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Das Model ohne Kopftuch und der Zorn der Mullahs

Festnahme wegen Instagram-Bild Das Model ohne Kopftuch und der Zorn der Mullahs

Elham Arab postete Bilder von sich im Hochzeitskleid. Dabei trägt sie die Haare offen und mit einem Blumenkranz geschmückt. Ein hübsches und ganz normales Bild möchte man meinen. Nicht im Iran. Die junge Frau wurde festgenommen. Ihr werden unislamische Taten vorgeworfen.

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"Westliche Zügellosigkeit"? Elham Arab bei ihrem Modeljob (rechts) und vor Gericht.

Quelle: Instagram/Elham Arab

Teheran. Elham Arab ist keine besonders auffällige Frau. Jedenfalls nicht im Iran und erst recht nicht in Teherans Jugendszene. Das Model wird viel fotografiert, professionell und privat. Und auf jedem Bild ist Elham Arab topmodisch, durchgestylt, mit blondiertem Haar, viel Makeup und Glitzer zu sehen. Kopftuch? Selbstverständlich. Es ist schließlich Gesetz in der islamischen Republik Iran. Doch es genügt ein Seidentuch, das mehr vom Haupthaar zeigt als verhüllt. Man nimmt es längst nicht mehr so streng im Land der Mullahs.

170 Opfer von Operation Spider II

Wenn das Kopftuch fällt und alle Welt es sehen kann, schlagen Irans Sittenwächter jedoch zu. Weil sie nur auf einen Vorwand gewartet haben, die aufmüpfige Jugend in ihre Schranken zu weisen?

Elham Arab hat Fotos von sich selbst im Brautkleid, nur mit Blumen im Haar, auf Instagram gepostet. Das hat die Zensoren auf den Plan gerufen und Arab zu einem von rund 170 Opfern der Operation Spider II gemacht.

Diese bezichtigt Models, Visagisten und Fotografen, die Bilder barhäuptiger Frauen in sozialen Netzwerken veröffentlichen, "Werbung für westliche Zügellosigkeit" zu machen. Und sie hat Arab wohlinszeniert an den Pranger gestellt.

Anhörung von Elham Arab im TV übertragen

Die junge Frau wurde gleichzeitig mit sieben anderen Menschen wegen "unislamischer Taten" verhaftet. Ihre Anhörung vor Gericht wurde im Staatsfernsehen ausgestrahlt. Da sitzt sie, vom wieder dunkel gefärbten Scheitel bis zur Sohle in einen schwarzen Tschador gehüllt, der nur das Gesicht freilässt, und sagt reumütige Sätze wie: "Alle Menschen wollen gesehen werden, aber es ist wichtig zu wissen, welchen Preis sie dafür zahlen müssen."

Freunde und Bürgerrechtler fürchten, dass sie diesen Preis hinter Gittern bezahlt. Denn es geht um die Freiheit im Internet und die Vernetzung all der mutigen jungen Iraner, die die Grenzen ihrer Freiheit austesten. In der Sprache des Vorsitzenden der Kammer für Cyber-kriminalität klingt das so: "Der Zweck von Operation Spider II ist es zu beobachten, wie die westlichen Imperialisten das Internet nutzen, um den iranisch-islamischen Lebensstil unserer Nation zu verändern."

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