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Naidoo und die „Reichsbürger“

Kritik an Kundgebung Naidoo und die „Reichsbürger“

Deutschlands erfolgreichster Soulsänger muss dieser Tage viel Kritik einstecken, weil er am Freitag vergangener Woche, dem Tag der Deutschen Einheit, auf einer Kundgebung der selbst ernannten „Reichsbürger“ sprach.

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Naidoo bei einem Medienauftritt.

Quelle: dpa

Berlin. „Sie ist nicht von dieser Welt“, singt Xavier Naidoo im Refrain eines seiner frühen Hits. Es gibt jetzt nicht wenige, die ebendieses Urteil über Naidoo selbst sprechen: Er ist nicht von dieser Welt. Und das ist keineswegs anerkennend oder gar bewundernd gemeint. Deutschlands erfolgreichster Soulsänger muss dieser Tage viel Kritik einstecken, weil er am Freitag vergangener Woche, dem Tag der Deutschen Einheit, auf einer Kundgebung der selbst ernannten „Reichsbürger“ sprach.

Zwei, drei Dutzend von ihnen hatten sich vor dem Bundestag postiert, schwenkten sonderbare Flaggen wie etwa jene des „Freistaats Preußen“ und verkündeten per Megafon, dass Deutschland kein eigenständiger Staat sei, sondern von den Alliierten noch immer besetzt und der Krieg noch nicht vorüber sei. Kundgebungen dieser Art gibt es immer wieder. Die Reichsbürgerbewegung hält oft und in vielen Städten „Mahnwachen“ und „Montagsdemonstrationen“ ab, auf denen die Geschichtsverdreher ein arg reaktionäres, mitunter antisemitisches und von Verschwörungstheorien durchsetztes Weltbild propagieren. In den Medien finden diese skurrilen Veranstaltungen kaum Beachtung – außer, es taucht da ein so prominenter und von sehr normalen Menschen sehr geschätzter Mann wie Naidoo auf.

Ein Videomitschnitt zeigt Naidoo, wie er sich das Mikro von einem der Szeneredner schnappt. Die Leute freuen sich über den offenbar nicht vorgesehenen Programmpunkt, und Naidoo verkündet: „Ich bin hier, um die Liebe zu repräsentieren.“ Es folgt ein feierliches Bekenntnis zu Gott, bevor der 43-jährige Mannheimer ausführt, dass er in seiner kurpfälzischen Heimat „sein ganzes Leben lang die amerikanische Besatzung“ im nahe gelegenen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein „vor Augen hatte“. Naidoo raunt vage apokalyptische Andeutungen, spricht von der „falschen Richtung“, auf der man unterwegs sei – und macht Mut in der Pose des Erlösers: „Gandhi hat uns gezeigt, dass ein Einziger die Macht hat, alles umzustürzen.“ Was jetzt genau? Ist offenbar egal. Musik! Naidoo singt: „Was wir allein nicht schaffen, schaffen wir zusammen.“ Und die „Reichsbürger“ klatschen.

Naidoo ist Mitbegründer der Hip-Hop-Gruppe Söhne Mannheims und auch der Mannheimer Popakademie – überhaupt ist er berühmtester Sohn und kräftiger Förderer Mannheims, weswegen denn auch die Stadt jetzt ein Problem hat. Sie sorgt sich um ihren Ruf: „Ich bedauere diese Entwicklung sehr“, sagt Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) über Naidoos Auftritt am Einheitstag. „Er stellt sich mit seinen politischen Äußerungen ins Abseits und in die Nähe von Personen, wo er meines Erachtens nicht hingehört.“

Der Medienprofi Naidoo verweist zu seiner Verteidigung auf Jesus: „Er ist auf alle Menschen zugegangen. Ich möchte ebenfalls auf Menschen zugehen, egal wo sie sind, egal wo sie herkommen. Die Menschen haben mich, als ich im Publikum stand, angesprochen, ob ich etwas sagen möchte, und das habe ich getan.“Es ist eher unwahrscheinlich, dass Naidoo zufällig unter die Rechten geraten ist. Denn zwischen seinen gottes- und gefühlsgefälligen Liedzeilen schimmert immer wieder ein christlich-fundamentalistisches, antidemokratisches und nationalistisches Weltbild durch.

Schon 2011 dozierte er im ARD-“Morgenmagazin“: „Wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.“ Ein Jahr später brachte Naidoo den Song „Wo sind“ heraus, darin die Zeilen: „Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“ Fragen, die sich auch die „Reichsbürger“ stellen.

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