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Es ist eingerichtet – dank des Home Stagers

Möbliertes Wohnen ist angesagt Es ist eingerichtet – dank des Home Stagers

Home Stager putzen Immobilien heraus, damit Kaufinteressenten einen möglichst positiven Eindruck bekommen – und einen hohen Verkaufspreis bezahlen. Auf diese Weise sollen sich sogar Ladenhüter an den Mann oder an die Frau bringen lassen.

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Vorher-nachher-Aufnahme: Das Bild links zeigt das kalte, karge Dachgeschoss. Auf dem Foto rechts haben Home ­Stager die Immobilie verschönert.

Quelle: privat

Berlin. Ein Rettich liegt auf der Arbeitsplatte in der Küche, eine Flasche Wein ist entkorkt, Magazine stapeln sich auf dem Wohnzimmertisch, indirektes Licht setzt die Kunst an der Wand in Szene, auf der Etagere im Wohnzimmer sind Pralinen arrangiert, aus dem Radio dringen die Nachrichten. So könnte sich also Alltag hier anfühlen.

Was in der Wohnung in Berlin-Schöneberg heimelig und wie in Benutzung wirkt, ist in Wahrheit die perfekte Komposition eines Stylisten. Der hat die leer stehende Wohnung für den Markt dekoriert – damit soll die Fantasie potenzieller Käufer angeregt werden. "Wir verkaufen das Lebensgefühl gleich mit", sagt Markus Pöllinger von der Immobilienfirma Fantastic Frank, die sich auf den Verkauf aufgemöbelter Wohnungen und Häuser spezialisiert hat.

Aus Schweden kommend, hat die Firma vor Kurzem Berlin entdeckt – mit seinen Kapitalanlegern und all den Menschen, die, wie Pöllinger sagt, keine Zeit oder Lust haben, in ihrer Freizeit Möbelhäuser zu durchstreifen. Oder schlichtweg keinen Geschmack haben. "Unsere Kunden sind dankbar, wenn sie sich um nichts kümmern müssen", sagt er. 10 bis 15 Prozent vom Verkaufswert kostet die fertige Einrichtung. Pöllinger sagt, dass das Geschäft fantastisch läuft.

Grundgedanke ist das aus den USA stammende Home Staging. Home Stager putzen zum Verkauf stehende Immobilien heraus, dass sie bei Kaufinteressenten einen möglichst positiven Eindruck hinterlassen – und einen hohen Verkaufspreis erzielen. So sollen sich auch wahre Ladenhüter unter den Wohnungen und Häusern an den Mann oder an die Frau bringen lassen, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Re-Design, dem Berufsverband, der inzwischen bundesweit gut 300 Mitglieder zählt.

"Menschen entscheiden sich in den ersten Sekunden, ob sie sich in der Wohnung oder in dem Haus wohlfühlen", sagt die Berliner Home Stagerin Christina Wellhausen. Oft beauftragen die Einrichter auch Handwerker und Reinigungskräfte. "Staub, Schmutz, Gerümpel und Gestank – Sie glauben gar nicht, wie abschreckend manche Wohnungen wirken, wenn wir sie das erste Mal betreten", sagt Wellhausen.

Die größten Fehler bei der Begutachtung seien dunkle Räume und mangelnde Belüftung. "Es gibt tatsächlich Objekte, da ist es stockduster drin, weil noch die Jalousien unten sind, und es riecht noch nach dem letzten Essen." Nicht nur Makler lassen ihre Objekte zunehmend einrichten, auch Privatleute, die etwa mit dem Verkauf des geerbten Hauses überfordert sind, engagieren Raumausstatter. "Da sieht es dann manchmal noch aus wie vor 50 Jahren – mit entsprechenden Tapeten und Gardinen", sagt Wellhausen.

Der Berufsverband wirbt mit vielen "Erfolgsstorys" auf seiner Homepage. Mit Einfamilienhäusern, Flachdach-Bungalows, Dachgeschoss-Maisonettes, Eigentumswohnungen im Parterre, die wenige Tage oder Wochen nach dem Home Staging schon den Besitzer wechselten – oft zu einem höheren Preis, als dieser vor der Frischekur lag.

Ein Beispiel: Einfamilienhaus in Nordrhein-Westfalen. Angebot vor Home Staging: 270.000 Euro, Verkauf für 295.000 Euro. Sogar der Kamin brannte, als die Interessenten kamen. Im Normalfall nehmen Home Stager die Möbel und Accessoires aber wieder mit. Sie haben eigene Depots oder Einrichtungshäuser als Partner.

Die Stylisten von Fantastic Frank bestücken die Objekte dagegen nach den Begehrlichkeiten der jeweils ausgemachten Zielgruppe, um sie quasi löffelfertig zu verkaufen. Berlin-Schöneberg beispielsweise gilt als Singleviertel, da sind Retro-Chic vom Flohmarkt und Rennradhalter an der Wand angesagt. Im Stadtteil Prenzlauer Berg, bekannt als wohlhabendes Familienidyll, dürfen die Räume verspielter eingerichtet sein. Auch Details kämen total gut an, konstatiert Verkäufer Markus Pöllinger.

Eine aufgeklappte Lesebrille neben dem Bett, ein Handtuch auf dem Badezimmerboden, ein abgebissenes Brötchen auf dem Teller – Effekte, die Kaufinteressenten zum Schmunzeln anregen. Bei solchen "Hinguckern" gebe es viermal so viel Klicks auf die Bilder im Internet als auf Bilder mit leeren Räumen, freut sich Pöllinger: "Wir spielen mit Emotionen – am Ende soll der Gedanke stehen: Okay, hier will ich jetzt einziehen."

So bringen Sie ihr Haus auf Hochglanz

Fünf Tipps der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Re-Design, wie Sie beim Verkauf Ihrer Immobilie mehr rausholen

1. Betrachten Sie ab sofort Ihr Haus als Objekt, das zum Verkauf steht – nicht länger als Ihr Zuhause.

2. Polieren Sie das Haus von außen auf! Unordnung und Chaos schrecken Interessenten ab – die womöglich gar nicht erst eintreten wollen. Entfernen Sie Müll, Kinderspielzeug, düngen Sie den Rasen und schneiden Sie Hecken und Sträucher. Reinigen Sie Haustür, Hausnummer und Briefkasten. Das wirkt!

3. Schaffen Sie Platz! Denn das ist es, was Käufer sehen wollen. Achtung – ein unaufgeräumtes Haus wirkt kleiner, als es ist! Sortieren Sie Unnützes aus und entsorgen Sie alles, was Sie nicht mehr brauchen. Vergessen Sie auch die Garage nicht.

4. Reinigen und reparieren Sie! Gehen Sie hierfür durch jeden Raum und erstellen Sie zwei Listen: eine fürs Reparieren, eine fürs Reinigen. Besonders wichtig sind Eingang, Küche und Bad. Vergessen Sie auch Wände, Decken und Fenster nicht. Ihr Haus sollte in tadellosem Zustand sein, wenn Interessenten kommen.

5. Streichen Sie! Auf jeden Fall die wichtigsten Räume. Eingang, Wohn-, und Esszimmer, Küche und Schlafzimmer in frischen, neutralen Farben. Bedenken Sie, dass dunkle Farben einen Raum optisch verkleinern.

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