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Lehrer Duden regelt die Rechtschreibung

Rückblick Lehrer Duden regelt die Rechtschreibung

Konrad Duden war ein Visionär: In einer Zeit großer Unsicherheit bei der Anwendung der deutschen Rechtschreibung hat der promovierte Schulleiter ein Regelwerk entworfen, das die Schreibweise der deutschen Sprache bis heute prägt. Nicht nur auf Papier.

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Eine Erfolgsgeschichte: Vom „Urduden“ 1880 bis zum Online-Duden 2011.

Mannheim . Konrad Duden, der am 1. August vor 100 Jahren starb, war sich seiner Sache sicher: Der Vollblutlehrer wollte eine einheitliche deutsche Rechtschreibung. Als der Philologe im Jahr 1876 mit 47 Jahren Direktor am Gymnasium im hessischen Hersfeld wurde, ist er als Intellektueller bereits bekannt: Mit einer Veröffentlichung einiger Rechtschreibregeln und einem ersten Wörterverzeichnis hatte er 1872 im thüringischen Schleiz - rund vier Jahre zuvor - bereits erstmals von sich reden gemacht.

Zeitgleich - als Duden sich in die Diskussion um Schreibstandards einmischte - tagten auch die Regierungen der Deutschen Staaten über das Problem der uneinheitlichen Schreibweisen. Ein Erlanger Germanist sollte einen einheitlichen Entwurf für alle Bereiche erarbeiten. Auf der „I. Orthographischen Konferenz“ trat Duden für ihn auf und verteidigte das Konzept. Die 14 Wissenschaftler der Konferenz einigten sich auf wesentliche Vereinheitlichungen. Allerdings verwarf Reichskanzler Otto von Bismarck die Beschlüsse anschließend wieder.

Während in der darauffolgenden Zeit einzelne Länder wie Preußen oder Baden die Rechtschreibung individuell regelten, arbeitete Konrad Duden unter Hochdruck an seinem ersten Orthografie-Wegweiser. Nach vier Jahren präsentierte der damals 51-Jährige im Jahr 1880 das Ergebnis: den gesammelten deutschen Wortschatz mit rund 28 000 Stichwörtern. Er gab ihm den Titel „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ und fand damit Anerkennung im nahezu gesamten deutschsprachigen Raum. Die von da an noch verbleibenden drei Jahrzehnte seines Lebens widmete er sich immer neuen Auflagen.

Nach und nach übernahmen immer mehr Staaten Dudens Vorgaben. Auf der „II. Orthografischen Konferenz“ im Jahr 1901 konnte eine einheitlich geltende Orthografie festgelegt werden. Die 7. Auflage des Duden galt im gesamten deutschen Sprachgebiet. Die Redaktion des Bibliographischen Instituts in Leipzig, wo der Duden von Anfang an verlegt wurde, unterstützte den Philologen ab dieser Zeit.

Nachdem Duden noch 1903 den „Buchdruckerduden“ herausgegeben hatte, wurde er 1905 pensioniert. Er zog nach Sonnenberg bei Wiesbaden und starb am 1. August 1911. Wenige Tage zuvor legte er seine 9. und letzte Auflage vor, die 1915 veröffentlicht wurde. Es folgte im Jahr 1929 die 10. Auflage als „Der große Duden“.

Im dritten Reich färbte die nationalsozialistische Ideologie auf das Wörterlexikon ab. Stichwörter wie „erbgesund“ oder „Jud“ fanden Eingang in das Werk. Nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte die Duden-Redaktion des Bibliographischen Instituts in Leipzig die 13. Auflage - den ersten Nachkriegsduden.

Zwei Redaktionen

Mit der Teilung Deutschlands 1949 gab es für den Duden erstmals zwei Redaktionen: In Leipzig wurde der „Ostduden“ verlegt, in Mannheim der „Westduden“. Bis zum Ende der 80er Jahre ignorierten sich beide Bibliographischen Institute.

In Westdeutschland galt die vom Duden entwickelte Orthografie per Beschluss der Kultusminister von 1955 an als verbindlich. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erschien 1991 der „Einheitsduden“ als 20. Auflage, den beide Redaktionen gemeinsam erarbeiteten und der mittlerweile 115.000 Stichwörter umfasst.

Mit der großen Rechtschreibreform 1996 kam der „Reformduden“ auf den Markt. Diese 21. Auflage entstand auf der Basis der neuen amtlichen Rechtschreibregeln, mit denen auch die Verbindlichkeit des Dudens wieder aufgehoben wurde. Nach vier weiteren Ausgaben erschien die 25. und derzeit aktuelle Ausgabe im Jahr 2009.

Auf über 1200 Seiten sind 135.000 Stichwörter nachzuschlagen. In den Duden werden die Wörter aufgenommen, die sich in der deutschen Sprache etabliert haben und die nicht nur Mode waren - allein 5000 neue Wörter schafften es in die aktuelle Auflage. Den Duden gibt es auch als CD-Rom, als App und seit Anfang Mai kostenlos unter „ duden.de“.
bis zum Online-Duden 2011.

kas/dpa

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