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Mister Bill Cosby: Vom Aufstieg und Fall eines Entertainers

Prozessbeginn Mister Bill Cosby: Vom Aufstieg und Fall eines Entertainers

Es geht um Missbrauch und sexuelle Nötigung: Am Montag startet der Prozess gegen Entertainer Bill Cosby. Es drohen 20 Jahre Gefängnis.

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Die Vorwürfe wiegen hart: Entertainer Bill Cosby muss sich vor Gericht verantworten.

Quelle: dpa

Philadelphia. Ein bisschen aus der Zeit gefallen sieht er schon aus. Bill Cosby sitzt im schlabbrigen Kapuzenpulli auf der Bühne, neben ihm eine Box Taschentücher und eine Flasche Wasser. Mitten im Witz, beim Gag über eine Frau im Publikum, putzt er sich mit langsamen Handbewegungen die Nase, knüllt das Papier zusammen, lässt es hinter den Tisch fallen. Gelächter im Saal. Die Fans hat der Entertainer an diesem Abend im Jahr 2012 etwas außerhalb von Chicago auf seiner Seite, wie ein Video-Mitschnitt des Auftritts zeigt. Anekdoten hat er in seiner Karriere genug gesammelt, aber ein Thema durchzieht das Witze-Repertoire: Cosbys Verhältnis zu, seinen Umgang mit, seine immer neue Verwunderung über – Frauen. Und dann sagt Cosby einen Satz, der irgendwie stellvertretend klingt für seine Lage nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe in 60 Fällen, die teils Jahrzehnte zurückliegen: „Wenn du dich an etwas nicht erinnern kannst, ist das dein Problem.“

Kurz vor den 80. Geburtstag

79 Jahre ist Cosby alt, Mitte Juli feiert er seinen 80. Geburtstag. Altersflecken zeichnen sein Gesicht, zu Gerichtsanhörungen kommt er mit Gehstock und schiebt sich dann etwas schwerfällig zum Eingang. Er hakt sich bei Verteidigern unter, tapst hinterher. Ende April hatte er in einem Interview erklärt, seit etwa zwei Jahren blind zu sein – eines Morgens sei er aufgewacht und habe nicht mehr sehen können. Sogar den Gang zum Stuhl auf der Bühne müsse er Stunden vor einer Show mit Hilfe einer am Boden markierten Linie üben.

Der Star aus der „Bill Cosby Show“

Altersschwach oder nicht, Cosby muss sich den Vorwürfen stellen. Zumindest denen der früheren Angestellten der Temple University in Philadelphia, Andrea Constand. In dem am 5. Juni beginnenden, ersten Strafprozess gegen den früheren Star aus „Die Bill Cosby Show“ lautet der Vorwurf, Cosby habe ihr im Januar 2004 Tabletten verabreicht und sie in seinem Haus sexuell belästigt. Bei einer Verurteilung drohen mehrere Jahre Gefängnis, auf freiem Fuß ist Cosby derzeit nur dank einer Kaution von einer Million Dollar (894.000 Euro).

Seinen Durchbruch feierte er mit „Tennisschläger und Kanonen“

Erste Gehversuche als Entertainer machte William Henry Cosby in den Sechzigerjahren in einem Nachtclub in New York, bald folgten Engagements in Spielfilmen und TV-Serien. Der Durchbruch kam, als er mit der Krimi-Serie „Tennisschläger und Kanonen“ als erster schwarzer Schauspieler einen Emmy gewann. Die nach ihm selbst benannte Show in den Jahren zwischen 1984 bis 1992 mit mehr 200 Folgen brachte ihm Millionen ein, auch an den Wiederholungen verdiente er kräftig. Für die „Los Angeles Times“ war die Show eine „Darstellung herzerwärmender familiärer Beständigkeit“.

Wo ist er hin, dieser Vorzeigevater, Grimassen-Schneider und Lieblings-Quatschkopf im Abendprogramm? Für Fans aus Cosbys besten Tagen sind seine Auftritte am Gericht das traurige Ende eines in Ungnade gefallenen Alleinunterhalters.

Sexuelle Belästigung, Missbrauch und Vergewaltigung in mehr als 60 Fällen?

Mindestens 60 Frauen haben Cosby nach einer Zählung der „Washington Post“ sexuelle Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung vorgeworfen. Weil die meisten Fälle verjährt sind, bleibt ihnen heute nur der Gang zum Zivilgericht: Mindestens sieben Zivilklagen wegen Verleumdung, sexueller Nötigung oder sexueller Belästigung haben 13 Frauen der Zeitung zufolge in drei Bundesstaaten gegen ihn angestrengt. Für sie wäre eine Verurteilung Cosbys ein spätes Machtwort der Justiz in einem Land, in dem Vergewaltigungen, vor allem an Colleges und Universitäten, zu oft übersehen, hingenommen oder nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Der Skandal hinterlässt Spuren

Man kann nur vermuten, ob die Skandal-Schlagzeilen und der Alltag an der Seite von Anwälten und auch innerhalb der Familie Cosby Spuren hinterlassen haben. Cosbys Frau Camille scheint sich öffentlich so bedeckt wie nur möglich zu halten. Vier Töchter im Alter von 40 bis 52 Jahren haben die beiden, der einzige Sohn wurde im Alter von 27 Jahren in Los Angeles auf der Straße ausgeraubt und erschossen.

Von Johannes Schmitt-Tegge/RND

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