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Cindy aus Marzahn hört auf

Nach elf Jahren ist Schluss Cindy aus Marzahn hört auf

Komikerin Ilka Bessin (44) will nicht mehr als Cindy aus Marzahn auftreten. Stattdessen will sie Kleidung für übergewichtige Frauen entwerfen.

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Ihren letzten Auftritt als schwergewichtige Langzeitarbeitslose hatte sie schon: Komikerin Ilka Bessin will nicht mehr als Cindy aus Marzahn auftreten.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Berlin. Ihren letzten Auftritt als schwergewichtige Langzeitarbeitslose habe sie bereits Anfang Juni gehabt, sagte Bessin dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ihr Management bestätigte die Entscheidung.

Auf ihrer Facebookseite schrieb Cindy aus Marzahn am Freitagabend: "Ja, ich werde meine Krone und den Jogginganzug an den Haken hängen und gehen." Sie habe in den vergangenen Jahren einige Sachen vernachlässigt, um die sich jetzt kümmern müsse: "Wäsche waschen, der Garten, Enrico, meine Wohnung muss och jemalert werden, etc."

"Man darf so eine Figur nicht totspielen"

Auf ihrer Homepage hatte Cindy bereits vor einigen Wochen mit einem Räumungsverkauf begonnen. "Der Ausverkauf geht in die letzte Runde und wir haben alle Artikel nochmals reduziert", schrieb die Künstlerin. Über ihren Onlineshop verkauft sie T-Shirts, Puppen und DVDs. "Ab sofort 70 Prozent auf alles, außer Babynahrung."

Sprüche von Cindy von Marzahn

Mit derben Sprüchen rund um Arbeitslosenklischees, Übergewicht und Beziehungsprobleme hatte sie Erfolg. Einige Beispiele:

  • "Ich hab keine Arbeit, ich sehe einfach zu gut aus"
  • "Meine Mutter hatte ja eine sehr schwere Kindheit, nämlich meine."
  • "Erste Reihe ist übrigens extrem scheiße. Ick lass mich ab und zu och gerne mal ins Publikum fallen."
  • "Wenn ich morgens um 14.00 Uhr wach werde, läuft nur Scheiße im Fernsehen."
  • "Ich glaube nicht, dass Sie wissen, wie scheiße das ist, wenn man den ganzen Tag frisst und abends vergisst zu kotzen."

Im "Spiegel" begründet Bessin das Ende: "Man darf so eine Figur nicht totspielen", meinte Bessin. "Wenn man sich elf Jahre lang Abend für Abend eine Perücke aufsetzt und einen pinkfarbenen Jogginganzug anzieht, muss man aufpassen, dass die Leute nicht irgendwann sagen: Boah, ich kann den Scheiß nicht mehr sehen. So weit soll es nicht kommen."

Cindy war Bessins "beste Freundin"

In den vergangenen elf Jahren habe sie viel erreicht, aber sie habe auch Prügel einstecken müssen, von Kritikern wie von Kollegen, sagte Bessin dem Magazin. Dennoch habe sie Cindy aus Marzahn nicht als Last empfunden, sondern als ihre "beste Freundin".

Auf Facebook und Twitter reagierten viele Menschen traurig, als sie von Cindys Abschied erfuhren. "Ich fand Dich immer toll", schrieb eine Frau. Andere meinten zum Abschied dagegen: "Endlich". Oder: "Gott sei Dank."

Vier Jahre lebte Bessin von Hartz IV

Künftig wolle Bessin gemeinsam mit einer Schneiderin Kleidung für Übergewichtige entwerfen, so der "Der Spiegel". Ob sie irgendwann unter ihrem eigenen Namen auf die Bühne zurückkehren werde, wisse sie noch nicht.

Bessin kommt nicht aus Berlin-Marzahn, sie wuchs in Luckenwalde bei Berlin auf. In der DDR kochte sie in einem Wälzlagerwerk für 750 Arbeiter. Den Job verlor sie nach der Wende und geriet bald in den Strudel der hohen Arbeitslosigkeit. Bessin kellnerte, war Schiffsanimateurin und lebte Anfang der 2000er Jahre vier Jahre lang arbeitslos von Hartz IV.

Assistentin von Markus Lanz in "Wetten dass...?"

Die Wende brachte ein Anruf beim "Quatsch Comedy Club" auf ProSieben, wo sie eigentlich nur als Showkellnerin arbeiten wollte. Doch am Apparat war ein Verantwortlicher der Talentschmiede der Show und schlug ihr vor, sich doch einmal dafür zu bewerben.

Gleich ihr erster Auftritt im Jahr 2004 wurde zum Durchbruch. Vier Jahre spielte sie im "Quatsch Comedy Club", RTL gab ihr die eigene Show "Cindy aus Marzahn und die jungen Wilden", von 2012 bis 2013 war sie Co-Moderatorin von Markus Lanz bei "Wetten, dass..?". 2014 trat die Plattenbau-Prinzessin sogar in New York auf dem Broadway auf.

Doch noch vor dem Aus der Show endete die Zusammenarbeit. Bei Sat.1 fand sie zwar einen neuen Hafen, doch die Erfolge kehrten nicht mehr wie gewohnt zurück. Insofern war das Aus womöglich schlicht fällig.

afp/dpa/RND/wer

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