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Mircos Mutter sagt im Zeugenstand über getöteten Sohn aus

Gerichtsprozess Mircos Mutter sagt im Zeugenstand über getöteten Sohn aus

Hochspannung im Prozess um den getöteten Mirco: Die Mutter des ermordeten Jungen trat am Donnerstag als Zeugin vor das Gericht – sie wollte dem mutmaßlichen Mörder in die Augen sehen. Ruhig und gefasst erzählte sie von ihrem Sohn.

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Die Mutter des getöteten Mirco steht vor dem Sitzungssaal des Landgerichts Krefeld.

Quelle: dpa

Krefeld. Die Mutter des kleinen Mirco hat am Donnerstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes ausgesagt. Die 35-jährige Frau beschrieb den Jungen vor dem Landgericht Krefeld mit ruhiger und gefasster Stimme als zuverlässiges und selbstbewusstes Kind. Sie trat sehr beherrscht auf und antwortete etwa 20 Minuten lang auf die Fragen des Gerichts. Mircos Mutter sagte, dass das Fahrrad das ein und alles für ihren Sohn gewesen sei. Er hätte es nie irgendwo liegen gelassen - aber es war nach seinem Verschwinden herrenlos gefunden worden.

Die Anwältin von Mircos Eltern, Gabriele Reinartz, sagte im Anschluss, der Auftritt sei wichtig für die Mutter gewesen: „Sie musste es für ihren Sohn schaffen.“ Der Angeklagte hörte schweigend zu und blickte meist vor sich hin. Sein Verteidiger Gerd Meister erklärte, sein Mandant habe „große Angst“ vor der Begegnung mit den Eltern gehabt und sei nachher in seiner Zelle emotional zusammengebrochen. „Er weint sehr, sehr viel. Für mich ist das ein gutes Zeichen“, sagte Meister.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Der 45 Jahre alte Olaf H. steht wegen Mordes an dem Jungen vor Gericht. Der Familienvater hatte am ersten Prozesstag gestanden, den zehn Jahre alten Mirco am 3. September 2010 abends entführt, sexuell missbraucht und erdrosselt zu haben. Bei der Polizei hatte der gelernte Fernmeldehandwerker, der zuvor völlig unbescholten war, mehrere Versionen der Tat aufgetischt. Nach Ansicht des Gerichts sind viele Fragen noch ungeklärt - etwa ob Olaf H. an diesem Abend nicht doch gezielt auf der Suche nach einem Jungen gewesen sei. Richter Herbert Luczak legte dem Angeklagten erneut nahe, sein Geständnis zu ergänzen und sich dem Psychiater zu offenbaren.

Mircos Mutter kam in Jeans und geblümter halbärmeliger Bluse in den Zeugenstand. Die Frau, die als Verkäuferin arbeitet, erzählte, wie wichtig das Rad für ihren Jungen gewesen sei. Mirco hatte es erst drei Monate vor seinem Verschwinden bekommen und selbst gespartes Geld zum Kaufpreis dazugegeben. Mirco habe Angst im Dunkeln gehabt, sagte sie. Das Kind war abends auf dem Heimweg von einer Skaterbahn in seinem Heimatort verschwunden. Die Eltern des Jungen, die sehr gläubig sind, treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Der Vater saß am Donnerstag schon zu Beginn im Saal, die Hände übereinandergelegt.

Olaf H. ist inzwischen das dritte Mal geschieden

Olaf H. versteckte beim Betreten des Schwurgerichtssaals sein Gesicht wiederum hinter einer Sonnenbrille und einem Schreibheft. Dass er inzwischen von seiner dritten Frau geschieden ist, erfuhr der 45-Jährige vom Vorsitzenden Richter. Der Angeklagte quittierte die Nachricht mit einem verlegenen Grinsen und Schulterzucken. Der ehemalige Telekom-Mitarbeiter hat sein ganzes Leben lang am Niederrhein gewohnt, er heiratete dreimal und hat vier Kinder.

Knapp einen Monat nach Mircos Verschwinden war Olaf H. in die Konzernzentrale nach Bonn versetzt worden. Dabei bekam er eine neue Handynummer und einen anderen Dienstwagen. Die Polizei hat aber den alten Dienstwagen von Olaf H. aufgespürt und als Tatwagen ausgemacht. Der Zeuge, der den ersten Hinweis auf das Auto vom Typ VW Passat gegeben hatte, sollte am Donnerstag ebenfalls gehört werden.

Bis zu seiner Festnahme wohnte Olaf H. unauffällig in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort. Mit der Vernehmung von 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, dessen Persönlichkeit zu ergründen. Der Prozess soll bis Ende September dauern.

dpa

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