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Eltern töten ihr eigenes Kind – wegen der Ehre

Tochter hatte Sex vor der Ehe Eltern töten ihr eigenes Kind – wegen der Ehre

Eine junge Muslimin hat Sex vor der Ehe. Die Eltern bringen die Frau daraufhin um – weil sie befürchten, sonst aus ihrer Religionsgemeinde verstoßen zu werden. Am Dienstag sind die Eheleute deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

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Weinend steht die 41-jährige Mutter des Mordopfers im Landgericht in Darmstadt: Sie und ihr Mann wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Quelle: Boris Roessler/dpa

Darmstadt. Das Landgericht Darmstadt hat ein strengreligiöses muslimisches Ehepaar für den Mord an ihrer Tochter verurteilt. Der 52 Jahre alte Vater und die 41 Jahre alte Mutter waren angeklagt, die 19-Jährige im Januar in Darmstadt gemeinschaftlich getötet zu haben. Die junge Frau soll sexuelle Kontakte zu ihrem Freund gehabt haben, ohne mit ihm verlobt gewesen zu sein. Das Verhalten der Tochter soll dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen haben. Deshalb hätten sie die junge Frau umgebracht, sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner im Landgericht Darmstadt.

Richter hat keine Zweifel

Der Vater und die Mutter stammen aus Pakistan und leben seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. Bis heute würden sie an ihren mitgebrachten Werten festhalten, sagte Wagner. "Als klar war, dass die Tochter mit ihrem Freund intim verkehrte, entschlossen sich die Eltern gemeinsam, sie zu töten." Daran gebe es keine Zweifel, betonte der Richter. "Der voreheliche Sex durfte nach ihren Vorstellungen nicht bekanntwerden. Die Tat wurde bis ins letzte Detail geplant und ausgeführt." Die Eheleute hätten verhindern wollen, dass die Beziehung der Tochter in ihrer Gemeinde ans Licht kommt und ihnen dann womöglich der Rausschmiss droht. "Die Ehre der Familie sollte gewahrt werden", sagte Wagner.

Die Mutter weinte

Der Vater hatte gestanden, die Tochter im Januar zu Hause in Darmstadt in der Nacht erwürgt zu haben. Er habe der 19-Jährigen auch dann noch den Hals zugedrückt, als sie schon tot war. Die Mutter hatte angegeben, sie sei von der Tat überrascht und zum Wegschaffen der Leiche gezwungen worden. Das Gericht sieht das anders. "Die Mutter liebte ihr Leben in ihrer Gemeinde, das war ihre Parallelgesellschaft", meint Wagner. "Das wollte sie nicht gefährden. Sie hatte ebenso Interesse an der Tat wie ihr Mann." Der Vater nahm das Urteil mit gesenktem Kopf auf, die Mutter weinte.

Revision angekündigt

Die Anklage akzeptiert das Urteil. Die Verteidiger kündigen Revision an. Der Anwalt des Vaters hatte in seinem Plädoyer in der vergangenen Woche von Totschlag gesprochen und darum gebeten, die Herkunft des Mannes im Urteil mit zu berücksichtigen. Der 52-Jährige sei kein "normal sozialisierter Mensch" und immer noch in seiner Welt. Der Anwalt der Mutter hatte die Tat seiner Mandantin als Beihilfe zum Totschlag bezeichnet. Sie sei in ihrer Religion und der Gruppe wie "einbetoniert". Die Frau habe "mit einer normalen Welt nichts zu tun" gehabt. Beide Angeklagte seien "Musterbeispiele nicht gelungener Integration".

Nicht in der Religion, sondern in der Tradition liegen die Wurzeln solcher Taten – davon zeigte sich die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), Susanne Schröter, überzeugt. "Die Eltern, die in Darmstadt vor Gericht stehen, haben sich nicht in einem islamischen Denkrahmen bewegt, sondern in dem Rahmen ihrer Lokalkultur", sagte sie am Dienstag, kurz bevor das Urteil gesprochen wird. Im Islam sei zwar außerehelicher Sex verboten, das habe aber nichts mit Ehre zu tun und legitimiere auch keine Tötung. "Es gibt weder im Koran noch in den islamischen Überlieferungen irgendetwas, was einen 'Ehrenmord' rechtfertigt."

Von Joachim Baier

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