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USA gehen Medikamente für Hinrichtungen aus

Lieferstopp von Pfizer USA gehen Medikamente für Hinrichtungen aus

Hinrichtungen mit der Giftspritze sind in den USA kaum noch möglich: Als letztes von mehr als 20 europäischen und amerikanischen Unternehmen hat nun Pfizer seine Lieferung von Medikamenten eingestellt, die in einzelnen Bundesstaaten für Giftspritzen notwendig sind.

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In den USA soll kein Verurteilter mehr durch eine Giftspritze sterben: Pfizer hat die Lieferung von Medikamenten dafür eingestellt.

Quelle: dpa/Archiv

New York. Hinrichtungen durch die Giftspritze dürften in den USA künftig kaum mehr möglich sein: Der Pharmakonzern Pfizer hat weitreichende Kontrollen beschlossen, um den Einsatz seiner Mittel bei Hinrichtungen in Zukunft auszuschließen. Auf offiziellem Weg können die Gefängnisbehörden damit nach Ansicht von Experten keine Medikamente mehr für ihre Giftspritzen erwerben. Pfizer sei das letzte von mehr als 20 europäischen und US-amerikanischen Unternehmen, das tödliche Injektionen mit seinen Pharmaprodukten verhindere, schrieb die "New York Times" am Freitag (Ortszeit).

Damit stehe den USA offiziell keines der von der Gesundheitsbehörde FDS zugelassenen Mittel mehr zur Verfügung. "Staaten, die Hinrichtungen durchführen, müssen nun auf den Schwarzmarkt gehen, wenn sie Medikamente für tödliche Injektionen erwerben wollen", sagte Maya Foa von der Menschenrechtsorganisation "Reprieve" dem Blatt.

Pfizer lehne den Einsatz seiner Produkte für tödliche Injektionen ab, teilte das Unternehmen mit. Für eine ausgewählte Gruppe von Produkten seien daher die Regeln für den Weiterverkauf verschärft worden. Dies solle verhindern, dass sie widerrechtlich für Hinrichtungen eingesetzt werden. Menschrechtsaktivisten lobten die Entscheidung: "Pfizer hat klar gemacht, dass sie nicht wollen, dass ihre Medikamente zur Tötung Gefangener eingesetzt werden", sagte Robert Dunham vom "Death Penalty Information Center" der Zeitung "USA Today".

Keine Lieferungen aus Europa mehr seit 2011

Menschrechtsaktivisten lobten die Entscheidung: "Pfizer hat klar gemacht, dass sie nicht wollen, dass ihre Medikamente zur Tötung Gefangener eingesetzt werden", sagte Robert Dunham vom "Death Penalty Information Center" der Zeitung "USA Today". Die EU beschränkt seit 2011 die Ausfuhr von Substanzen für diese Giftcocktails. Dies betrifft vor allem das Betäubungsmittel Natrium-Thiopental. Als Ersatz verwenden die Behörden mancher Bundesstaaten Pentobarbital. Die von Pfizer im vergangenen Jahr erworbene US-Pharmafirma Hospira stellt mehrere dieser Substanzen her. Pfizer will konkret den Einsatz von sieben Mitteln verhindern.

Versuche, auf andere Substanzen umzusteigen, hatten zu mehreren verpfuschten Hinrichtungen geführt. Anwälte von Todeskandidaten gingen vor Gericht gegen Bemühungen der Gefängnisbehörden vor, mit verdeckten Mitteln Präparate zu erwerben. Einige Bundesstaaten haben bereits dubiose Wege gefunden, an Medikamente heranzukommen. So versuchten einige Staaten, die Mittel durch Strohmänner oder in staatlich kaum regulierten, speziellen Apotheken zu erwerben. Andere wollten nicht von der FDA genehmigte Substanzen importieren.

In den 32 US-Staaten mit Todesstrafe wird hauptsächlich eine Giftspritze eingesetzt. Traditionell wurde ein Cocktail aus drei Mitteln verwendet - ein Betäubungsmittel und zwei weitere, die den Herztod herbeiführen sollen.

Durch den Mangel an Substanzen für die Giftcocktails haben einige Bundesstaaten Exekutionen aufgeschoben oder setzen nun andere Hinrichtungsmethoden ein. In einigen Bundesstaaten sind nun der elektrische Stuhl oder Erschießungskommandos erlaubt, wenn die Medikamente für die Giftspritze nicht erhältlich sind. Die Probleme mit der Medikamentenbeschaffung sind ein Grund, warum die Zahl der Hinrichtungen in den USA in den vergangenen Jahren abgenommen hat.

dpa

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