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Panorama Michelle Hunziker: „Ich bin nicht Cinderella“
Nachrichten Panorama Michelle Hunziker: „Ich bin nicht Cinderella“
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17:49 28.09.2018
Michelle Hunzikers Leben war nicht immer rosarot. Quelle: imago
Hannover

Michelle Hunziker hatte ein Leben vor der Fernsehkarriere. In ihrer jetzt erschienenen Autobiografie „Ein scheinbar perfektes Leben“ erzählt sie unter anderem von ihrer Mitgliedschaft in einer Sekte.

Sie haben ein Buch über eine sehr einschneidende Phase Ihres Lebens geschrieben.

Es beschreibt fünf Jahre meines Lebens in einer Sekte. Der Grund für das Buch ist, dass ich nicht möchte, dass andere die gleichen Fehler machen wie ich damals mit Anfang 20. Ich möchte Leuten erzählen, wie man als Mensch, der nach außen so scheinbar perfekt wirkt, in so eine schlimme Abhängigkeit geraten kann. Ich habe Freunde und Familie verloren, mir psychische Gewalt antun lassen.

Wer hätte das verhindern können?

Im Nachhinein glaube ich, dass es zwei Gründe gab, warum das passiert ist: Ich war sehr sensibel und hatte das Gefühl, dass die Leute um mich herum mich nicht genug lieben. Ich fühlte mich nicht genug wert, geliebt zu werden. Wenn man so jung ist sucht man nach Liebe, nach Gott, nach Antworten. Und manchmal trifft man dann die falsche Person zur falschen Zeit, die einem falsche Antworten gibt.

Haben Sie heute noch manchmal Albträume aus der Zeit?

Ich denke sehr selten zurück, weil ich nun schon lange Zeit hatte, es zu verarbeiten. Aber die ersten drei Jahre waren schlimm, weil ich mir selbst erstmal verzeihen musste, dass ich vier Jahre lang den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen habe. Heute als Mutter weiß ich, wie sehr sie darunter gelitten haben muss. Außerdem hatte ich lange Panikattacken und Angst davor zu sterben, weil die Sekte mir gesagt hatte: Wenn du aussteigst, stirbst du.

Sie widmen das Buch ihrem ehemaligen Manager Franchino Tuzio.

20 Jahre lang hat er mir beigestanden und heute, ein Jahr nach seinem Tod, fehlt er mir immer noch sehr. Er war für mich wie ein Vater. Ich war so traurig, dass mein eigener Vater es nicht geschafft hat, vom Alkohol wegzukommen. Als Kind dachte ich damals: Er liebt den Alkohol mehr als mich. Deswegen hab ich ganz lange nicht mit ihm gesprochen. Erst mit 20 hatte ich wieder mit ihm Kontakt – und dann ist er nach einem Jahr leider sehr jung verstorben. Das war für mich eine sehr schwierige Zeit.

Hat das Ihren Umgang mit Alkohol beeinflusst?

Bis ich 15 Jahre war, habe ich angefangen zu weinen, wenn meine Eltern ein Glas Wein in der Hand hatten. Ich habe Alkohol immer mit etwas Schlimmen verbunden, weil mein Vater öfter betrunken gestürzt ist und ins Krankenhaus musste. Ich hatte immer Angst, dass ihnen etwas passiert. Ich trinke selber fast gar nichts, aber ich habe heute keine Angst mehr vor Alkohol. Ich lebe in Italien, da trinkt man schon mal ein Glas Rotwein. Aber die Kontrolle zu verlieren – davor habe ich viel zu viel Angst. Wenn ich heute ausgehe, dann passe ich immer auf, dass niemand zu viel trinkt – das mögen meine Freunde gar nicht. Ich bin die beschützende Mutti, die allen die Party vermiest (lacht).

Ihre Tochter große Tochter hatte mit 17 eine Alkoholvergiftung.

Da hatte ich wirklich Angst um das Leben von Aurora. Aber man ist ja dann auch Mutter und weiß, dass so etwas mal passieren kann. Mit 17, 18 weiß man halt nicht, wie viel man trinken kann, bis der Körper nicht mehr kann. Zum Glück ist das nie wieder passiert.

Ihre Karriere startete mit einem Po-Foto für eine Dessous-Werbung – würden Sie das heute nochmal machen?

Auf keinen Fall. Mein Po sieht doch mit 41 nicht mehr aus wie mit 17 (lacht)! Außerdem gibt es für alles eine Zeit. Ich dachte damals: Man sieht mein Gesicht eh nicht, niemand wird mitbekommen, dass das überhaupt mein Po ist. Nie hätte ich geglaubt, dass die Leute irgendwann wissen wollen, wer hinter dem Po steckt. Ich hab damals einfach nur gedacht: Super, endlich kann ich meine Miete bezahlen.

Sie hatten mal eine Einladung zu einem Casting von „Matrix Reloaded“. Sie sind nicht hingeflogen – bereuen Sie es manchmal, dass Sie kein Hollywoodstar geworden sind?

Ich habe mich damals gegen die Reise entschieden, weil ich meiner kleinen Tochter Stabilität geben wollte. Sie brauchte ihren Vater. Mit einem Umzug nach Los Angeles hätten die beiden nicht so ein inniges Verhältnis bewahren können. Ich hab mich dann fürs italienische Fernsehen entschieden – was auch eine super Wahl war.

Und wenn heute Hollywood anklopfen würde?

Ich brauche das nicht. Ich hab mit Deutschland, Italien und der Schweiz ein Millionenpublikum. Ich bin ein echtes Europakind, ich liebe es, hier zu leben. So eine abwechslungsreiche Kultur wie die unsere gibt es in Amerika nicht.

Sie sind dreifache Mutter und arbeiten viel – wie oft haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Jeden Tag habe ich ein schlechtes Gewissen – wie alle berufstätigen Mütter. Ich liebe meinen Job und ich bin davon überzeugt, dass es für uns alle das beste ist, wenn meine Kinder eine Mama haben, die einen Job hat, den sie liebt und der sie ausfüllt. Wenn ich nach Hause komme, habe ich ganz viel Energie getankt und kann mich ihnen mit voller Liebe widmen. Finanzielle Unabhängigkeit war für mich immer das wichtigste. Es ist ein großes Glück, unabhängig zu sein.

War nach Deutschland ziehen für Sie je eine Option?

Ich liebe die deutsche Kultur und habe schon öfter drüber nachgedacht, ein Haus in Deutschland zu kaufen. Aber mit den zwei kleinen Kindern und einem Mann, der in Italien arbeitet, macht es mehr Sinn, in Italien zu leben. Außerdem moderiere ich da täglich eine satirische Show.

Was mögen Sie nicht an sich?

„Ich habe die hässlichsten Füße der Welt! Also wenn ein Mann mich liebt, darf er wirklich kein Fußfetischist sein. Ich bin nicht Cinderella (lacht)! Ich habe einfach sehr breite Füße und durch das viele Trage hoher Schuhe habe ich einen sehr ausgeprägten Hallux. Das muss ich wohl auch mal operieren lassen – aber man darf dann eine Zeitlang nicht viel laufen und ich bin jemand, der einfach nie stillsitzen kann (lacht).“

Wären Sie noch mit Eros Ramazotti zusammen ohne Sekte?

Das kann man nicht wissen – aber das ist heute auch nicht mehr wichtig. Natürlich hab ich damals sehr gelitten, weil ich dachte, ich hätte alles kaputt gemacht. Aber heute denke ich da nicht mehr drüber nach: denn wenn etwas kaputt gegangen ist, ist es kaputt. Dafür haben wir heute ein super Verhältnis und mögen uns sehr. Das Leben hat sich zum positiven verändert und ich habe eine tolle Familie.

Können Sie sich ein Leben ohne Öffentlichkeit vorstellen?

Das wird sich ergeben. Bis 80 im Fernsehen zu arbeiten, kann ich mir gerade nicht vorstellen . Aber noch 20 Jahre – das kann ich mir gut vorstellen. Dann bin ich hoffentlich längst Oma und freue mich darauf, Zeit mit meinen Enkeln zu verbringen. Und wenn ich dann noch nicht Oma bin, werde ich dafür sorgen, dass ich es werde! (Lacht)

Wie sehr nervt es, dass man Sie ständig fragt, ob Sie schwanger sind?

Ich finde das süß. Wenn die Leute dir eine Schwangerschaft andichten, dann heißt es, dass sie dich mögen. Eine Schwangerschaft ist ein Segen. Auf der anderen Seite ist das aber auch Stress. Wenn man es versucht und es klappt nicht, dann setzt einen das schon unter Druck. Es ist aber auch kein Drama. Ich hab drei wundervolle Töchter und wenn nun kein Kind mehr kommt, bin ich glücklich, so wie es ist.

Von Lena Obschinsky/RND

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