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"Meine Mutter ist sehr deutsch"

Interview mit Leonardo DiCaprio "Meine Mutter ist sehr deutsch"

Im Kino streift er derzeit allein durch die Wildnis, und auch privat ist Leonardo DiCaprio wieder solo unterwegs. Im Interview mit Dierk Sindermann spricht der Schauspieler über seine unerfüllten Wünsche, seinen Vater und seine Mutter.

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"Ich wünschte, wir würden besser mit unserem Planeten umgehen": Leonardo DiCaprio im Interview.

Quelle: EPA/SEBASTIEN NOGIER

Für Ihre neue Rolle als Trapper und Abenteurer im Film "The Revenant" springen Sie in eiskalte Flüsse, machen einen ausgeweideten Tierkadaver zum Schlafsack und essen rohe Büffelleber. War das alles echt?
Das Wasser war eiskalt und die Büfelleber eklig. Aber am Ende des Tages konnte ich immer wieder in mein warmes Hotelzimmer zurück und habe ein vernünftiges Abendessen serviert bekommen. Unglaublich, wie Männer damals den unbeugsamen Willen hatten, solch unmenschliche Umstände zu meistern.

Sie haben in der kanadischen Wildnis gedreht.
Wir haben oft den ganzen Tag für eine Szene geprobt und hatten dann vielleicht 90 Minuten, wenn das Licht genau richtig war. Dann musste alles schnell gehen. Wir haben viel improvisieren müssen. Es hat sich fast wie eine Reality-Show angefühlt.

In "The Revenant" ist Leonardo DiCaprio an eine körperlichen Grenzen gegangen. Welche Schauspieler sich für ihre Rollen noch zwischen den Extremen bewegen, sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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Sie sind schon 30 Jahre erfolgreich im Geschäft und gelten als einer der besten Schauspieler Ihrer Generation. Gibt es etwas, was Sie noch unbedingt erreichen wollen?
Es gibt so viele Dinge in der Welt, die ich will (lacht). Aber ich kann mich wirklich nicht beschweren. Ich hatte in meinem Leben das unglaubliche Glück, tun zu können, was ich mir erträumte. Meine unerfüllten Wünsche sind eher Dinge, die die Welt braucht.

Zum Beispiel?
Ich wünschte, wir würden besser mit unserem Planeten umgehen. Ich hoffe, dass bald alle endlich am selben Strang ziehen, wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels geht. Wir haben gerade das heißeste Jahr, das je gemessen wurde, erlebt. Die extremen Wetterphänomene überall auf der Welt sind wirklich beängstigend.

Warum stellen sich so viele Länder noch quer, zum Beispiel den CO2-Ausstoß zu verringern?
Weil die verantwortlichen Politiker noch immer nicht genug den Druck der Massen spüren. So viele für uns wichtige Dinge werden hinter verschlossenen Türen ausgeklüngelt.

Woher kommt Ihr grünes Bewusstsein?
Von meinem Vater George. Er war schon in meiner Kindheit ein unglaublich wichtiger Einfluss und wir kooperieren in vielen Umweltschutzprojekten miteinander. Auch für meine Karriere hat er mir unglaublich wichtige Tipps gegeben. Mein Dad ist einer der schlausten und belesensten Menschen.

Was ist die schönste Vater-Sohn-Kindheitserinnerung, die Sie haben?
Wir hatten eine Tradition, ein Ritual. Am Ende der Sommerferien sind wir zusammen zu einem großen Brunnen in Downtown Los Angeles gefahren. Dort haben wir beide eine Münze ins Wasser geworfen und uns etwas für das kommende Jahr gewünscht. Das haben wir zehn Jahre gemacht.

Sie haben in Hollywood die Rolle von George Clooney als ewiger Junggeselle übernommen. Gibt es wirklich niemanden, mit dem Sie Ihr Leben teilen wollen?
Ich habe eine wundervolle Familie und Freunde, mit denen ich mein Leben sehr genieße. Ansonsten vermeide ich es, über mein Privatleben zu reden. Verstehen Sie bitte, dass ich mich nicht weiter dazu äußern mag. Nur so viel: Ich bin gerade sehr glücklich.

Was macht Sie glücklich?
Ich lebe nach einem Motto, das mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hat. Egal was privat oder beruflich läuft, versuch ein interessantes Leben zu führen. Und sei dankbar, dass du dir morgens allein deine Hosen anziehen kannst.

Genug vom Vater, wie ist das Verhältnis zu Ihrer Mutter Irmelin?
Sie ist die Beste. Allerdings ist mir aufgefallen, dass sie mit zunehmendem Alter immer ehrlicher und direkter wird. Sehr deutsch halt. Sie erinnert mich mehr und mehr an meine Oma Helene – auch wenn Mama das nicht hören will.

Ihre Mutter war vorher nicht so?
Nicht so extrem. Seitdem Sie in Rente ist, scheint sie sich damit das Recht erworben zu haben, rücksichtslos ehrlich zu sein. Sie erzählt allen Leuten ganz genau, was zum Teufel sie denkt. Oft gerate ich dann in Situationen, wo ich erklären muss, was Mama wirklich meint. Es kann sehr unterhaltsam mit ihr sein.

Sind Sie von Natur aus auch rücksichtslos ehrlich?
Ich kann durchaus Diplomat sein – wenn ich es sein muss. Ich hoffe aber insgeheim, dass ich später einmal sein werde wie sie. Genetisch betrachtet würde das Sinn machen. Oma hat nie ein Blatt vor dem Mund genommen, Mama tut’s jetzt auch nicht mehr und ich habe ihre DNA.

Sie sind ein Familienmensch. Wünschen Sie sich nicht manchmal, Ihre eigene zu haben?
Netter Versuch (lacht). Klar, wenn der richtige Zeitpunkt kommt. Aber so etwas kann man nicht im Voraus planen.

Interview: Dierk Sindermann

Zur Person

Leonardo DiCaprio wurde 1974 in Los Angeles geboren. Von seiner Freundin, dem Model Kelly Rohrbach, soll DiCaprio sich jüngst getrennt haben. Wie immer, wenn sich in Hollywood jemand trennt, wissen Insider mehr. Diesmal hieß es in der Zeitschrift „People“, die beiden hätten zu viel zu tun gehabt. Seinen Durchbruch als Schauspieler hatte DiCaprio 1993 als Arnie Grape in dem Film ­„Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“. Für die Rolle erhielt er 1994 seine erste Oscar-Nominierung. Für seine Darstellung in „Romeo + Julia“ 1996 erhielt er auf der Berlinale 1997 den Silbernen Bären. Glaubt man wiederum Insidern, könnte DiCaprio kommende Woche für seine Rolle in „The Revenent“ einen Golden Globe erhalten. nl

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