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Künstler gesteht Norwegerin erstochen zu haben

Kofferleiche an der Spree Künstler gesteht Norwegerin erstochen zu haben

Vor gut einem Jahr fand man in Berlin eine tote Frau in einem Koffer. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht – und legt zum Prozessauftakt ein Geständnis ab. Die Chronik einer verhängnisvollen Begegnung. 

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Die Touristin aus Norwegen und der Künstler aus Chile lernen sich vor seiner Galerie kennen. Am Ende ist die Frau tot, der Mann steckt ihre Leiche in einen Koffer und wirft ihn in die Spree. Nun hat er seine Tat gestanden

Quelle: dpa

Berlin. Der Chilene wollte in Berlin seinen Traum von einer eigenen Galerie mit Kunst, Theater und Musik verwirklichen. Nun steht der 39-Jährige im dunklen Anzug vor dem Landgericht der Hauptstadt. Knapp 15 Monate nach dem Tod einer 36 Jahre alten Norwegerin schildert er am Donnerstag einen heftigen Streit und gesteht: "Ich begann zu zittern, ich habe sie geschlagen und mit einem Messer auf sie eingestochen." Die Leiche habe er in die Spree geworfen.

Norwegerin sei eine "sehr besondere Person"

Ein Spaziergänger machte am 13. Juni 2015 im Treptower Park den grausigen Fund: In einem Koffer am Spreeufer lag zusammengekrümmt die Leiche einer Frau. Sieben Messerstiche stellten die Obduzenten fest. Einer davon traf tödlich ins Herz. Fotos von Gegenständen aus dem Koffer – darunter ein Ring und ein Feuerzeug – wurden veröffentlicht. Ein Bekannter des Angeklagten meldete sich schließlich. Der ebenfalls 39-Jährige war Zeuge des Verbrechens. Nach internationaler Fahndung wurde der Mann zweieinhalb Monate nach der Tat in Mexiko gefasst.

In der Untersuchungshaft hat er eine Erklärung verfasst. Er verliest sie mit heiserer, aber fester Stimme. "Ich schäme mich enorm für den Schaden, den ich angerichtet habe", beginnt der Angeklagte. "Ich wünschte, es wäre nur ein Alptraum." Die Touristin aus Norwegen, die er vor seiner Galerie im Stadtteil Wedding kennen gelernt habe, sei eine "sehr besondere Person" gewesen. Mit einer "sehr eigenen Vision über das Leben" und einem Humor, der ihm gefallen habe.

Die Frau galt als Weltenbummlerin. Sie habe Philosophie studiert und sei viel gereist, sagte der Angeklagte. Sie habe Straßenmusik und die Natur geliebt, auch Bier und Schokolade, soll sie in sozialen Netzwerken mitgeteilt haben. Ihre Mutter ist nun im Prozess wegen Totschlags Nebenklägerin, reiste aber nicht persönlich an.

Kurze Beziehung endet im Streit

Mit der Norwegerin sei es zu Sex gekommen, sagt der Angeklagte. Eine kurze Beziehung. Als Bekannte habe die 36-Jährige dann gegen Miete bei ihm gewohnt. Doch sie habe viel Speed und Alkohol konsumiert, immer wieder grundlos laut gelacht oder geschrien. "Ich konnte so nicht weiter mit ihr zusammenleben." Er habe ihr ein Ultimatum von einem Monat für den Auszug gestellt. Da sei der Streit eskaliert.

Die Frau habe mit einer Anzeige bei Behörden gedroht, schildert der studierte Theaterwissenschaftler, der vor Gericht Schauspieler als Beruf angab. Für ihn, der keine Arbeitserlaubnis hatte und damit illegal tätig war, sei das eine Existenzbedrohung gewesen – "ich fühlte eine allumfassende Wut, das Gefühl bekam Kontrolle über mich".

Leiche in S-Bahn transportiert

Ein Freund des Angeklagten wird Zeuge der Attacke. Der ebenfalls 39-Jährige ist nun mitangeklagt. Er soll geholfen haben, die Leiche verschwinden zu lassen. Das wäre Strafvereitelung. Der gelernte Bäcker sagt, der Galerie-Betreiber habe kurz vor der Tat erklärt, er könne das "Rumgenerve" der Frau nicht mehr ertragen. Die Tote sei später in einen Koffer und dieser dann in einen Rollenkoffer gesteckt worden. Mit der S-Bahn seien sie neun Stationen nach Treptow gefahren. Sein Freund habe von Suizid gesprochen.

Der Chilene war untergetaucht, als drei Wochen später Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. Er sei in Mexiko gewesen, "habe einen Drogenentzug gemacht", sagt der Vater einer 17-jährigen Tochter. Als er aus Berlin floh, habe er nicht die Kraft gehabt, Verantwortung für die Tat zu übernehmen.

dpa/RND

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