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Land und Klinik wollen nach Ausbruch bei der Sicherheit nachbessern

Sexualstraftäter entkommen Land und Klinik wollen nach Ausbruch bei der Sicherheit nachbessern

Vierzig Stunden währte die Flucht des Sexualstraftäters Thomas H. Bis es der Polizei am späten Sonntagabend gelang, den als hoch gefährlich geltenden Mann in Oldenburg festzunehmen. Eine Frau, die das Fahndungsfoto von Thomas H. zuvor in den Medien gesehen hatte, erkannte den aus der forensischen Abteilung der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn entflohenen Mann wieder – beim Einkaufen an einer Tankstelle.

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Der Sexualstraftäter Thomas H. konnte flüchten. Chefarzt Joachim Dedden (Bild) will nun nachrüsten.

Quelle: dpa

Oldenburg. Geistesgegenwärtig rief sie sofort die Polizei. Nur 15 Minuten später konnten die Beamten den Mann festnehmen. „Er war sehr erschöpft und leistete keinen Widerstand“, sagte Rolf Cramer, Sprecher der Polizeiinspektion Oldenburg. Allein im Kreis Ammerland waren 50 Polizisten im Einsatz. Aus der Bevölkerung hatten die Beamten rund 70 Hinweise erhalten.

Der zuletzt im Januar 2010 wegen einer Vergewaltigung verurteilte Mann werde derzeit in der Justizvollzugsanstalt Lingen befragt und medizinisch behandelt, sagte Cramer. In den nächsten Tagen werde er in den Maßregelvollzug des Landeskrankenhauses Moringen (Landkreis Göttingen) verlegt.

Der als gewalttätig geltende 40-Jährige, der wegen einer psychischen Erkrankung von Gutachtern und Gericht als schuldunfähig angesehen wurde, war am frühen Sonnabendmorgen durch ein vergittertes Zellenfenster im zweiten Stock des Maßregelvollzugs der Karl-Jaspers-Klinik geflohen. H. hatte ein etwa drei Zentimeter dickes Band zwischen die Querverstrebungen seines Zellenfensters gespannt und es mit einem Besenstiel eingedreht. So verbog er die Gitterstäbe und zwängte sich dann durch den rund 20 Zentimeter breiten Spalt. Beim Sturz aus etwa fünf Metern Höhe brach er sich den Fuß.

Nach dem Ausbruch denken nun das zuständige Sozialministerium und das Landeskrankenhaus über Konsequenzen nach. Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin sollen die Gitter der etwa 150 Zellenfenster durch diagonal verlaufende Verstrebungen verstärkt werden. „Die Handwerker sind schon da“, sagte der Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie, Joachim Dedden.

Die niedersächsische SPD sieht dagegen gravierende Sicherheitsmängel in der Klinik. „Wenn man nur mit Gürtel und Besenstil die Gitter verbiegen kann, dann kann nur von ,Unsicherheitsmaßnahmen‘ die Rede sein“, sagte der sozialpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Schwarz. Er macht die Privatisierung der Landeskrankenhäuser für die Sicherheitsmängel verantwortlich: „Die Landesregierung bekommt unter den neuen Bedingungen die Sicherheitslage nicht in den Griff.“

Die Sprecherin von Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) verwies dagegen auf Erhebungen, wonach die Zahl der „Entweichungen“ stark abgenommen habe. Das Land hatte 2007 seine Landeskrankenhäuser an private Betreiber verkauft. Lediglich der Maßregelvollzug ist noch in Landeshand.

Stefanie Nickel

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