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Lifting fürs Luxushotel

Ritz in Paris Lifting fürs Luxushotel

Wo Hemingway zu Hause war: Nach vierjähriger Renovierung hat das legendäre Hotel Ritz in Paris wieder geöffnet. Ein erster Rundgang.

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Wer im Ritz eincheckt, der kann unter anderem die „Kaiser Suite“ wählen.

Quelle: Vincent Leroux

Paris. Dieser Raum würde Marcel 
Proust, wäre er noch am Leben, wohl gefallen. Und das nicht nur, weil er nach ihm benannt ist. Im „Salon Proust“ lässt sich der Besucher in einen der mit tiefrotem Samt bezogenen Sessel vor der Bibliothek sinken, während ihm französische Gebäckspezialitäten, von Madeleines bis Katzenzungen, serviert werden. Abgeschirmt, aber zur Seite offen, ermöglicht der Salon einen ständigen Blick auf das Hoteltreiben, dieses Kommen und Gehen, das den französischen Schriftsteller für seine Romane so inspiriert hat.

Doch wie schon zu Prousts Zeiten steigt im Pariser Ritz nicht jedermann ab, sondern die internationale Crème de la Crème. Es kommen die Schönen, Mächtigen und vor allem die Reichen – wie sollte es anders sein bei Zimmerpreisen, die bei 1000 Euro anfangen und 28.000 Euro erreichen können? So viel kostet eine Nacht in der weitläufigen, üppig eingerichteten „Kaiser-Suite“. Sonne flutet durch die Fenster in die hohen Räume, die auf den Platz Vendôme mit der stolzen Siegessäule weisen.

Dianas letzter Abend

Als Vorreiter galt der Schweizer César Ritz mit seiner Hoteleröffnung 1898, bot es doch in jedem Zimmer Telefon, Strom und ein Bad mit Wanne an. Kritikern wie Oscar Wilde ging diese Modernität gar zu weit: „Wer will schon mit einer unbewegbaren Kloschüssel in einem Zimmer leben?“, fragte er verächtlich. Trotzdem wurde das Ritz schnell zum Grandhotel par excellence: Dauergast Coco Chanel nannte es „mein Haus“, Charlie Chaplin reiste mit Kind und Kegel an, Lady Diana verbrachte hier ihren letzten Abend, bevor sie am 31. August 1997 bei einem Autounfall an der Alma-Brücke starb. Und mit ihr Dodi Al-Fayed, der Sohn des ägyptischen Geschäftsmannes Mohamed Al-Fayed, dem das Ritz seit 1979 gehört.

Da dort seitdem keine größeren Arbeiten unternommen wurden, beschloss Al-Fayed 2012 eine Rundumrenovierung, die fast vier Jahre andauerte. Anfang Juni öffnete das Ritz wieder ohne großen Pomp und mit einem neuen Antlitz, das doch dem alten gleicht. Beauftragt, den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu schaffen, beließ der New Yorker Architekt Thierry W. ­Despont die prunkvollen Kronleuchter, die Goldverkleidungen und das klassisch-antike Mobiliar, das César Ritz seinerzeit Schlössern und vornehmen Stadtpalais abgekauft hatte. Auch blieben historische Details wie die vergoldeten Wasserhähne in Schwanenform, sowie die Bademäntel für die Frauen in Pfirsichfarben, die „dem Teint schmeicheln“, wie Hotelgründer Ritz wusste. Und doch ist etwas anders.

Der Eingang zu einer der nobelsten Adressen der Welt.

Quelle: Caroline Blumberg

„Viele Stammgäste bedanken sich dafür, dass sie den gewohnten Geist wiederfinden“, sagt Anaïs Maës, die für Kommunikation zuständig ist. „Zugleich ist alles heller, luftiger und offener, sodass sie uns fragen: Wo habt ihr nur den ganzen Platz gefunden?“ Die Zahl der Zimmer und Suiten sank von 159 auf 142, die teilweise die Namen berühmter Gäste tragen – von Maria Callas bis F. Scott Fitzgerald. Zugleich wuchs jene der Mitarbeiter auf mehr als 600. In Zeiten, wo die Pariser Hotellerie nach den Terroranschlägen vom November Umsatzrückgänge von bis zu 
40 Prozent verzeichnet, investierte Al-Fayed 400 Millionen Euro für die Arbeiten.

Der Traum von einem luxuriösen Leben

So entstand neben dem „Salon Proust“ ein romantischer Garten mit weißen Rosen, wo die Gäste in Nischen einen Kaffee zu sich nehmen können – auch solche, die nicht im Hotel residieren. Ein weiterer Zugang nicht über den prahlerischen Platz Vendôme, sondern die dahinter gelegene Rue Cambon soll andere Pariser und Stadtbesucher in die neue elegante Galerie locken, die in 95 Vitrinen luxuriöse Modeaccessoires ausstellt, oder in den „Concept Store“ mit hauseigenen Produkten vom „Ritz-Monopoly“ bis zum Gourmetkoffer.

Denn das Ritz Paris ist längst eine Marke – nicht zuletzt dank der berühmten Gäste von „Mademoiselle Chanel“ bis Ernest Hemingway, der jenen berühmten Satz äußerte: „Wenn ich von einem Leben nach dem Tod träume, dann findet es immer im Ritz in Paris statt.“ Er träumte, das ist sicher, von einem äußerst luxuriösen Leben.

Von Birgit Holzer

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