Strenge Sparsamkeit beim Einsatz von Streusalz, so lautet in diesen Tagen das oberste Gebot der 73 Autobahn- und Straßenmeistereien in Niedersachsen. Auch am Donnerstag haben Straßenmeistereien landesweit wieder ihre tägliche Notration von 1700 Tonnen Streusalz erhalten – „aber die waren schnell aufgebraucht“, sagte Jens-Thilo Schulze von der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Das Land habe derzeit eine Reserve von 8000 Tonnen, die jedoch schnell schrumpfen könnte, wenn der für heute vorhergesagte Eisregen in weiten Teilen des Landes einsetzt. „Für eine Sperrung von Autobahnen wegen Streusalzmangels gibt es derzeit keinen Anlass“, sagt Schulze. Schnellstraßensperrungen blieben das letzte Mittel.
Zeitweise Sperrungen einzelner Autobahnabschnitte stehen dennoch bevor: Das Winterwetter hat zahlreiche Frostschäden auf den Straßen verursacht, die in den nächsten Tagen behoben werden müssen. Die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) kündigte am Donnerstag die Sperrung der A 7 in Richtung Hannover zwischen Nörten-Hardenberg und Northeim West für den 4. Januar ab 6 Uhr an. Die Sperrung soll bis zum 5. Januar um 14 Uhr andauern. Vom 5. Januar ab 20 Uhr bis zum 6. Januar um 6 Uhr wird die A 7 in Richtung Hannover zwischen Göttingen-Nord und Northeim West voll gesperrt. „Die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien sind derzeit rund um die Uhr draußen“, sagt Holger Heuer von der VMZ. „Wenn sie nicht gerade die Straßen von Schnee und Eis befreien, flicken sie Löcher.“
Zeiten, in denen das Streusalz für Straßen und Gehwege knapp wird, sind gute Zeiten für Salzlieferanten, so auch für die Firma esco, dem größten Salzlieferanten in Niedersachsen mit Sitz in Hannover. „Schon der vergangene Winter war für uns ein Rekordwinter, da haben wir dreimal mehr Salz geliefert als in Jahren mit normalen winterlichen Temperaturen“, sagt Unternehmenssprecher Holger Bekemeier. „Aber dieses Jahr verkaufen wir sechsmal mehr Tonnen Salz als durchschnittlich üblich.“ Wie viele Tonnen das genau sind, das möchte Bekemeier nicht sagen, die Konkurrenz soll nicht alles wissen. Nur so viel: „Europaweit liefern wir täglich mehrere Zehntausend Tonnen Salz.“ Dafür werde in den drei deutschen Steinsalzbergwerken des Tochterunternehmens von K+S rund um die Uhr produziert. Außerdem werde Salz von Partnerfirmen in Chile und den USA angeliefert, „das ist schon sehr außergewöhnlich“, sagt Bekemeier.
Der Mangel an Streusalz wird auch den niedersächsischen Landtag demnächst beschäftigen: Die SPD-Landtagsfraktion hat eine Unterrichtung zum Thema Winterdienst und Verkehrsicherheit für die nächste Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 14. Januar beantragt. „Es ist ungeheuerlich, dass die Landesregierung Auto- und Lkw-Fahrer verunsichert“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gerd Will. Seine Partei verlange von der Regierung unter anderem Auskunft darüber, in wie weit das nach den Erfahrungen des vergangenen Winters erarbeitete „Salzkonzept“ der zentralen Beschaffung und Lagerung realisiert worden ist.
HAZ.de Anmeldung