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Flugzeug-Entführer hatte Bombenattrappe

EgyptAir-Maschine Flugzeug-Entführer hatte Bombenattrappe

Nach der Entführung der EgyptAir-Maschine, die am Dienstagnachmittag glimpflich ausgegangen war, sind weitere Details bekannt geworden. Die Bombe, mit der der Geiselnehmer drohte, war eine Attrappe. Der Mann gilt als "seelisch instabil".

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Glimpfliches Ende: Alle Passagiere des entführten Airbus A320 der EgyptAir kamen am Dienstagnachmittag frei. Der Geiselnehmer wurde festgenommen.

Quelle: Katia Christodoulou

Larnaka . "Mit dem Schrecken davongekommen", beschreibt ein Mitarbeiter des zyprischen Verkehrsministeriums den Zustand der Passagiere. Da ist auf der Mittelmeerinsel die Entführung eines Egyptair-Flugzeugs gerade ohne Tote oder Verletzte zu Ende gegangen. In den Stunden zuvor hatte sich auf dem Rollfeld Larnaka allerdings ein Nervenkrieg abgespielt.

Letzte Geiseln kommen am Nachmittag frei

Nach dem Start der Maschine im nordägyptischen Alexandria droht ein Mann an Bord plötzlich mit der Zündung eines Sprengstoffgürtels. Statt nach Kairo zwingt er die Piloten zum Flug nach Larnaka. Später stellt sich heraus, dass es nur eine Attrappe war. Diesen Verdacht hegen die zyprischen Behörden am Dienstag von Anfang an, der Mann wirkt labil. "Wir wollten aber auf Nummer sicher gehen", sagt Außenminister Ioannis Kassoulides, "und behandelten den Fall, als hätte der Entführer eine echte Bombe bei sich gehabt".

Der Entführer lässt zwar kurz nach der Landung in Larnaka fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder frei. Die Crew und vier ausländische Passagiere bleiben aber in der Maschine. Nach Verhandlungen mit dem Mann, den das ägyptische Staatsfernsehen als Seif al-Din M. identifiziert, kommen auch die letzten Geiseln frei. Es sollen Amerikaner, Briten, Holländer und weitere Europäer gewesen sein. Ein Insasse hangelt sich aus dem Cockpitfenster zu Boden. Am Ende verlässt der Entführer selbst die Maschine – und lässt sich widerstandslos festnehmen.

Das Motiv: Scheinbar die Ex-Frau

"Die Entführung hatte keinen terroristischen Hintergrund", stellt Zyperns Präsident Nikos Anastasiades noch vor Ende der Geiselnahme fest. Weder beim Entführer noch im Flugzeug wurde nach Angaben der zyprischen Polizei Sprengstoff gefunden. Das Motiv: Scheinbar eine Frau. Wie das Staatsfernsehen berichtet, hat der Täter nicht nur eine Sprengstoffgürtel-Attrappe dabei, sondern auch einen Brief. An seine Ex-Frau, die in Larnaka leben soll.

Bekannt ist nicht viel über den Täter. Dem ägyptischen Staatsfernsehen zufolge soll er in Kairo leben und einen Lieferdienst für Essen besitzen. Bis 1994 soll der 59-Jährige auf Zypern gelebt haben. Er war mit einer Zyprerin verheiratet, mit der er fünf Kinder gehabt haben soll. Eines davon sei bei einem Autounfall gestorben, berichten zyprische Medien. Dann sei die Scheidung gekommen.

Bilder von Überwachungskameras am Flughafen von Alexandria sollen ihn beim Sicherheitscheck zeigen. Eine Kontrolle, die ihren Zweck offenbar nicht erfüllte.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen

Seitdem Ende Oktober vergangenen Jahres ein russischer Ferienflieger vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich kommend durch einen Bombenanschlag abstürzte und alle 224 Insasen starben, stehen die laxen Sicherheitsmaßnahmen an ägyptischen Flughäfen in der Kritik. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Tat. Dieser Super-Gau – ein abermaliger Terroranschlag – tritt für die ägyptische Regierung am Dienstag nicht ein.

Trotzdem aber bleibt die Frage offen, wie ein wohl verwirrter Mann eine Bombenattrappe an Bord eines Flugzeuges schmuggeln konnte. Nach dem Terroranschlag im Oktober hatten viele Reisende über mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen in Ägypten berichtet. Experten sprachen davon, dass es ein Leichtes sei, unerlaubte Gegenstände an Bord zu schmuggeln. Die Regierung am Nil unternahm deshalb große Anstrengungen und beauftragte ausländische Experten damit, die Sicherheitsstandards an den Airports zu verbessern. Zum Wiederaufbau von Vertrauen in das Urlaubsland Ägypten dürfte die Entführung am Dienstag jedenfalls nicht beigetragen haben.

dpa/afp

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