zum ersten Mal war jetzt ein Verdächtiger wegen sexueller Nötigung angeklagt. Vor Gericht ließ sich der Vorwurf aber nicht belegen.

Voriger Artikel
Polizist erschießt Randalierer im Westerwald
Nächster Artikel
Studentin verprasst 2,15 Millionen Euro

Der 26-jähriger angeklagte Algerier im Amtsgericht in Köln: Der 26-Jährige war wegen versuchter sexueller Nötigung angeklagt.

Quelle: Marius Becker/dpa

Köln. Die Staatsanwaltschaft ist im ersten Anlauf mit dem Versuch gescheitert, einem angeblichen Täter aus der Kölner Silvesternacht vor Gericht eine sexuelle Nötigung nachzuweisen. Das  Amtsgericht verurteilte am Freitag zwar einen 26-jährigen Angeklagten zu sechs Monaten Haft auf Bewährung – aber nicht wegen eines sexuellen Übergriffs, sondern wegen eines Diebstahlsdelikts und Hehlerei.

Der 26-Jährige war ursprünglich angeklagt, weil er am Kölner Hauptahnhof zusammen mit etwa zehn anderen Männern eine Frau umzingelt haben sollte. Laut Anklage hatten mehrere Personen aus der Gruppe heraus das Opfer zwei bis drei Minuten lang in sexueller Motivation unter anderem am Gesäß angefasst. In dem Getümmel sollte der 26-Jährige der Frau das Handy gestohlen haben – die Polizei fand es später bei ihm.

Frau erkennt mutmaßlichen Täter nicht wieder

In der Verhandlung erkannte die belästigte Frau als Zeugin den Angeklagten aber nicht als Täter wieder. Zwar schilderte die 54-Jährige, wie es sich plötzlich von Männern umkreist fand. "Ich habe das als sehr bedrohlich empfunden." Überall an ihr seien fremde Hände gewesen, sagte die Frau.

Und später bei der Polizei hatte sie den 26-Jährigen anhand eines Fotos "mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit" identifiziert. Aber als sie den Mann in der Verhandlung sah, kam er ihr nicht bekannt vor. Die Staatsanwaltschaft konnte den Brüdern ebenfalls nicht nachweisen, bei den Kölner Silvester-Ausschreitungen zwei Frauen jeweils das Handy gestohlen zu haben.

Angeklagter gesteht andere Straftat

Verurteilt wurde der Mann nun wegen eines versuchten Diebstahls aus einem Auto im vergangenen Dezember, den er gemeinsam mit seinem ebenfalls angeklagten Bruder in der Nähe von Köln begangen haben soll. Diese Straftat gaben der 26-Jährige und sein 23 Jahre alter Bruder vor Gericht auch zu.

Wegen dieser Straftat und des versuchten Autoaufbruchs erhielt auch der 23-Jährige Bruder des Hauptangeklagten sechs Monate Haft auf Bewährung. In ihrem Plädoyer räumte auch die Vertreterin der Anklage ein, dass der Beweis einer sexuellen Nötigung in der Hauptverhandlung nicht habe geführt werden können.

Nach der Silvestergewalt hatte das Kölner Amtsgericht bereits mehrere Angeklagte wegen Diebstahls verurteilt. Eine Sexualstraftat war in den bisherigen Prozessen aber nicht angeklagt. Derzeit liegen dem Kölner Gericht auch noch keine weiteren Anklagen wegen der massenhaften sexuellen Übergriffe an Silvester vor, wie ein Justizsprecher sagte.

afp/dpa/wer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.